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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-17 · Heft 11 (17.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 11 (17.3.1893)
Date
1893-03-17
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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Miso et len. * Alph onse Daudet über Heinrich Heine. Gin Korrespondent der „Fr. Z." besuchte kürzlich den berühmten französischen Schrift^ steller und schildert sein Gespräch mit diesem folgendermaßen: „Also was geht denn eigentlich in Düsseldorf vor?" fragt Daudet. „Warum will der Gemeinderath die Aufstellung des Heinedenkmals nicht erlauben?" „Ja, Sie müssen wissen, Meister, das geschieht im Namen der Moralität. Heinrich Heine ist nämlich für die Herren in Düsseldorf ein unmoralischer Dichter." Hier war es das erste Mal, daß ich Gelegenheit erhielt, mich von der wohlklingenden Sonorität zu überzeugen, welche das Lachen Daudets besitzt. So herzlich habe ich überhaupt selten lachen hören. Der Düsseldorfer Gemeinderath verdient euren besonderen Dank für seinen Beschluß, weil er damit einem von Schmerzen geplagten Manne Gelegenheit gegeben, einen Augenblick wahrhaft ungetrübter Heiterkeit zu verbringen „Nein, das ist sehr vorzüglich," sagte Daudet. Und nach einer kleinen Pause fügte er hinzu: „Mate <^aadu le reveiller dans sa tombe." Er wollte sich um keinen Preis mit dieser Erklärung zufrieden geben. Ob denn nicht vielleicht politische Motive den Ausschlag gegeben? Ob man Heine nicht seine Bärenpolitik verarge, seinen Atta Troll? „Gewiß das dürfte auch mitgespielt haben — als Motiv politischer Jmmoralität. Aber die moralische Jmmoralität war doch die Hauptsache." Und wieder brach es los, daß der Plafond widerhallte: „Ha — ha — ha — ha!" Wahrlich, ein stolzer Moment in der Geschichte der Düsseldorfer Stadtverwaltung. „Aber die Idee des Denkmals ist doch nicht aufgegeben?" fragte Daudet. „Wenn man ihn in Deutschland nicht haben will, könnte man ihm vielleicht sein Monument in Oesterreich errichten? Oder findet sich nirgends ein Plätzchen, — Frankreich würde den Verbannten auch diesmal aufnehmen. O, in diesem Falle darf man der sympathischesten Aufnahme gewiß sein. Dem französischen Volke ist Heine vielleicht unbekannt, aber was bei uns nur irgend zu den Gebildeten zählt, hat ihn gelesen und hält ihn werth. Wir würden stolz darauf sein, sein Denkmal unter uns zu haben. Ich verbürge mich für die Zustimmung sänuntlicher französischer Schriftsteller. Nicht ein Name würde im gegebenen Falle fehlen." „Und Sie selbst, Meister, Sie sind mit des Dichters Werken vertraut?" Er wies mit der Hand nach dem unterstell Fach eines der Bücherregale, welche rings an den Wänden stehen. „Da sehen Sie meinen Heine — wunderbar gebunden noch dazu. Erst in der letzten Zeit habe ich ihn wieder zur Hand genommen. Aus einen: ganz engen persönlichen Interesse. Ich suche nämlich in ihm die Spuren der Krankheit. Sie wissen, ich bin krank — o sehr krank! Und da sehe ich denn nach, besonders in seinen Briefen, wie er sein Leiden getragen, wie er sich mit den: Schmerz abgefunden. Er hat nämlich furchtbare Schmerzen gelitten Damals waren die Anaesthetica nicht bekannt, die wir heute haben. Er niußte z:r Opium und Laudanum greifen. Da bin ich besser daran mit Morphin und all' dem Uebrigen." Er hielt einen Augenblick inne und sah still vor sich hin, als müßte er sich mit einem trüben Gedanken abfinden, der da plötzlich vor ihm aufgestiegen. Aber er wurde rasch damit fertig. „O, ich bewundere ihn als Dichter. Es ist die größte Phantasie * in der Dichtkunst seit Shakespeare. Und dann diese Sensibilität — cette sensibilite d’ecorche! Es ist die überfeinerte Empfindsamkeit des kranken Menschen. Auch er hat seiner Krankheit vielleicht nicht den kleinsten Theil seines Dichterthums zu danken." Wieder gab es die Pause. Wieder beschattete der trübe Gedanke seine Stirn. Aber wieder floh er rasch vorüber. „Nur Eins, sehen Sie, liebe ich nicht bei ihm. Das ist sein Lachen. Er hat nicht das frische, freie Lachen, das vom Herzen kommt. Es ist mir zu viel Bitterkeit darin. Freilich ich weiß wohl, woher diese Bitterkeit stammt. Das ist das Lachen des jüdischen Volkes — das Lachen, aus dem die Verfolgung herausklingt, die Folter, die Schmach, der Scheiterhaufen, — das Lachen, über dem Jahrhunderte lang die Geißel des Henkers gedroht hat . . . Und dann, mit Heine hat es einen großen Uebelstand bei uns: wir kennen ihn nur aus den Uebersetzungen. Es sind wackere und sorgsame Leute, die ihn uns übertragen haben. Aber es sind doch immer nur Uebersetzungen. Das heißt. Sie sehen den Mann nicht ganz, wie er gewesen. Sie sehen ihn durch einen Nebel hindurch, der sein Bild verzerrt. Sie müssen ihn mehr ahnen, als sehen."? * Das Zeitalter der Humanität. Wie so herrlich weit wir es gebracht haben in unserem an Fortschritten so reichen „Zeitalter der Humanität", dafür wollen wir unseren Lesern ein kleines Beispiel anführeu. Die „Anhalt-Köthensche Staatszeitung" vom 26. Juni 1811 enthielt folgende Bekanntmachung: „Wir August Christian Friedrich, von Gottes Gnaden souverainer Herzog zu Anhalt rc. in Erwägung, daß. Publicandum. Da es die gute Ordnung erfordert, daß die Juden, welche durch die neue Konstitution völlig gleiche Rechte mit den Christen erhalten haben, auch gleich den Letzteren Familien-Namen führen, so haben auf die von Seiten des Ministeriums geschehene Aufforderung die in hiesiger Residenz wohnhaften Juden solche auch sofort angenommen, und zwar (folgen 21 Namen), und werden diese angenommenen Familiennamen hierdurch nicht nur bestätigt, sondern wird auch allen Behörden anbefohlen, bei öffentlichen Ausfertigungen darauf Rücksicht zu nehmen. Zugleich wird verboten, sich bei Ausfertigungen oder Verhandlungen des Zusatzes: Jude oder jüdisch, z. B. jüdischer Kaufmann, zu bedienen, indem es dem Geiste des Zeitalters durchaus widerspricht. Jemand von Seiten der Religion charakterisiren zu wollen. Köthen, den 20. Juni 1811. Ministerium des Herzogthums Anhalt-Köthen. Dabelow." Und heute! Geschäftliche Notizen. — „Nepomuk" — das ist der Name des neuesten Produktes Berliner Industrie, des neuesten und süffigsten Bräues des hiesigen Böhmischen Brauhauses. Jeder, der dies Bier trinkt — selbst der größte Schwärmer für echt Pilsener — wird bekennen, daß ein Unterschied zwischen echtem Pilsener- und Nepomukbräu nicht gemacht werden kann und daß das Nepomukbräu in kurzer Zeit sich die Gunst aller Liebhaber Pilsener Biere voll und ganz erobern dürfte. BRÜSSEL 174—176 Chaussee d'Etterbeek Institut international Kahn Schule für Handel, Gewerbe und moderne Sprachen (Internat.) Gegründ. 1863. Vier goldene Medaillen. Erstes Institut dieser Art in Europa. Unbedingte Sicherheit, die srarrz., engl., (deutsche) und ital. Sprache schnell und zu gleich. Zeit in Wort und Schrift vollständig beherrschen zu lernen. Vier Lehrer dieser Nationalitäten im Hause. Kaufmännische Fachbildung. 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