Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1892)
- Date
- 1892-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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liRedaktions- )ozent an der a 1. Oktober Nationalten „General verschiedenen reiheit betont drücklich mx- Uramoutane'i beging Heu orene Michel l und Urenkel, Stadt. Tu einer seltenen treuen Freien Oscar ven glaube," ln scheu Partu sondern vondie Welr -n ) Fleiß und — das sine >ten, was eie Gr. Glognu Zerren Menu itet. — Jui im Genere.ln. — Privu »fessor und mnt wordun hrige Tochi-u ude Freund u hat, während ckser gebra dl üeichnanl des m 1. August t Gebiete du nnds hina iS anderungu mitee, es sei chwierigkeiren vanderer ans tx verbot, eie rbezirken als sirungsplänen angs Oktober em dem B r e Strecke baden GouverjUdenquartiA t eingetrofien. ischeu Konml r hat sosul ilur noch ne r Stora i» el geäußerten chen Kultus- 56. Jahrgang. Nr. 38. Allgemeine Berlin» 16. September 1892. eitung öes Audenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Nedactenr: Gustav Karpeles. Begründet von Nalilrrner Dr Ludwig Philippson-Äonn. Verlags-Grpe-ltion: Gerlin, Lerulatemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthnms", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. 3ltl)(tlt. £ctt<t¥tifcf: Statistische Betrachtungen. — Die Waffen nieder! - u Gustav Karpeles. — Dem fünfzigjährigen Doctor medicinae Herrn initätsrath Dr. Salomon Neumann ein Festgruß. Non Prof. Dr. Hermann üben. — Wiener Briese. XIX. Bon T. — Briefe aus Amerika. II. Bon Pros, r. G. Deutsch. — Ludwig Kosstlth und die Juden. Bon Dr. Adolph Ko Hut. Die erste jüdische Frauenemauzipatorin. Bon E. Rosevalle. — Feuilleton: l'ickele. Humoristische Skizze von Marco Brociner. — Sprechsaal. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten': Berlin, unter. Gollantsch. Worms, Frankfurt a. M., Wien. Salzburg. Krakau. London. Diersburg, Kiew. Konstantinovel. — Bon Rah und Fern. — Miseellen. Zlattes » köimt>» D reffen <;»!>■ bitten iru men. Für rnk aus. rnthumo Statistische Betrachtungen. Berlin, 14. September. Die Taufen sind leider jetzt ein sehr zeitgemäßes Kapitel georden. Man empfindet unter dem gesteigerten allgemeinen Druck »er die feige Fahnenflucht einen um so größeren Widerwillen, und ist etwas Wohlthuendes, daß in allen Schichten unserer Gemeinhaft der Seelenschacher mit Entschiedenheit verurtheilt wird. Ganz sonders haben die neulich veröffentlichten statistischen Daten über allgemeine Zählung im Jahre 1890 zu Betrachtungen über weutaufeu Veranlassung gegeben. Denn das Resultat, das für wen konstatirt wurde, ist thatjächlich für uns ein unerfreuliches; i das letzte Jahrzehnt beträgt der relative Rückgang der jüdischen cvölkerung weit mehr als 10 Procent. Dieses Resultat spricht eine große, deutliche Sprache; die Er- »einuug, mag sie kommen, woher sie wolle, ist betrübend und 'chümend und sollte Diejenigen, denen die Zukunft des Judenthums ht ein überwundener Standpunkt ist, zum Studium derselben an-;cn. lieber die Ursache dieser Erscheinung sind jedoch sehr irrthümliche üchauuugen verbreitet, und zwar deshalb, weil man aus den hlen, ohne sie näher zu prüfen, Schlußfolgerungen zieht, die von r Wahrheit weitab liegen. Man kommt nämlich auf die unver- «dliche Schlußfolgerung: Das Herabgehen der Volkszahl beruhe > Massentaufen, eine Vermuthung, die für den, der auch die ereu in Betracht kommenden Daten kennt, in Nichts zerfließt, e Taufen haben, um es hier gleich zu sagen, keinen ursächlichen ffannnenhang mit der starken Verringerung der deutschen Judenheit. ■ icv solch starken Decimirung gegenüber bleiben sie fast ganz ohne »>sluß auf die Zahlen. Sehen wir uns doch die statistischen Daten was näher an. Die Volkszählung von 1890 ergab rund 567,000 Seelen und 0 von 1885 dagegen rund 571,000, d. h. ein absolutes Manko u 4000 Seelen. Die allgemeine deutsche Bevölkerung ist aber l'-dcin ui» 10 pCt. fortgeschritten. Die normale Zunahme der »den hätte also 60,000 im letzten Jahrzehnt betragen müssen, »'sc Vermehrung ist aber nicht nur ganz ausgefallen, sondern es besteht noch gegen 1885 das Manko von 4000; zusammen also haben wir einen Fehlbetrag von 64,000 Seelen. Es kann wohl Niemand auf die Idee verfallen, diesen Ausfall den Taufen zur Last zu legen; man denke: »/„ der ganzen jüdischen Gemeinschaft in Preußen soll in einer so kurzen Spanne Zeit die Fahnenflucht ergriffen haben! Das Ueberläuferthuin würde ja in solchem Umfange zu einem öffentlichen Aergerniß werden, nicht nur unter uns, sondern auch bei uusern nichtjüdischen Mitbürgern. Wenn in einem Jahrzehnt 12 pCt. zur Taufe gingen, dann könnte man ja bis auf Jahr und Monat ausrechnen, wann die unausbleibliche Auflösung des Judenthums sich vollzogen habe» würde. Die wahre» Ursachen liegen aber in einer ganz anderen Richtung. Die Daten über Ehen und Geburten lassen vieleher die Dinge in überaus klarem Lichte sehen, und so wollen wir an einem Beispiele de» Beweis dieser Behauptung führen. Die Zahlen über die Ehen und Geburten des Jahres 1891 in Deutschland sind noch nicht veröffentlicht. Aber cs liegen uns die entsprechenden preußischen Ziffern von 1890 vor. Darnach betrug die Geburtszahl in Preußen 189«» rund 1,100,000; darunter waren 9000 jüdische Geburten. Die Juden machen den 75. Theil der Bevölkerung aus und müßten also im normalen Verhültniß auch mit dem 75. Theile an den 1,100,<>«»<> Geburten partizipiren rund 15,000 (genau 14,60«»). In einem Jahre also hatten die preußischen Juden allein relativ ein Minus von 6000 Geburten. Nehmen wir nun an, daß von 6000 Neugeburten 2000 im ersten Jahre sterben, so verbliebe also bei normalem Vermehruugsstaude ein Ueberschuß von 400«» Seelen pro Jahr, also etwa 1 pCt. In zehn Jahren würde der Ausfall durch diesen Mangel an Geburten in Preußen allein schon über 40,000 betragen. Die Zahl «14,000 für ganz Deutschland wird man bei dieser einzig richtigen Methode sehr bald herausgefuuden haben. Der Fehlbetrag rekrutirt sich fast nur aus dem Ausfall der Geburten, die für sich kaum die Todesfälle zu decken vermögen. So nebenbei werden ja auch wohl die Ueberläufer eine Rolle spielen. Gewiß. Aber sie haben weiter kein neuuenswcrthes Gewicht bei den große Zahlen, die dabei in die Wagschale zu werfe» sind. Ungefähr kennen wir ja auch diese Zahlen; sic sind seit 10 Jahren etwa 10 mal so groß geworden. Nach kirchlichen Angaben wurden 1880 nur 75 Juden im preußischen Oiebiete in den Schoos; des Christenthums ausgenommen, während es 1890 deren 700 waren. Bei der einigermaßen normalen Vermehrung von 1 Prozent — 400«< würde das Judenthum die 700 Taufen immer noch sehr leicht verwinden können.