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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-28 · Heft 44 (28.10.1892) · p. Seite 520

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 44 (28.10.1892)
Date
1892-10-28
Page
Seite 520 (sequence 4)
Language
German
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520 geben; unterlassen wir also Alles, was zu einer Trennung oder gar Spaltung Anlaß bieten könnte. Das unvergängliche Verdienst Mannheimers bestand vornehmlich darin, daß dessen edles konziliantes Wesen auch in den synagogalen, liturgischen Dispositionen zum Ausdruck gelangte, wodurch dieselben nicht nur in den meisten österreichischen, sondern auch nichtösterreichischcn jüdischen Kultusgcmeinden Eingang erhielten; halten wir dies wie ein heiliges Vermächtnis; hoch und streben wir es an, nicht blos die größte, sondern, wie früher, die erste Gemeinde des Kaiserreichs zu sein, von der Zion gleich die Lehre ausgeht. Die Manen Mannheimers verlassen uns nie, aber niemals stiegen sie uns mit solcher Lebhaftigkeit vor die Sinne, als am jüngsten Versöhnungstage. Was vermochte uns so zur Um- und Einkehr zu stimmen, als das gewaltige Wort dieses gottbegeisterten Redners! -- Gehobenen Gemüthes, ansrechten Hauptes verließ die andächtige Menge das Gotteshaus, nachdem er ihr noch zugerufen hat das: „Geh hin und iß dein Brod in Freuden und trinke aus dem Kelch, den dir Gott hat angefüllt; denn dein Werk und Thun hat Gott gefallen. Die Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, die soll nicht gelingen. Die Zunge, die gegen dich anfsteht im Gerichte, verstummen. Das ist das Erbe derer, die Gott dienen und ihre Rechtfertigung vor Gott — spricht Gott der Herr." Groß wie seine Seele, väterlich wie seine Fürsorge für die von ihm geschaffene Gemeinde war, empfand er die größte Genugthuung, als der Kultusvorstand in dem damals schon berühmten Kanzelredner Dr. Jellinek ihm einen Kollegen gab, von dem er voraussetzen konnte, daß derselbe in seinem Geiste, in seinen Intentionen des Arntes walten werde. Die Voraussetzung war keine irrige. Um so tiefer muß es beklagt werden, daß es diesmal Dr. Jellinek nicht möglich war, die Kanzel Mannheimers, welche er ein Menschenleben lang so würde- und ehrenvoll inne hat, zu besteigen, um, wie er es meisterhaft versteht, in dieser bitterbösen Zeit der andächtigen Schaar Muth, Ausdauer, Vertrauen, religiöses Bewußtsein einzuflößen. Es liegt hierin die nicht zu überhörende Aufforderung für den Vorstand, nicht länger damit zu säumen, für die Gewinnung eines Predigers zu sorgen, dessen Bedeutung es rechtfertigt, wenn ihm die Kanzel Mannheimers eingeräumt und die Stellvertretung Jellineks anvertraut wird. Der jüngste Versöhnungstag macht cs mir zur Pflicht, noch einen andern Punkt zu berühren. Die Choleragefahr hat es nur zu sehr gerechtfertigt, daß für die Lüftung der Bethäuser Sorge getragen werden mußte, und in Folge dessen in zwei Unterbrechungen eine LVsstündige Pause augeordnet wurde. Anstatt aber dementsprechend eine Kürzung des Gebetstoffes vorzunehmen, wurde dieser »Ir ovo ad maliun beibehalten und nur den Vorbetern die Zeit präzisirt, innerhalb der sie ihr Pensuin zu absolviren haben. Was war die Folge? Manche Gebetstücke wurden „durchgepeitscht", andere mit einem wahren Salto mortale übersprungen, um nur strenge und strikte die limitirte Zeit einzuhalten. Wäre es aber nicht zweckmäßiger gewesen, wenn unser hyperfrommer Vorstand sich das „Wenig und Gut" vor Augen gehalten und manche Gebetstücke der Gewalt der Verhültniffe folgend eliminirt hätte, als der Würde des/Vortrages Abbruch thun zu lassen. Einfach die Zeit namhaft kürzen und innerhalb der gekürzten Zeit dieselbe Leistung verlangen, als die bei voller ungekürzter, geht denn doch nicht. Tie eben verflossenen „hohen Feiertage" legen mir es auch nahe, über die „Hilssprediger für die hohen Feiertage" zu sprechen; ich unterlasse es diesmal und behalte mir vor, es später zu thun. Moritz Nappaport. Von Karl Emil Franzos. III. I Um eben desselben Zugs, des typischen willen, verdient a»i Salomon Simche Rappaport hier ein Wort der Schilderung nicht allein deshalb, tuet! er unseres Dichters Vater und eigentlich Erzieher war. Jeder von uns, der tut Osten ausgewachsen, hat svlG Gestalten gekannt, — und wie viele leben auch jetzt noch dort! 3 Mann hätte eigentlich allen Grund gehabt, sich unzufrieden zu fühn nur daß er zum Glück zu wenig Talent zur melancholischen Sell'E bespiegelung hatte, hingegen Kraft genug, um sich den edelsten Tr energischer Naturen zu erringen: „Was dir nicht beschieden wj sollen deine und Anderer Kinder erleben!" Er war als Kind verio als Knabe verheirathet, als Jüngling Vater worden. Das war uic gut, mußte er sich sagen, aber was folgte daraus? Man mußte k Verhältnis; zu Weib und Kindern so einrichten, als ob Alles vc nünftighergegangenwäre, unddarum eifrig bemüht sein, daß diese früff Heirathen aufhörten. Er hatte nicht werden können, was er ersebn er mußte einen aufgezwungenen Beruf üben. Aber auch dam folgte nur. daß er diesen Beruf so gut als möglich üben und i doch so viel Muße erobern mußte, um dabei treiben zu können, worcE sein Herz hing. So arbeitete er sich in sein Geschäft, ein Kommission! geschäft in Manufakturwaaren, anfangs zögernd, dann immer tapi i hinein, bis er es endlich zu hoher Blüthe brachte und nun Freude daran hatte; für seine besten Freunde und Tröster, die Dicht^ und Denker, namentlich für seine Lieblinge, die Franzosen, blieb de halb doch genug Zeit übrig, Abends nach Schluß des Kontors utj auf den vielen Reisen, die das Geschäft erforderte. Vor Allem aber folgte aus jenem Zwange, dem er unterlege Eines: die eigenen Kinder sollten frei wählen dürfen. Nicht iiai so, aber doch ähnlich, handelte er in Dingen der Religion: er ii sein Theil behielt die Tracht, die strengste rituelle Lebensführw bei, an die er von Kindheit auf gewöhnt war; seine Kinder hi; gegen, sowie seine eigenen weitaus jüngeren Brüder, die er nach sein Vaters frühem Tod erziehen half, wurden von vornherein z fromm, aber doch freier erzogen. „Sie sollen lvissen, daß sie Ick sind, ja für das Judcnthum begeistert sein, aber ihr Heil im wel lichen Wirken suchen" — das war seine Parole und nicht blos ii sein eigenes Haus. Darin unterschied er sich von seinem Vetter Salomon Löb, nicht darin allein. Vielleicht drückt nichts den Gegensatz bei» Männer besser aus, als der Inhalt eines Gesprächs, welches Moi Rappaport vier Jahrzehnte später, offenbar nach Mittheilung seines Vaters, in einem Briefe an einen Verwandten, überliefert Es fällt in das Jahr 1814. Ein Jahr zuvor hatte Josef Perl Tarnopol die erste deutsch-israelitische Volksschule in Galizien gründet, es war eine Kulturthat von großer Tragweite für Judenschaft des Ostens. Die Chassidün wetterten, aber selbst Wohlwollenden spöttelten, so der alte Todres Perl. „Haben schon," fragte er einen Fremden, der ihn nach den Sehenswürd>E feiten von Tarnopol fragte, „das „Kloisterl" (Kirchlein) mci Sohnes gesehen?!" Dies spitze Wort erzählte Salomon Löb sein« Vetter. „O!" erwiederte Simche, „vielleicht wird der Spott Wo heit. Ein „Kloisterl" freilich kann diese Schule für uns Juden nii werden, aber vielleicht ein Tempel!" — „Ein Tempel?" fragte di Andere befremdet. „Es ist ja kein Rabbiner-Seminar!" — „-1 Bildung ist heilig!" rief Simche. — „Nein," replizirte der Anders „nur hebräische Bildung ist heilig, deutsche blos nützlich!"' So »nche s >z nach Ilosalie, liuen vor laschen «lmud der! wen wa keine;< hffdet ii inen S u davi ckwort, iuirbe, o iirgert s lallte I „Doch;fer!" imche. luversiti Noch unche d Handel nie sc ffwdoxe t Erziel i: Sabk nähren nigkei Lohnte e ff. wa ii best ffentlick „Wir Gefahi I! Mi ■ und jickt Alle ffchtbare oirft s |-t Wich >ß Sa Ii ist di noerfen k allen Man ü'k dari big ii ecischrit n ni itu und ■eiöe. 2 tiir allg »glichst Es raus, m M ■ ■ ■ I Mpischer i wiche e iUur. i

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