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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-30 · Heft 40 (30.9.1892) · p. Seite 470

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 40 (30.9.1892)
Date
1892-09-30
Page
Seite 470 (sequence 2)
Language
German
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170 Jnljnlt. Leitartikel: Versöhnung — Zur Statistik der judischell Bevölkenmg in Prentzen. Aon Gemeindesetretär M. Klein. — Zur Hebnna des jüdischen Studententhum?. Von A. S . . . m. - Wiener Briefe. XX. Von T. — Briese ans Amerika. VI. Von Dr. G. Deutsch. — Stellung und Allssichten der israelitischen Lehrerin. Von Adele Krollenberg. — Feuilleton: Ein Versöhnnngstaa. Erzählung von I. Braun, (^chtilßs. — Lprechsaal. — Miseelle Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. (Slogan. Altona Emden. Leipzig. Köln. Telgte, Ans Württeinberg, Aus dein Ober-Elsaß. Straßburg. Wien. Budapest, Kasan. Aew-Avrk. — Brn -tah nnd Fern. - Geschäftliche Notizen. Versöhnung. Berlin, 28. September. Der erhabenste Gedanke vielleicht, der der Institution des Versöhnungstages zu Grunde liegt, ist der, daß die Idee der Versöhnung selbst schon in der ersten Stunde des großen Tages ausgesprochen wird. Sie wird also nicht durch Fasten und Beten errungen; die reine Gesinnung allein genügt schon, um sie zu erlangen. An der Schwelle des Gotteshauses fast werden die frominen Beter mit der göttlichen Verheißung empfangen: „Und es sei verziehen der gcsammten Gemeinde Israel und dem Fremden, der in ihrer Mitte weilt, denn sie Alle haben aus Jrrthum gesündigt." Welch ein erhabener, beseligender Gedanke! Alle Moralphilosophie der Welt hat keinen Trostgedanken je auszusprechen vermocht, der diesem an innerem Werth und sittlicher Bedeutung gleichkäme. Und nicht Israel allein gilt der Ruf der Versöhnung, sondern auch allen Fremden, die einst in seiner Mitte lebten, wie allen Menschen, in deren Mitte es nun selbst lebt. Wahrlich, wenn es eines Beweises für die Universalität der jüdischen Religion, für die große ethische Mission des Jndenthums bedürfte, der Versöhnungstag allein wäre vollauf im Stande, diesen Beweis zu liefern. Und mit weiser Umsicht haben die Ordner unserer Gebete dem Gedanken der Weltversöhnung in der Liturgie dieses Tages weihevollen Ausdruck gegeben. Mit diesem erhabenen Gedanken beginnt der Jom Kippur am Vorabend. Versöhnung für Israel und die Menschheit, Vergebung aller Sünden, denn nur menschliches Irren hat gefehlt. Und nun rastet einen Tag alle Feindschaft, aller Neid, jede Sünde. Wenn dann die letzten Strahlen der Sonne des großen Tages in das Gotteshaus fallen und die Seele von inniger Gottesgluth, von begeisterter Menschenliebe erfüllt ist, dann triumphirt dieser Gedanke der Versöhnung noch einmal; denn durch die Gebete Israels zieht wie ein rothcr Faden das Flehen: „O, möge eine heilige Ehrfurcht vor dir, o Herr und Gott, alles Erschaffene durchdringen, daß alles Lebende vor dir in Demuth sich beuge, alle Menschenkinder in einem Bund sich zusammen schließen, um dich zu bekennen, dich als den Einen, Erhabenen, den Lenker alles Geschaffenen. Dann siegt die Wahrheit und es frohlockt das Recht, die Ungerechtigkeit aber verstrimmt, alles Böse verschwindet dem Nebel gleich, und gebannt bleibt die Herrschaft des Frevels von der Erde." Diese Jubelhymne der Menschheitszukunst wird am Bersöhnungstag vom Eingang bis zum Ausgang des Festes nicht weniger als fünf Mal feierlich rezitirt. Sie ist Israels heiligstes Bekenntniß, seine tiefste Ueberzeugung, seine Hoffnung und auch — sein Martyrium. Ein Bild aber der Kämpfe und der sittlichen Arbeit, die diesem großen Läuternngsprozeß der gesammten Menschheit vorangehen müssen, cinvirft der Prophet Jesaja in dem Kapitel 57 seiner Weissagungen, das unsere Alten mit Vorbedacht für den Hanptgottesdienst des_ VerföhnungstageS ausgewühlt haben. Und so spricht dieser Prophet wie vor Jahrtausenden auch heute noch p Israel und der gesammten Menschheit an jedem Bersöhnungstage, als wie folgt: „Friede, Friede, dem der fern und dem der nah ist, ich heile iit allesannnt! . . . Fürwahr, das ist ein Fasten, wie ich es begehre: Oeffnen die Schlingen der Frevels, lösen die Bande jeglicher Unterdrückung und frei lassen alle Unterdrückten und zerbrechen jedes Joch! Siehe, dem Hungrigen Brod spenden, umherirrende Arme in dei» Hans nehmen, so du siehst einen Dürftigen, ihn bekleiden, und dos du deinem Fleische dich nicht entziehest. Dann wird anbrechen dei» Licht gleich dem Morgenroth und dein Heil wird schnell gedeihen!" Und wie sie begonnen, so schließen auch die Gebete des Ion, Kippur mit dem erhabenen Gedanken der Weltversöhnung. Sie feiern den Namen Gottes in der Welt, die er erschuf, sie preür» ihn, „der die Sphären führt im Frieden all' herauf am Himmelszelt" und der Einheit stiftet in der Erdentvelt. Und noch einmnl wird die heilige Lade geöffnet und mit dem Bekenntniß des einigeinzigen Gottes, das der Schofarton in alle Welt tragen soll, schließ! der Tag der Versöhnung, der Tag der Versöhnung Israels mit der Menschheit. „An jenem Tage wird Gott einzig sein und sein Nenne einzig," so lauten die letzten Worte, mit denen die Schaaren andächtiger Beter das Gotteshaus verlassen. Das ist Israels Welt-Versöhnungstag. 9 Zur Statistik der jüdischen Bevölkerung in Preußen. Von M. Klein, Gemeindesekretär in Königsberg i. Pr. Anläßlich der statistischen Betrachtungen in der vorigen Nummer dieses Blattes, erlaube ich mir zur Information für weitere Kreiß folgende vergleichende Uebersicht zu veröffentlichen, in deren Besitz ich bereits im Monat Januar d. I. durch das Königl. preußischc Statistische Büreau gelangt bin: 1. Die Seelenzahl der jüdischen Bevölkerung betrug in der Provinz Ostpreußen.. 1880 18218 18'ui 144! 1 2. „ „ Westpreußen. 26547 2175H 3. im Stadtkreis Berlin. 53949 792-41 4. in ber Provinz Brcmbenburq. 12296 13775 5. „ „ Pommern. 13886 12215 0. „ „ Posen. 56609 44:; 14 7. Schlesien. 52682 48< 8. „ „ Sachsen. 6700 79 l!i 9. „ „ Schleswig-Holstein. 3522 357" 10. „ „ Hannover. 14790 15112 11. „ „ Westfalen. 18810 19172 12. „ „ Hessen-Nassau. 41316 44514 13. „ „ Rheinland. 43694 4725 14. in Hohenzollern. 771 imi Im preußischen Staat überhaupt: 363790, 372G8 Hiernach beträgt die Zunahme der jüdischen Bevölkerung >>» preußischen Staate während des zehnjährigen Zeitraums allerdinst kaum 2'/Z Prozent; diese geringe Steigerung findet jedoch ihre Erklärung davin, daß die vier Grenzprovinzen, Ost- und Wcilpreußen, Posen und Schlesien, eine Abnahme der jüdischen Bevölkerung u m 17 Proz. erfahren haben, während bei den anderen zehn Bezirtr» eine Zunahme von 16 Proz. im Durchschnitt stattgefunden hat. Der Rückgang in den vier Grenzprovinzen basirt lediglull auf den seit dem Jahre 1884 erfolgten Ausweisungen; ist doch die jüdische Bevölkerung Königsbergs in diesem Zeitraum von 5082 auf 4008, die Danzigs von 2736 auf 2535, die Posens von 7063 : G26 niensw imi a> x m i n' ebuug ltgesiinl .Zch r ircrs M 1 und d üs is riutie S IV-iit) b criiiiibli linoii S t eitler it auf u uu nteri iinücr f jcmk'lltk ilVnger t t tu j li-ajens [Hurten is K:u bh üacitt > lüde av bic :t nch g unett « groß : >riie1; geben In an d >ek dü f .'Uimv i um -chule G'iigtei Fwar reu gel ln oder iMnrmt eii. A '■ uttfei delheu reiaigm i iitbijd aiöglii iuger 2 erreiche!dv er Einm Bettel

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