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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-16 · Heft 38 (16.9.1892) · p. Seite 447

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 38 (16.9.1892)
Date
1892-09-16
Page
Seite 447 (sequence 3)
Language
German
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447 ht, daß wir! Sie es eben! )tn miiffei;, I und würde I ügen Zeiteu. I > Kriege m t! ffenstillstaus! ention anei-I jeden Prei-I gerliche und! Geister sam-I trennen, dal Und darum I ie Frieden»-! ein wesen l-I len Jhii!«! ruppe! Ural nntes Wvill dee vielleiü!! I Und doch I iagen, da i:i| 300 tapfer!»!!ann in d^! >er ©itabeMi'I e bei Sedan :la»des Etnk stedankeiist schlaflos! uglich seien, olk in hell.» -och ausze.r umb jiibi)::); » das ih»e» Herzblut;u bereit," st-ch i füge hinzu! nt, wo b ie es Frieden Zeitgeschichte, ehrte Fra» ißdeutuup n derzeit beut rendig liuD m Friedere! Pruch sehn, des Kriegetg", sondee» Baterlande.! bfeinde der der ewige! i ein ob-r- Bevölkerliini gen Friede» Ihrer Rede- Wenn Sic aber nachher in die kleine armselige Synagoge hineingehen wollten, die zehn jüdische Hausircr sich dort etwa eingerichtet haben, und da nochmals Ihre Rede halten wollten, — welch ein freudiges, begeistertes Echo würde Ihnen da entgegenschallen! Ja, der letzte und geringste von diesen Hausirern würde Ihnen zurufen: Das sind ja die Töne unserer heutigen Hastara! Das hat ja Alles schon unser Prophet Jeschaja gesagt und gepredigt! Und da fällt mir wieder eine Erinnerung an den traulichen Februarnachmittag im Salon des Hotel Bellevue ein. Als ich in freudiger Begeisterung Ihren Ideen zustimmte, fügte ich hinzu: Die Juden waren ja überhaupt die ersten Verkünder des ewigen Friedens! Ich sehe noch Ihr verwundertes Gesicht. Solcher Chauvinismus war Ihnen etwas Fremdes an mir. Aber ich versprach Ihnen damals, diese Behauptung in einem Aufsatz für sshre Zeitschrift zu beweisen. Inzwischen ist jedoch eine Schrift darüber von einem tüchtigen jüdischen Gelehrten, von Dr. Adolf Kurrein, erschienen, die den Titel führt: „Der Friede, die Lehre, das Ideal and das Leben Israels", die mich dieser Arbeit überhebt. Denn oort ivird meine Behauptung glänzend und unwiderleglich bewiesen, und ich bin überzeugt, daß die Lektüre dieser kleinen Schrift Ihnen große Freude bereiten wird. In Ihrem bahnbrechenden großen Roman: „Die Waffen nieder", >agen Sie, verehrte Frau Baronin, indem Sie das Alter der Idee »es ewigen Friedens beweisen wollen: „Vierhundert Jahre vor Christus schrieb Aristophancs eine Komödie des Friedens, in welcher eine humanitäre Tendenz enthalten ist. Die griechische, später nach Rom verpflanzte Philosophie vertritt das Streben „nach menschlicher nnhcit" von Sokrates an, welcher sich Weltbürger nennt, bis zu rcrenz, dem nichts Menschliches fremd, und zu Cicero, der die üiitas generis luunani sui als den höchsten Gedanken der Volltommenheit hinstellt. Im ersten Jahre unserer Zeitrechnung erscheint Pergil und seit! berühmtes viertes Hirtengedicht, welches der Welt et, ewigen Frieden voraussagt unter dem mythologischen Gewände oes ivieder erstandenen goldenen Zeitalters." Nun denn, meine Gnädige, nicht vierhundert, sondern achthundert Jahre vor Christus hielt ein Prophet des alten Bundes ■tue Rede, deren humanitäre Tendenz genau mit den Ideen ubermstunmt, deren begeisterte Verkünderin Sie heute sind, und das war den der Prophet Jesajah des armen Hausirers in Ihrem oberstcrrcichischcn Dörfchen, der da den Völkern verkündete: „Und geliehen wird es in späten Tagen, da wird aufgerichtet sein der Berg des 'crrn, und es strömen zu ihm alle Völker. . . . Und er wird richten wischen den Völkern, und diese werden ihre Schwerter zu Pflugschaaren »d ihre Lanzen zu Rebenmessern umschmieden, und kein Volk erhebt :-hr gegen das andere das Schwert, und nicht lernen sie fürder ic Kunst des Krieges." Und es ist keine Komödie, sondern Wahrheit, »emt derselbe Prophet ein Bild des ewigen Friedens in folgender uoctischer Rede entwirft: „Und es wohnt der Wolf neben dem Lamm »d der Tiger lagert neben dem Böcklein und Kalb und junger Leu u>d Mastthier zusammen, und ein kleiner Knabe leitet sie. . . . Alan umt kein Leid und richtet kein Verderben an auf meinem ganzen i ciligcn Berge; denn voll ist die Erde der Erkenntniß Gottes, wie r <K' Wasser den Meeresgrund bedeckt." Und lange bevor die griechische Philosophie, und lange nachdem die römische Philosophie das Streben hach menschlicher Einheit verkündet, hat die Lehre des Judenthums ötcse Einheit des Menschengeschlechts von dem ersten Blatt der Thora v>2 zum letzten Blatt des Talmud, von Mose dem Propheten bis zu Simon b. Gamliel, dem Gesetzeslehrer, verkündet, der da lehrte: Auf drei Dingen steht die Welt, auf dem Recht, auf der Wahrheit ttttb auf dem Frieden!" Lange vor Sokrates lebten und lehrten Mose und Jesajah, lange vor Terenz und Cicero unsere Hillel und Simon b. Gamliel und jene Lehrer des Midrasch, die einmal zu ihren Zuhörern sprachen: „Zwei Gaben wird der Messias der ganzen Menschheit bringen: Friede und Vereinigung aller Menschen." Ja, noch mehr, während der vielgerühmte Vergil das goldene Zeitalter in wehmüthiger Resignation in die längst entschwundene Urzeit der Menschheit verlegt, setzen alle hebräischen Propheten dasselbe an das Ende aller Zeiten und verkünden so den beständigen Fortschritt, das Gesetz der Entivickelnng des Menschengeschlechtes und seine endliche Vollkommenheit. In diesen Jubelakkord der Menschheitszukunft klingt die gesummte hebräische Prophetie aus. Mit markiger Energie schildert Jesajah diesen heiligen Völkerfrieden, mit glühender Phantasie Ezechiel, mit zarter Innigkeit Jeremia, mit frommer Wärme Habakuk und die anderen Propheten, die allesammt desselben Geistes voll sind und dadurch nicht blos ihrer Zeit, sondern den Jahrhunderten vorauseilen und als gotterfüllte Seher derer leben, die da kommen werden. „Preiset den Herrn, all' ihr Völker, Hallelujah!" Das ist unser Glaube, das ist unser Patriotismus, unsere Hoffnung und unser Weltfriedensideal! Und die Arbeit dieser Propheten haben Sic, Frau Baronin, nach Jahrtausenden wieder aufgenommcn. Heil Ihnen! Unsere Sympathieen folgen Ihnen, unsere Herzen schlagen Ihnen zu, unsere Segenswünsche begleiten Sie auf Ihrem Siegespfade, da Sie der Menschheit die heilige Oriflamme des Weltfriedens vorantragen! Wir aber wollen ruhig Zurückbleiben und warten. Wir warten ja schon seit Jahrtausenden unb fragen so oft mit uuserm Propheten: „Wächter, wie stehts um die Nacht?" und hören immer von Neuem wieder die tröstliche Antwort: „Es kommt der Morgen!" Auf diesen Morgen wollen wir in frommer Ergebung harren. Wir wollen keine Feldherren und keine Führer, aber brave Soldaten wollen wir Alle sein in diescui letzten großen Befreiungskriege der Menschheit. Ich küsse die Hand, die das Wort „Die Waffen nieder" zuerst geschrieben, und bleibe wie stets, gnädige Frau Baronin, in treuer Verehrung Ihr ergebener Gustav Karpeles. Arm fünfzigjährigen Doctor medicinae Krn. Sanrtätsralh Ar. Salomon Neumann ein Festgrnß. Von Professor vr. Hermann Cohen. Daß Lobreden im Allgemeinen und auf Lebende insbesondere und vollends auf einen Mann, der in rüstiger Kraft unter uns streitet, recht zarte Stilaufgaben sind, hat nicht erst die Unsitte des Personenkultus, der neuerdings au die Stelle der Jdeenfeier getreten ist, an den Tag gebracht; schon unsere Alten haben die Weisung crtheilt: daß man nur einen Theil des Lobes in der Gegenwart dessen, den man loben will, aussprechen dürfe. Einen Theil, aber welchen? Sicherlich den echten, ursprünglichen, freien, menschlichen Antheil au der rühmenswerthen Lebensarbeit. Aber kann man diesen Theil, der mit Recht als das Ganze des Lebens sich dünken darf, atlch sicher erkennen? Es giebt eine Kraft des Gemüthes. welcher diese Erkenntniß gelingen mag: es ist die urmenschliche Kraft des Dankes, aus welcher erst das Recht des Lobes entspringt. Loben wollen, heißt danken müssen. Der Dank erkennt die Lebenswurzel, die allein das Lob verdient. Die Probe jeder sittlichen Handlung ist, daß sie nicht nur Einen schmückt, nicht nur Einem hilft, sondern Beiden, zwischen denen die

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