Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1892)
- Date
- 1892-11-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 die von dem Antisemitismus gegen die jüdischen Kapitalisten aufgehetzten kleinbürgerlichen und kleinbäuerlichen Schichten zu der Erkenntnis; kommen müssen, daß nicht blos der jüdische Kapitalist, sondern die Kapitalistenklasse überhaupt ihr Feind ist, und daß nur die Verwirklichung des Sozialismus sie aus ihrem sozialen Elend befreien kann." Hiermit hat die Sozialdemokratie den von uns oft behaupteten Satz, daß der Antiseuntismus ihre Vorfrucht sei, offiziell anerkannt. * Berlin, 21. November. Die Redaktion der „Mittheilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" richtet an Herrn Hofprediger a. D. S t ö ck e r die nachfolgenden Fragen: „Nach dem Bericht der „Dresdener Nachrichten" vom 3. d Mts. erklärten Sie in Dresden, das; Sie in London auf jüdisches An stiften haben ermordet werden sollen. Wir richten an Sie die Fragen: I. Ist es wahr, daß Sie eine derartige Aeußerung gethan haben? Falls Sie diese Frage bejahen: 2. Welches sind Ihre Beweise für eine so ungeheuerliche Behauptung; 3. Warum haben Sie der Staatsanwaltschaft keine Anzeige erstattet?" Wir sind gespannt, ob Herr Stöcker auf diese Anfrage eine 'Antwort zu finden wissen wird. -;i- Aus Schlesien, 17. 'November. Am 14. November d. Js. beging in Beuthen (Oberschlesien) Herr Rentier Richter, der Vater des früher daselbst, jetzt in Breslau ansässigen Sanitätsraths Dr. Richter, seinen neunzigsten Geburtstag. Letzterer, ein beliebter und gesuchter Arzt, weilte aus diesen; Anlaß in seiner Vaterstadt Der Magistratsdirigent, Oberbürgenneister D r. B r ü n n in g, die Mitglieder des Synagogeu-Vorstandes und viele 'Andere beglückwünschten den hochbetagten, verdienstvollen Greis, der fünfzig Jahre ununterbrochen Stadtverordneter war und wegen seiner verdienstlichen Wirksamkeit mit dem .Kronenvrden und dem Roth er; Adler orden ausgezeichnet wurde. — Bei den heut stattgehabten Ergänzungswahlen für das R eprüsentante n-K o lleg i um der Synagogen-Gemeinde Kattowitz erhielten die Herren Rechtsanwalt Epstein, Max Fröhlich, L. Altnrann, S. Block, 'Adolf Löbinger, Louis Borinski und Heinrich Kleemann die größte Stimmenzahl. Als Repräsentanten-Srellvertreter wurden Bahnmeister a. D. Earl Grätzer und Bierverleger S. Friedlande r gewählt. Im Ganzen wurden l;4 Stinrmen abgegeben. — Der Mendelssohn-Verein in Pteß wird alle vierzehn Tage, am Mittwoch nach den; 1. und 1.7. eines jeden Monats, auch Vortragsabende abhalten. Der Verein hat es sich zur 'Aufgabe gemacht, den Mitgliedern durch Vortrüge jeder Art, in wissenschaftlicher und praktischer Beziehung, sowie auch in deklamatorischer Weise und durch Vorlesung von Klassikern angenehme und nützliche Unterhaltung zu schassen. Der Verein zählt 4n Mitglieder. Er gilt" als reger Sammelpunkt der jüngeren und älteren Mitglieder der jüdischen Gemeinde und sucht auch auf die Jugend veredelnd zu wirken, inden; er eine Schülerbi bli othek gründete. — 2lm 22. d. Mts. feierte Herr Kaufmann Gold stein, Inhaber der bekannten Holzgroßhandlung in Königshütte, mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. - Zur Beuthner'schen Erbschaftsangelegenheit (in Beuthen O -S., vergt. Nr 46) berichtete ich Ihnen nach einer Miktheilung von Miterben, daß die direkten Erben des Erblassers die Eröffnung des Testamentes lauge zu verzögern gesucht hätten. Wie ich jedoch nachträglich aus authentischer Quelle erfahre, ist die Verzögerung durch die bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen in Köln und New-Aork herbeigeführt worden. Kurz nach den; Tode des Erblassers reiste der bezw. Erbe nicht nur nach Köln a. Rh, wo das Testament deponirt war, sondern auch in Folge der 'Abwesenheit des zuständigen Notars zu diesem nach Norderneu, um die Eröffnung M beschleunigen. Das Kölner Gericht erklärte sich jedoch für inkompetent, worauf die 2lngehörigen des Erblassers sich zu jedem Opfer bereit erklärten, um die Eröffnung in New-2>ort zu erlangen, wo denn endlich nach langer Korrespondenz und vielfachen; Schriftwechsel über diesseitige und jenseitige gesetzliche Bestimmungen im September d. I die Eröffnung erfolgt ist. — In Großstre h lilz wurde der praktische 2lrzt, Herr Dr. Heinrich 'Wachs;;er, zum Vorsteher-Stellvertreter der dortigen Synagogen-Gemeinde gewählt. — 'Aus dem au; gestrigen Tage (Mittwoch) veranstalteten zweiten Stiftungsfeste des deutsch-sozialen Vereins in Breslau ward auch eine Sammlung für die'Angehörigen des 'Rektors 'Ahlwardt veranstaltet. Dieselbe ergab einen Betrag von n;ehr als 107 Mark. X Lyck (Ostpreußenst 14. November. 2l;ich die königliche Reau rung zu Gumbinnen hat von sämmtlichen Kreisschulinspektoren sej Regierungsbezirks je ein Exemplar der Lehrbücher eingefordert, roet in den jüdischen Religionsschulen eingeführt sind. Auf eine Anfrage a> den hiesigen Kreisschulinspektor und Superintendenten nach der Ursc.ch dieser Verfügung, wurde ein ausweichender Bescheid gegeben. In! ie! siger Gemeinde wird der Religionsunterricht in der städtischen Schul und am Gymnasium ertheilt. In der ersten Anstalt wird der Urner) richt vom Vorstande der Synagogengemeinde und in letzterer vom Gr,'.,: nasialdirektor beaufsichtigt. Der Religionsunterricht am Gymnasium wird auch aus der Gymnasialkasse besonders honorirt. Die Obern.ö) sicht über den gesammten Religionsunterricht aber führt der Herr Rub biner Dr. Bamberger in Königsberg i. Pr., da derselbe als Jnspestrn des ostpreußischen Geineindeverbandes alljährlich die Religionsschust^ inspizirt und das Ergebniß sowohl dem Vorstande der Kreissynagog. w gemeinde, als auch dem Gymnasialdirektor mittheilt. Letzterer lös; den von Seilen des Herrn Dr. Bamberger ihn; erstatteten Berstiil wiederum dem Provinzialschulkollegium zugehen. Wir sehen daraus daß die Regierungs- und Schulbehörden sich jetzt;nehr als bisher um] den jüdischen Religionsunterricht kümmern, was wir nur mit Freuden] begrüßen können. ] st will; I örensd £ Leipzig, 17. November. Das Reichsgericht verwarf die Revisi u des Redakteurs Bellmann der Dortmunder antisemitischen „Resorvn"j gegen das Urtheil des Landgerichts Dortmund vom 13. Juli, welch Bellmann zu 6 'Monaten Gefängniß verurtheilte wegen Beleidigung r> Oberlandesgerichts Frankfurt a. M., dem der Vorwurf der Parteilichst! in der Angelegenheit des Landrichters Liebmann gemacht worden war. ß Hannover, 3i. Oktober. An; 21. Oktober beging der Geheim^ Kommerzienrath Louis Ephraim Meyer Hierselbst den 70. Geburtstag Der Geheimrath hatte von seinem Geburtstage vorher geflissentlich niduv verlauten lassen. Nichtsdestoweniger wurde die Feier Abends vorkch durch ein Ständchen eingeleitet, das der 'Arbeiterverein brachte. T u Worte, welche der Sprecher an den Gefeierten richtete, waren eine höbe Anerkennung seines Wirkens zur Hebung der 2lrbeit und Industrie n der Provinz Hannover, die betreffende Antwort des 2lngeredeten verliest den; 'Akte einen harnwnischen Abschluß. 2lm Geburtstage selbst zeigten die Kinder, Verwandten und Freunde, wie sehr sie den Mann mit dem liebreichen Herzen verehrten. Der Vorstand der Synagogen-Gemeiuee brachte unter Führung des Landrabbiners seine Glückwünsche dar Sie feierten seine langjährige, über ein halbes Jahrhundert währen er volle hingebende Thätigkeit innerhalb der Gemeinde und für dieselbe. T-.r Gefeierte dankte tief ergriffen und übergab als Zeichen seiner Dankbarkew einen herrlichen goldenen Becher, ein .Kunstwerk, den; Vorstände zun; G brauch in der Synagoge. Zu den Gratulanten zählten hervorragene Vertreter großer Bank- und Jndnstrieinstitute von hier und auswärl e, hervorragende Bürger des Ortes, die zum Theil in schriftlichen Glück wünschen der Verehrung 'Ausdruck gaben, welche der Gefeierte in allen Kreisen der Bürgerschaft sich erworben hat. 2lus allen Briefen, Depesch. n und mündlichen Gratulationen von Christen und Juden, hoch und niedr e Gestellten sprach die volle 2lnerkennung und Verehrung für die Geradhrn und ^Rechtlichkeit des Gefeierten. Möge es der Gemeinde wie der Familie vergönnt sein, sich dieser Zierde noch recht lange erfreuen zu können. * Hannover, 8. November. Die Bildungsanstalt für jüdische Lehrer, über welche wir in Nr. 46 eine Notiz brachten, wurde geste;! Mittag feierlich eingeweiht. 2ln dem Einweihungsakte, der in der festste i geschmückten Aula des neuen Seminargebäudes vollzogen wurde, nähme-; u. A. Theil die Herren Provinzialschulrath Dr. Wendland, Stadtschm inspektor Dr. Wehrhahn, Landesrabbiner Dr. Gronemann, das Lehre kollegium, der Verwaltungsvorstand, der Gemeindevorstand, Vertreter de - Repräsentantenkollegiums und etwa zwanzig ehemalige Zöglinge dce- Seminars. 2lrchitekt Röbbelen überreichte den Schlüssel des Hauses mm einer kurzen 2lnsprache, in welcher er erwähnte, daß der Bau ohne Uu fall vollendet sei, den; Vorsitzenden der Verwaltung, Herrn Benfey, aste- Bauherrn, dieser übergab ihn Herrn Direktor Dr. Kroner, der dann mm den Worten: „Thuet euch ans, ihr Pforten", symbolisch die Anstalt er öffnete. Nachdem von; Seminaristen.!)or gesungenen Liede, „Harre, meine Seele", nahm Herr Provinzialschulrath Weudlaud das Wort, um in kurzen Zügen ein Bild der geschichtlichen Entwickelung der'Anstatt zu entwerfen Dieselbe wurde 1847, nachdem regierungsseitig 870oThater für diese Zwecke ) st. nutzt« > wurde | tutete 1S85 t Zu I«!chule: Istr Ne n r die )s'.ben' ckenfal st-.s bil )n rund im teile r. ichtic le wer, |n r G ,werden u'bin r Ar Isterr 5 g wese; dwS S( |2i'iffeu ieiou; i "-'che i edeih menen; G. ii: onbe: B v! IVelTlt : in |l nutzt, esei s höh l,cilt ist eit In rr l eil 1 Im 1) b, |'s schic sehe; e P |«' sells der; (5H -end re nelit rma bl v! M, uxtte * lich anb; '.rnoohl eerhob Regier!