Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1892)
- Date
- 1892-10-28
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Zeit eine Versammlung stattfinden, in welcher man über das Vorgehen Schneiders zu Gericht filzen werde. Ueberhaupt werde daselbst eine rege Agitation gegen den Antisemitismus entfaltet, welche auch in anderen Wahlbezirken Nachahmung finden sollte. Nachdem noch mehrere Redner dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die heutige Versammlung den Ausgangspunkt einer intensiven Agitation der freisinnigen Bürgerschaft gegen das Ueberhandnehmen des Antisemitismus bilden möge, wurde dem Präsidium des Abwehrvereins für die Veranstaltung der Protestkundgebung der Dank ausgesprochen und die Versammlung unter Hochrufen auf Dr. "Nothnagel und Freiherrn v. Suttner geschlossen. X Wien, 21. Oktober. Einer unserer geachtetsten Gelehrten, Prof. Tr. Gerson Wolf, dessen historische Schriften wegen der Reichhaltigkeit ihres Quellenmaterials wie wegen der großen Gewissenhaftigkeit ihres Autors weit verbreiteten Ruf genießen, begeht in diesen Tagen ein Jubiläum. Herr Tr. Wolf wirkt nämlich seit 40 Jahren als Religions- Lehrer, bezw. Schulinspektor der israelitischen Kultusgemeinde in Wien und hat sich auch in dieser Amtsthätigkeit immer durch große Pflichttreue ausgezeichnet. Aus diesem "Anlässe hat Herr Dr. Wolf bereits in den letzten Tagen die Beglückwünschungs-Deputation des Vorstandes und der Beamtenschaft der Kultusgemeinde empfangen, wobei ihm sein von Künstlerhand ausgeführtes Porträt als Ehrengeschenk überreicht wurde. "Aus allen Gesellschaftskreisen sind Herrn Prof. Wolf zahlreiche Zeichen der Sympathie und Verehrung zugekommen. Nußlaud. L Petersburg, 10. Oktober. Die Frage der gesetzlichen Stellung der Juden tritt allen: Anscheine nach in ein neues Stadium. Das von der Kommission unter Geheimrath Plewe ausgeardeitete Judengesetz, das schon mehrmals auf der Tagesordnung des Reichsrathes stand und immer wieder den Ministerien zur Aenderung und Vervollständigung zurückgeschickt wurde, soll diesen Herbst endlich zur Berathung gelangen. Tie Gegner der Juden, beispielsweise Pobedonoszew, zeigen daher gegenwärtig größere Rührigkeit. Alle Anzeichen sprechen aber dafür, daß die Judenfeinde nicht Oberhand behalten und jedenfalls weitere rigorose Maßnahmen gegen die Juden nicht zur Anwendung kommen werden. Witte, mag er auch kein Judenfreund sein, ist entschieden gegen Bedrückungen, die auf den Volkswohlstand in ungünstiger Weise zurück-' wirken. Auch die hartnäckig angestrebte Aufhebung der jüdischen Ackerbaukolonien in: Gouvernement Jekaterinoslaw soll nun nach dem dortigen Besuche des Tomänenministers unterbleiben. Die Kolonien sollen blos entsprechend den russischen Bauerngesetzen reformirt und aus ihnen russischjüdische Dorfgemeinden gebildet werden. M. D. Bad Dubbeln (an der Ostsee>, 18-30. Septbr. Nahe Riga, eine Stunde Fahrt per Eisenbahn, liegt der Seebadeort Tubbeln, wohin jährlich in: Sommer Tausende Badegäste aus den verschiedenen Theilen des russischen Reiches kommen. "Ohm sind in diesem Jahre viele Familien, obwohl die Badesaison zu Ende war, in Folge der Epidemie am Strande zurückgeblieben. Viele von diesen Badegästen waren Bekenner der jüdischen Religion. Sie wollten nur die Festtage, hauptsächlich das Neujahrsfest (Rosch-haschanah) und den Versöhnungstag (Jom kippur) am Strande in religiösen Gebeten feiern. Bei Strafe von 300 Rubeln verbot ihnen jedoch die dortige Polizei, das Betlokal zu betreten oder sich in einem anderen Hause zu diesen: Zweck zu versammeln. — Was nun thun? In die Stadt konnten sie nicht mehr, da der Festtag begonnen. Es blieb ihnen nur die Wahl, zu Hause ihre Gebete einzeln zu verrichten, was sie auch thaten. Freilich entbehrten sie hierbei der geistlichen Ansprachen, und es fehlte die Andacht, welche die erhebenden Ceremonien und die Vorlesung aus der Thora Hervorrufen. Man entschloß sich daher, am 2. Neujahrstage im Walde sich zu versammeln, dorthin Bänke und Tische bringen zu lassen, und unter freiem Himmel in Gottes Natur den Festtag in "Andacht und inbrünstigen Gebeten zu verbringen. Gedacht, gethan! Eine Thora wurde gebracht, Bänke und Tische waren hergerichtet. Doch sie hatten sich geirrt, indem sie glaubten, daß es nur in einem Lokal sich zu versammeln verboten sei. Die russische Polizei läßt sich so leicht keine Gelegenheit zur Unterdrückung und Verfolgung entgehen. Kaum hatte das Gebet begonnen, da erschien die "Polizei, nahm die Thorarolle in Beschlag und jagte die Betenden auseinander. Türkei. — Jerusalem, im Oktober. Auch auf den heiligen Boden unserer Stadt hat die internationale Antis emitenliga ihre Hetze aus zudehnen versucht. Von Aegypten aus wurden große Mengen non arabischen und französischen Broschüren hierher gesandt. Glückliche: Weise hat jedoch die Gerechtigkeitsliebe des Sultans der Agitation ein Ende gemacht, ehe sie sich recht entfalten konnte. Auf Betreiben einfluß reicher Juden, deren Bemühungen durch die Vertreter einiger fremden Mächte noch unterstützt wurden, sind die Broschüren der Beschlagnahme anheim gefalle^ Non Nah und Fern. --- Hxrr Landesrabbiner Dr. Löwy aus Birkenfeld, ein ehemaliger Hörer der Berliner Lehranstalt, hielt am jüngsten Sabbath eine Gast, predigt in der hiesigen neuen Synagoge. — Der Magistrat und dir Stadtverordnetenversammlung in Kiel haben der israelitischen Gemeinde einen jährlichen Zuschuß von 600 Mark zu den Kosten der israel. Re ligionsschule bewilligt unter Hinweis auf den erfreulichen Aufschwung den die Anstalt unter Herrn Rabb. Dr. Stern genommen. — Dir Alto naer israelitische Gemeinde hat ein Immediatgesuch an den König abgesandt, in welchem sie bittet, die vom Minister verweigerte Bestäti gung des zum Oberrabiner gewählten Dr. Rosenfeld aus Oroshaza zu vollziehen. — Der Verein für jüd. Geschichte und Litteratur in Köln eröfsnete an: 17. d. M. wieder seine regelmäßigen Sitzungen. Eine große Anzahl von Mitgliedern des Vereins, so groß, daß der Schottische Saal sie kaum zu fassen vermochte, wohnte dieser ersten Sitzung bei. - Herr Carl Mayer in Koblenz, Besitzer der weltbekannten rührigen Couvertfabrik M. Mayer daselbst, wurde zum mexikanischen Konsul ernannt. — Den: Hofrath Dr. Felix Hecht in Mannheim ist voin König von Italien das Ofsizierkreuz des Ordens der Italienischen Krone verliehen worden. — Unter den Aerzten, welche sich Wien zur Be kämpfung der Cholera auf einen Aufruf der Regierung freiwillig meldeten, waren neunzig Prozent Juden. — Wie die „Wiener Zeitung" in: mm lichen Theile publizirt, hat der Kaiser von Oesterreich dem österreichisch, ungarischen Generalkousul in Liverpool, Herrn Ritter Cohen v. Ten gervar, den Titel und Charakter eines Ministerialrathes ve: liehen. — Der deutsche Kaiser hat den österr. Rittmeister Bardach von Chlumberg den Kronen-Orden dritter Klasse verliehen. - Der Ausschuß des Bürgerlichen Bräuhauses in Pilsen hat cni läßlich der Jubelfeier seines 50 jährigen Bestandes unter Andern: auch der israel. Kultusgemeinde in Pilsen zu deren Synagogen bau 1000 st. gespendet. — In Brody wurde Herr Dr. Paul Gold Haber zuni Bürgermeister gewählt. — Der dramatische Schriftsteller und Redal teur des Figaro Albert Millaud in Paris ist gestorben. 1836 gc boren, war Albert Millaud besonders bekannt durch die Eigenart, mit der er in: Figaro die verschiedensten Tagesereignisse in meist satirisch gehaltenen Versen besprach. — Eine humoristische Flugschrift gegen b:c Antisemiten von Jean Repon ist unter dem Titel: ,A propos tl- Juifs et de la Juiverie“ bei Ollendorf in Paris erschienen. — Gelegentlich der 400jährigen Jubelfeier der Eutdeckung Amerikas hat die französische Regierung den amerikanischen "Advokaten und Schriftsteller Henro Harrisson in Paris zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. — Den schon vor längerer Zeit veröffentlichten Plan, jüdische junge Leute int Londoner East end mit Wohnung und Kost nach den Prinzipien der Selbsthilfe zu versorgen, bringt Rev. S. Singer nunmehr zur Ausführung, nachdem Dank der Munificenz der Lady Rothschild und Mrs. N. Montefiore,. ^welche den erforderlichen Betrag von 3000 Pst Sterl. zur Verfügung stellten, ein passendes Haus in Gun-Street an crek.^ust-! <?. 'jüdischen Elementarschulen in Rußland, die bisher den jüdischen Gemeinden unterstanden, werden in Zukunft dem Ministerium unterstellt und der Aufsicht der Synagogen Vorstände entzogen. - Der in Jaffa bestehende Zweigverein der „All. isr. univ." wird daselbst in nächster Zeit eine Schule eröffnen. Ein Herr Weinstein spendete 5000 Frcs. zu deren Baukosten und die gleiche Summe will der dortige „Verein der Zionsfreunde" jedes Jahr zu den Unterhaltungskosten beisteuern. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Mar Bauchwitz in Berlin. Diese Abon Posti unter Red In! minister Ast Fri 7eopol - Aus Mit er B loden Spr Der 'Rande: Bien. 9 D r zwei -ervon!-. 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