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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-12 · Heft 19 (12.5.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 19 (12.5.1893)
Date
1893-05-12
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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Misoellen Emi 11 Pascha über den Religionswechsel. Ein soeben erschienenes Werk: „Die Wahrheit über Emin Pascha, die ägyptische Aequatorialprovinz und den Sudan", von Vita Hassan (deutsch von Dr. B. Moritz bei Dietrich Reimer, Inhaber Höfer und Vohsen in Berlin) versucht es, ein vollständiges Bild Emin Paschas zu geben. Vita Hassan hat zehn Jahre mit Emin zusammen gelebt. Hören wir, was Vita Hassan über die Person Emin Paschas mitzutheilen weiß; es ist mancherlei Interessantes und Neues darunter: „"Als Dr. Schnitzler seine Heimath verließ, begab er sich direkt nach Konstantinopel, wo er nach seinem Uebertritt zum Islam bei der türkischen Regierung als Militärarzt mit dem Range eines Hauptmanns in Dienst trat. 'Als Emin Pascha eines Abends in Wadelai mit seinem ersten Schreiber Ahmed Mahmud bei mir speiste, kam die Unterhaltung zufällig auf das Thema des Religionswechsels. Ahmed Mahmud hatte es einzurichten verstanden, bei Tische eine Flasche Absynth zu zwei Dritteln ganz allein auszutrinken, zum großen Erstaunen des Paschas und trotz seiner Rathschläge und Mahnungen zur Mäßigkeit, die er selbst stets eifrig beobachtete. In seiner Trunkenheit redete er von einem zum Islam übergetretenen koptischen Beamten und begann gegen die Personen zu sprechen, die ihre Religion verließen, in der sie geboren sind. Der Pascha bewahrte einige Augenblicke eine Haltung, die trübe Betrachtungen verrieth, faßte nach seiner Gewohnheit an den Bart, hob den Kopf und sagte zu ihm: „Hören Sie mich, Ahmed Mahmud. Wenn ein Mann seine Religion eines Weibes wegen aufgiebt, ist es tadelnswerth; thut er es des Geldes wegen, ist er verächtlich; aber wenn ihm das Messer an der Kehle sitzt, so ist er, wenn auch nicht ganz zu rechtfertigen, so doch zu entschuldigen und zu beklagen." Diese Unterhaltung prägte sich meinem Gedächtniß fest ein, und ich bin seitdem in meinem Innersten überzeugt geblieben, daß irgend ein trauriges Geheimniß den Uebertritt Emins zum Islam herbeigeführt hat, ein Uebertritt, der zweifellos kein freiwilliger war und nicht leichten Herzens geschah." d — Ein Brief desBildhauersAut okolski. Vordem brutalen russischen Antisemitismus finden auch Künstler ersten Ranges keine Gnade, wenn der Zufall sie als Jude zur Welt kommen ließ. Das mußte auch der berühmte Bildhauer Autokolski, der größte jetzt lebende Meister der russischen Bildhauerkunst, erfahren. Autokolski, der von jüdischen Eltern stammt, wurde von der antisemitischen Presse in Rußland, an deren Spitze die „Nowoje Wremja" marschirt, seit jeher in unwürdigster Weise als Künstler herabgesetzt und verleumdet. Das verleidete ihm den Aufenthalt in Rußland und er verließ, obwohl ihn der Zar selbst seines Wohlwollens versicherte, Petersburg, um sein Atelier in Paris aufzuschlagen. Auch dorthin folgte ihm der Haß der russischen Antisemiten, die nicht müde wurden, ihn, der seine Kunst ausschließlich der Verherrlichung russischer Helden widmete, und seine künstlerische Bedeutung in den Koth zu zerren. Autokolski richtete nun ein Schreiben an die Petersburger „Nowosti", in welchen! er zunächst dem kunstfreundlichen russischen Publikum für die ihm bewiesenen Sympathien dankt und weiteres schmerzerfüllt nach der Ursache fragt, die ihm den Haß gewisser Hetzer brachte. „Die erste Person", schreibt Autokolski, „die mir bei meinen Anfängen die Hand reichte, war ein Russe. Meine Mitschüler und Freunde auf der Akademie waren Russen. Eine Russin rettete mir das Leben und ihr verdanke ich meinen Namen. Ließen es mich diese lieben Menschen etwa fühlen, daß ich Jude bin'- Niemals! Wir waren Alle von einen: Gedanken beseelt und hatten das gleiche Ziel: das Vaterland zu liebe: und in ihm die Gefühle für Edles und Großes wachzuhalten. 25 Jahre sind seit jener Zeit verstrichen, und heute, welcher Umschwung, welch.. Enttäuschung: Statt der Einigkeit — die Zwietracht; statt des Friedens — der Krieg; statt der Nächstenliebe — der blinde und verblödet. Menschenhaß. Wer schildert meinen Seelenzustand, in welchem ich di. letzten Jahre arbeiten mußte?! Während ich in meinem Pariser Atelie' die Gestalten unserer Helden „Ermak" und „Nestor" modellirte, mußte: meine Glaubensgenossen in Rußland endlose Verfolgungen erdulden meine armen Brüder fanden dort nirgends ein Wort des Mitleids,' da gegen umsomehr Hohn und Grausamkeit. Vergebens wendete ich miü an einflußreiche Freunde mit der Bitte, die Sache der Verfolgten in di Hand zu nehmen, ihre Stimmen für die Opfer zu erheben. Niemanl antwortete mir. Nichtsdestoweniger war und ist mein Glaube an das russische Volk stärker als mein Schmerz und ich verzweifle nicht an de: guten und von Gerechtigkeit erfüllten Gefühlen des russischen Volkes Denn ich bin überzeugt, daß die Ursache dieser schmerzlichen und grau samen Ereignisse nicht im Herzen des russischen Volkes ihren Sitz hat sondern von jenen Elementen ausgeht, die einem von außen kommende: Einfluß willfährige Dienste leisten." 9 Wie Judenhetzen entstehen können. Aus Prag wird de: „D. Ztg." folgendes nette Histörchen zugeschickt: In einem czechischer Städtchen existirt eine Zeitung, die wir Prodani revoiver nennen wollen und deren Redakteur konnte die Juden nicht leiden. Er hatte drei Grund, dafür: erstens verstanden sie deutschund lasen verrätherischerweise Büche: und Zeitungen in dieser Sprache der Nationalfeinde, zweitens abonnir teil sie nicht seine Zeitung, sondern, wenn sie schon czechisch lesen wollten die seiner gegnerischen Partei, und drittens . . . Dem Prodoni revolvei beliebte es eines Tages, den geachteten Kaufmann T. persönlich anzu greifen. Sein Vater sei wie so viele Juden vom Wucher reich geworden und der Sohn bedrücke jetzt mit diesem Gelde die echten Kinder des aus gesogenen Vaterlandes. („Echt" sind nur seine eigenen Parteigenossen. > Herr T. eilt zu dem Schreiber der Notiz, beweist ihm, daß sein Vater ni. gewuchert habe, und schließt dies Beweisverfahren mit folgendem Satze „Wenn die Sache geordnet ist, dann gebe ich gern „vier Zehner" her Dies schien von durchschlagender Beweiskraft, denn die nächste Numme: des Prodani revoiver rehabilitirte den tobten und den lebendigen Herrn T vollständig. Nun ivar's an: Letzteren, sein Versprechen zu halten, unk! er sandte dein Herrn „Reditel" in einem Briefe, der vor Zeugen gefüll! und versiegelt wurde, „vier Zehner", und zwar den Treff-, Pique-. Careau- und Herz-Zehner". Bedarfes eines größeren Beweises für di, Schlechtigkeit der Juden? Seit jener Zeit hetzte der Prodani revolvei heftig gegen alles Jüdische im Allgemeinen, und als ein Mädchen nll Wasser sprang, gegen seine israelitischen Mitbürger im Besonderen; e: bewies, daß dies kein Selbstniord, sondern ein Ritualmord sei, und bn Folge war . . . Wer das genau wissen will, lese die Berichte über di Judenhetze in Kolm — es ist fast dasselbe. Geschäftliche Notizen. ^Deutsche Mil it airdien st-Versicherungs-A nstalt in Hau nover. — Im Monat April waren zu erledigen 2262 Anträge übe Mk. 2,473,000.—. Das Vermögen erhöhte sich von Mk. 46,537,000.- auf Mk. 47,440,000.—. L. May inh. B. Klotzsch —>-gegründet 1845 - nur Berlin C. * Königstr. 59 neben der Post. Blouse Blouse Blouse Blouse Blouse bitte Farbe möglichst aus waschechtem Parchend . M. 1.25 aus prima Satin.,, 1.75 aus prima Batist.2.25 aus prima Mouselin . . . . ., 4.50 aus prima Seide.,, 10.— - Bei auswärtigen Bestellungen-<rgenau sowie ungefähren Preis anzugeben. Ein älteres, erfahrenes Mädchen, welches 6 Jahre einem Rabbiner die Wirthschast führte, sucht wegen Todesfall per 1. Juni eine ebensolche Stellung. Offerten erbeten unter B. 120 postlagernd Schwedt a. Oder. Israelitisches Fräulein sucht Stellung als Haushälterin bei einen: einzelnen Herrn oder Dame. Offerten zu richten unter A. B. C. 322 hauptpoftlagerrid Wurzburg. Ein u gebildetes Mädchen aus guter Familie wünscht eine Stelle zur Kührung des Haushaltes und zur Erziehung von Kindern anzunehmen. Off. unter V. 160 an Rudolf Mosse, Cassel, erbeten. Vom 1. Juni bis 1. September wir eine ordentliche jüdische Köchin fürs Land gesucht. Gehalt'sansprmt und Meldungen unter J. B. 084 an die Expedition dieses Blattes. Suche f. meine Schwester 19 I.. Stellung zur weiteren Ans vildung in Küche und Haushalt Gest. Offerten unter A. 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