Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1892)
- Date
- 1892-07-15
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Juden von Rußland beigesteuert und die Spende mit folgenden: Briefe an den Oberrabiner begleitet: Lambeth-Palast S. C., 3. Juni 1802. Mein lieber Tr. 'Adler! Darf ich Sie freundlichst bitten, einliegende Kleinigkeit auzunehmeu und dieselbe nach Ihrem Ermessen für unsere armen Freunde, die leidenden Inden in Rußland, anzuwenden? — Ihr aufrichtig ergebener E. Cantuar. Mr. Herbert Spencer hat den folgenden Brief an ein Mitglied des Londoner russisch--jüdischen Komitees geschrieben: Fairsield, Pewsey, Wilts, 25. Juni 1892. Werther Herr! Ich habe wohl kaum nöthig zu sagen, daß ich in der schärfsten Weise jede religiöse Verfolgung verurtheile, möge es die von Juden, irgend einer Sekte Christen oder von Anhängern anderer Glaubensbekenntnisse sein. Ein entschiedenstes Verdammungsurtheil des in dieser Hinsicht von Rußland ausgeübten Verfahrens ist die nothwendige Folge meiner bekannten Ansichten. Meine Hoffnung ist, daß der aufs Aeußerste gespannte Despotismus, der sich in seinen Maßnahmen sowohl gegen die Juden als nach andere:: Richtungen hin zeigt, zur Ansaunnlung von mannigfachen Explosivstoffen führt und in einer Katastrophe enden wird, welche dieses große barbarische Reich in ein halbes Dutzend Königreiche zerstückeln wird. Ich bin Ihr treu ergebener Herbert Spencer. K London, 8. Juli. Unter dem Namen Chowawe-Zion, (Jionsfrennde) hat sich hier vor einiger Zeit ein Verein gebildet, der sich die Kolouisiruug Palästinas und der anliegenden Länder zur Aufgabe gestellt. Ter erste Schritt zur Ausführung ihres Planes ist gethan, indem nach einer Bekanntmachung in den hiesigen jüdischen Blättern, 2400 Acres Land in Gilead für 40,000 Mark erworben sind, worauf eine erste Kolonie von 50 Familien angesiedelt werden soll. Der Boden soll sich vorzüglich zum Anbau eignen, und die türkische Regierung, die der: Zufluß von armen Einwanderern abwehrt, erhebt gegen die Gründung gut organisirter Kolonien in spärlich bevölkerten Landestheilen keinen Einspruch. Das Kaufgeld ist bereits entrichtet, und es rverder: nur die Mittel zun: Ban und zur Einrichtung von Häusern, zur Pflanzung von Bäun:en, zrun Ankauf von Zuchtvieh und zur ersten 'Aussaat gesammelt. Tie Kolonisten werden in der ersten Zeit unterstützt, bis sie sich durch den Ertrag der Ernten selbst erhalten und allmählich mit der Rückerstattung der Auslagen beginnen können. So soll auch in: heiligen Lande eine Heimath für die aus ihren: Geburtslande verstoßenen Inden gegründet werden, wo sie ohne stete Furcht vor Berfolgung und Unterdrückung als'Ackerbauer frei und ungehemmt leben können. Türkei. * Konstautinopel, 0. Juli. Wie die „K. Ztg." erfährt, dankte in fast einstündiger 'Abschiedsaudienz der amerikanische Gesandte Hirsch den: Sultan wärmstens für den seinen Glaubensgenossen gewährte:: Schutz und für die milde Behandlung, welche 'der Großherr den ans Rußland ausgewiesenen Inden habe angedeihen lassen. Der Sultan antwortete, daß es ihn freue, solche Worte zu vernehmen. Der Gesandte möge seinen Landsleuten erzählen, daß der Sultan allen Bewohnern seines Landes ein gerechter Herr zu sein sich bemühe und daß seines (Glaubens wegen in der Türkei niemals Jenmnd eine Verfolgung werde ansgesetzt werden. Der Sultan erklärte ferner den: Gesandten, er habe nichts gegen eine Niederlassung der jüdischen Einwanderer anszusehen, sofern sich dieselben unter seinen Unterthanen zerstreuen würden. Amerika. * New-Vork, 10. Juli. Am 25.Mai fand die feierliche Einweihung des neuen Gebäudes des „Jüdischen theologischen Seminars Nr.736 Lexington Ave. statt. Nachdem die Feier durch ein Gebet des Rev. Dr. Henry S. Jakobs eröffnet worden war, hielt Hon. Joseph Blumenthal, der Präsident des „Board of Trustees", eine längere Rede, in welcher er den Anwesenden ein treffliches Bild über die Ziele und die Erfolge des Institutes vor klugen führte. Nach dieser mit vielem Beifall anfgenommenen Ansprache fesselten die Herren Rev. Dr. De Sola Mendes und Hon. Seth Low, Präsident des Columbia College, durch längere geistvolle Anreden die Aufmerksamkeit der Anwesenden, und Rev. Dr. S. Morais, der Präsident der Fakultät, sprach ein Schlußgebet, womit die eindrucksvolle Feier ihr Ende erreichte. Das auf so festliche Weise eingeweihte schöne, fünfstöckige Gebäude entspricht vollkommen den An forderungen, die au ein gut eingerichtetes Schulgebäude gestellt werden können. Ein geräumiger Hörsaal im 1. Stockwerke, dann in den oberen Etagen die wohlausgestattete Bibliothek, sowie Lesezimmer und die ein zelnen Klaffenräume bieten den Zöglingen einen in jeder Beziehung vor züglichen Aufenthalt. Nach dem letzten Jahresbericht genossen 14 Studenten des Seminars während desselben eine vorzügliche Ausbildung, die sie in erster Reihe den Herren Drachmann und Liebermann zu danken haben. Die Beamten des Institutes sind: Präsident Hon. Joseph Blumenthal, 1. Bice-Präsident Louis Ash; 2. Vice-Präsident Dr. H. W. Schneebergc:: Sekretär Charles Hoffman:: und Max Cohen; Präsident der Fakultä, Rev. S. Morais, L. L.D, Als Lehrer fungiren die Herren: Rev. Dr. B. Drachmann, Dr. G. Liebermann und Dr. Cyrus Adler von d r „John Hopkins Universität". Uon Ual: und Fern. Den: vom Amt suspendirten Rektor Ahlwardt ist durch tu A Provinzial-Schulkollegium unter dem 6. Juli untersagt worden, Berlin w\ verlassen. Es heißt in der Verfügung, daß Ahlwardt trotz der über ihn ver hängten Suspension von: Amt seiner: Amtswohnsih ohne Urlaub nicht ver lassen dürfe, und daß Zuwiderhandlungen dagegen disziplinarisch ßeviu i I werden würden — Unter dem Titel „Jung - Israel, Jüdisch nationaler Verein" hat sich hier in Berlin vor einiger Zeit ei.: 'Anzahl von „Zionssreunden" zusanuueugethan. Der Zusammenschli'u dieser jungen Leute dürfte wenigstens den Vortheil haben, den: Publikw - zu zeigen, wie gering die Gruppe derjenigen ist, deren extravagaru? Schwär:uereien nur allzu oft der gesammten deutsche:: Judeuschaft zur Last gelegt werden. — Der Licentiat der Theologie Probst von Krzezinski in Groft-Luttom bei Zirke hat eine Broschüre „Der Jud." veröffentlicht, in welcher er vom orthodox-christlichen Standpunkte ai de:: Antisemitsmus mit Schärfe bekämpft. Die Broschüre ist zum Pre. von 50Pfennigen durch die Buchhandlung von JosefJolowicz inPosenzu l ziehen. — In der „Deutschen Mediziner-Zeitung" berichtet Herr Dr. E. Rosen bäum von einer überraschenden Erfindung des Chemikers Dr Israel R o ' in Frankfurt a. M. Es ist ein neues Heilmittel, das besonders gepuil Rheumatismus und Ischias mit überraschendem Erfolg angeweudet wi:e,I wie Versuche im Frankfurter Bürgerhospital und von verschiedenen,! namentlich aufgeführteu Aerzteu festgestellt haben. Das neue Mittel heüul Agathin und hat in ärztlichen Kreisen große Sensation hervorgerufeu. Dr. Ludwig Goldschmidt, Amtsrichter und früher Privatdozeut, m als Landrichter nach Bochum berufen worden. — Der bekannte Gron industrielle Freiherr von Stumm in Neunkircheu hat auf fein.ul Eisenwerken einen Erlaß anschlagen lassen, durch welchen die Arben r vor der Theilnahme an der antisemitischen Bewegung gewarnt werdui.I Bei den Beziehungen des Freiherrn von Stumm zu Hofkreisen ist die'ul Erlaß besonders bemerkenswerth. — In Wien sind sämmtliche 16den:W(U01 hofener „Verbände wehrhafter deutscher Studenten" augehörenden Uiu I v er sitäts-V erb indun gen wegen Ueberschreitung ihrer Statuten durch! Verfolgung politischer Zwecke aufgelöst und ihre Bücher und Papiere beschlG nahmt worden. Diese deutschuational-antisemitischen Verbindungen warn zumeist Burschenschaften, sie bildeten den Anhang Schönerers. T '.i speziellen Anlaß gab die Betheiligung au den Bismarck-Demonstrationu:. — Die junge .Königin von Holland und ihre Mutter, die Königin Regentin, besuchten die Hauptstadt der Provinz Friesland, Leeuward>n! Der Oberrabbiner wurde in Audienz empfangen und war einer o-n den Gästen bei der Hoftafel. Speziell für ihn wurden rituelle Speisen und Koscher-Wein besorgt, und die Königin konferirte mit ihm den. ganzen Abend. — Herr A. Diparc, der Dienstzeit nach das älteste Mitglied des Stadtrathes und Obmann des Schulrathes von Leeuwarden, wurde durch die Ernennung zum Ritter des Ordens von Nassau-Oranien ausgezeichnet. — Wie die „Selbst-Emanzipation" berichtet, hat sich Herr Paul Friedmann am 8. Juni auf dem Lloyd-Dampfer „Poseidon" nach Europa begeben. Vorher reichte er noch gegen die ägyptische Regierung wegen der Ausweisung aus Midjan eine Klage auf 25,000 Pfund Sterling Schadenersatz ein. Druck und Verlag von Rudolf Mofje in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.