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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-17 · Heft 11 (17.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 11 (17.3.1893)
Date
1893-03-17
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Mrseelten * Die alten Antisemiten. Die Antisemiten von heute haben nicht das Verdienst, in irgend einem Punkte originell zu sein, sie sind vielmehr durchaus Nachahmer derjenigen Personen, die im Alterthum Christenverfolgungen veranstalteten. Die üble Nachrede haben sie aus jener Zeit entlehnt und ebenso die Methode. Recht lehrreich dafür ist die Geschichte der Christenverfolgungen in Kleinasien unter Kaiser Maximinius vom Jahre 312. Kaiser Valerius hatte zu Gunsten der Christen ein Toleranz-Edikt erlassen, und sein Unterherrscher Maximinius hatte darauf die Behörden angewiesen, von einer Verfolgung Abstand zu nehmen. Nach dem Tode des Kaisers Valerius aber änderte Maximinius sein Verhalten gegenüber den Christen. Sobald die höheren Beamten die wirkliche christenfeindliche Gesinnung des Kaisers erkannt hatten, veranstalteten sie einen Petitionssturm um Wiederaufnahme der Christenverfolgungen. Diese Thatsachen waren durch die geschichtlichen Ueberlieferungen bekannt, und aus dem Kirchenvater Eusebius wußte man auch, daß damals in allen Städten Kleinasiens deren christenfeindliche Petitionen und das zustimmende kaiserliche Reskript, in eherne Säulen eingegraben, öffentlich ausgestellt waren. Auf einer Forschungsreise, die Hofrath Benndorf mit zwei jungen Wiener Gelehrten nach Kleinasien unternahm, fand man den inschriftlich erhaltenen Beleg für den Bericht des Kirchenvaters. In der lykischen Stadt Arykanda stieß man unterhalb des Stadiums auf einer innerhalb der Grundmauern eines unvollendet gebliebenen Gebäudes freiliegenden Platte auf den allerdings stark fragmentirten Rest des lateinischen kaiserlichen Reskripts und darunter auf den vollständigen erhaltenen griechischen Text der Eingabe des „Volkes von Pamphylien und Lykien" an die Kaiser Maximinius, Constantinus und Licinius. Die Eingabe bat, es möchte im Interesse der kaiserlichen Regierung verhütet werden, daß durch Duldung der Christen die den Göttern schuldige Verehrung leide. In dem darüber stehenden kaiserlichen Reskript werden die Bittsteller wegen ihres frommes Begehrens belobt und wird ihnen Erfüllung ihrer Bitte in Aussicht gestellt. Das in gegenwärtiger Zeit ganz besonders interessante Dokument ist von Professor Mommsen in dem kürzlich ausgegebenen Hefte der archäologisch-epigraphischen Mittheilungen aus Oesterreich-Üngarn mit einem kurzen Kommentar veröffentlicht, an dessen Schluß es heißt: „Die Antisemiten — Christus war ja auch ein Semit — hatten es also vor anderthalb Jahrtausenden weiter gebracht als ihre heutigen Gesinnungsgenossen. Unsere offenbaren Antisemiten haben bis jetzt noch nicht erreicht, daß ihre Petitionen um Semitenhetze von regierungswegen in jeder kleinen Landschaft öffentlich angeschlagen werden, und die hochgestellten Crypto-Antisemiten, die eigentlichen Schuldigen, stehen nicht minder weit zurück hinter der Leistung des Kaisers Maximinius. Einen Fortschritt der Kultur auf diesem Gebiete wird der Menschenfreund also gern registriren." * Die Heimkehr. Unter diesem Titel bringt der „Ulk" folgende Zeitgedicht. das Lager auf und nieder schwillt der Jubel nach Gebühr: Rektor Ahlwardt kehret wieder, — aber nicht vor seiner Thür. * Das Paradies. Eine Sage des Midrasch erzählt: Zwei große Thore von Edelsteinen, die von tausend lichtstrahlenden Engeln ununterbrochen bewacht werden, führen in das Paradies. Der Gerechte und Gottesfürchtige wird von Engeln empfangen, die ihm seine Todtenkleider aus- und neue vom reinsten Aether für ihn angefertigte Kleider anziehen, mit zwei von feinem Gold und kostbaren Edelsteinen bereit liegenden Kronen sein Haupt schmücken, acht Myrthenzweige in seine Hände legen und mit lieblicher Stimme ihm entgegen fingen: „Kehre ein, o glückliche Seele, und genieße mit Freude die Kost, die du am Leben dir bereitet hast." Dann begleiten sie ihn an einen von kristallklaren, erquickenden Wasserquellen bewässerten und von vielen Tausenden duftenden Rosen und Myrthen umgebenen Ort. Der Gerechte sitzt unter einem goldenen Baldachin, neben welchem vier Quellen von Milch, Wein, Spezereien und Honig sprudeln. Ueber dem Baldachin flattert eine goldene mit Diamanten bestreute Rebe, inwendig steht ein goldener Tisch, der von Hunderten von Engeln umgeben ist, welche dem Gerechten zurufen: „Genieße mit Wonne den Honig des Gesetzes, dem du im irdischen Leben treu geblieben bist." Das Leben der Frommen nimmt im Paradies bald die Gestalt der Jugend, bald die des erwachsenen Alters, bald die des Greisenalters an und genießt die Freuden dieser verschiedenen Altersstufen. Längs des Paradieses grünen und blühen viele Millionen Bäume und in jeder Ecke sind unzählige Tausende von Engeln und Seraphim aufgestellt, welche ihre süßen Gesänge in seltener Harmonie den Frommen und Gottesfürchtigen zu Ehren anstimmen. In der Mitte des Paradieses aber steht der Baum des Lebens, dessen ausgedehnte Zweige die herrlichsten Früchte von verschiedenem Geschmack und Wohlgeruch tragen. Ueber ihm ziehen sieben Wolken des reinsten Aethers einher und ein leises Lüftchen bewegt ihn sanft und verbreitet seine Düfte nach allen Enden der Welt. Im Schatten des Lebensbaumes sitzen die frommen, weisen Gesetzeslehrer, von denen Jeder zwei Baldachine aus leuchtenden Sternen und glänzenden Sonnen hat, die aber durch einen Vorhang aus reinstem Aether von einander getrennt sind. Die übrigen Freuden des Paradieses wird nie ein menschlicher Geist zu fassen vermögen. Kriefkastrn der Redaktion. Lehrer St. in O. Daß das L.'sche Ehepaar dort „8 Kinder und viele Enkel hat," ist den Mitgliedern Ihrer kleinen Gemeinde nicht unbekannt; unsere übrigen Leser interessirt dieser Umstand aber ebensowenig wie die Thatsache, daß diese 8 Kinder rc. ihren Eltern ein Geschenk zur goldenen Hochzeit gemacht haben. Es soll häufiger Vorkommen, daß Kinder so etwas thun. Geschäftliche Notizen. * Pommersche Hypotheken-Aktien - Bank. 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