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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-03-25 · Heft 13 (25.3.1892) · p. Seite 149

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 13 (25.3.1892)
Date
1892-03-25
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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Lachen Sie in diesem 'Augenblick, so lachen Sie! über sich selber. Dieses Verhalten des Herrn Stöcker und seiner Freunde > nt der ganzen Richtung der öffentlicheil Anschauungen nachtheilig ge.! lvesen. Ich kann nllr sagen, daß wir froh sind, daß in der; Nasse ein Heilungsprozeß sich kundgiebt, daß Herr Stöcker allmählich! 'eines Einflnsses beraubt wirb. (Sehr richtig! links. Widerspruch rechts.)! Die brauchen sich nur das Vergnügen zu rnachen, frühere Versannnluugen j mit beit jetzigen zu vergleichen. Ich erinnere mich noch der Zeit, als j Herr Stöcker auf dem Tempelhofer Berg gleichzeitig mit uns eine Ver- ' -annnlung abhielt — wir tagten nebenan — in beiden waren Tausende im Menschen — Herr Stöcker machte die Seinigen darauf aufmerksam,! urß in dem Nebeuraum eine Versanulllung war, ob sie nicht vielleicht! 'ingehen wollten. Darauf kam es zum Zusammenstoß (Hört! Hört,! unks), und es bedurfte des Aufgebots extremer Polizeikräfte. Danlals , >er fügte Herr Stöcker noch über Tausende, jetzt konnnt er über die! Hunderte kauln hinaus. (Gerade gegenwärtig wäre der Augenblick gekommen, einen gesllnden ionservntismus, vor dem wir Alle Achtung haben, zur Geltung zu! ringen. Sie scheinen aber ein besonderes Interesse daran zu habell,! mit den Herren Stöcker und Wackerbarth zusmnnienzugehen. Wenn es > '-ich dabei uln weiter nichts handelte, als für die Wahlen mit den Anti- | emiten eine Majorität zu erzielen, so mochte das gehen, aber ich meine! mit solchen Mitteln sollte mau in so schweren Zeiten nicht operiren; das Dumte leicht ins Gegentheil Umschlägen. Schön ist diese Verbindung acht, imb wir beneiden Sie nicht darum, aber wir können nur sagen: (ähren Sie so fort, wir können mit um so größerer Zuversicht auf die Beseitigung solcher Auswüchse hoffen. (Beifall links. Lärm rechts.» Abg. Frhr. v. Wackerbarth: Ich kann nur bedauern, daß der Minister seine heutigen Erklärungen schon bei der 2. Berathung abegeben hat. Ich habe meinerseits die Diskussion nicht veranlaßt. Ich abe nur in objektiver Weise das vorgebracht, was bekannte und verkannte 'Autoritäten über die Frage gesagt haben. Es entspinnt sich hierauf eine sehr scharfe Auseinandersetzung .wischen den Abg. Rickert, Virchow einerseits, den Abg. Stöcker, Wackerarth und Kröcher andererseits. Letztere Beiden erklären, nur für ihre Hersou, nicht für die Partei gesprochen zu haben. Für die Konservativen '.'i es ganz unmöglich, sich einen Mann wie den Abg. Stöcker von den Dockschößen abznschütteln. Das wäre Selbstmord. U Ans England. Von Benas Levp. Am 10. März er. ist der Oberst-Lieutenant Albert Goldsmid! ach Argentinien abgereist, um das große Hilfswerk, welches Baron j ' irsch eingeleitet hat, zur Ausführung zu bringen, und an diese Heise werden von allen jüdischen Kreisen Englands die größten Hoffnungen geknüpft. Zwar kennt Oberst-Lieutenant Goldsmid weder (and noch Lenke in Argentinien, aber dennoch gilt er als die H fähigtste und geeignetste Person zur Bewältigung der schweren Aufj i abe. die er zu lösen übernommen hat. Er hat es bewiesen, daß er! luth, Klugheit, Tapferkeit und Entstchiedenheit besitzt, und daß er j aperdem ein warm fühlendes Herz für seine Glaubensgenossen hat. Teint nur Mitleid mit nnsern schwer bedrängten Brüdern, welche Hres Glaubens willen aus ihrer Heimath Vertrieben werden, hat T berst - Lieutenant Goldsmid veranlaßt, diese ihm von Baron Hirsch übertragene Mission nach Argentinien zu übernehmen. Eine ' chvere Aufgabe ist es, die seiner harrt, aber wenn es ihm gelingt, eselbe zu lösen, dann wird der Name Goldsmid von vielen Tausenden, welche die Rettung aus großer Noth unb Bedrückung sehnsüchtig > »flehen und erwarten, dankbar genannt werdett. Oberst-Lieutenant Goldsmid, welcher den höchsten Rang in der englischen Armee einnimmt, den je ein Jude dort besessen hat, war pt den jüdischen Kreisen Londons besonders dadurch bekannt geworden, daß er unablässig für die Kolonisation Palästinas durch Juden gewirkt hat. Diese Idee erfüllt ihn auch heute noch, doch ist die Ausführung derselben, da der Sultan Die Einwanderung der Juden in Palästina vorläufig verboten hat — nur aufgeschoben, keineswegs von ihm aufgegeben worden. Wenn Goldsmids Bemühungen in Argentinien Erfolg haben, so wird ihm dieses nur ein Sporn sein, später auch die Kolonisation Palästinas durch Juden in Angriff zu nehmen. — „Chovevei Zion“ ist der Name der Gesellschaft in London, welche zur Verwirklichung dieser Idee sich gegründet hat und hierfür eifrig wirkt. Diese Gesellschaft veranstaltete zu Ehren Goldsmids eine besondere Sitzung, um ihm bei seiner Abreise nach Argentinien Lebewohl zu sagen, und hat ihm eine Dankadresse in künstlerischer Ausstattung überreicht. Begleitet von den besten Segenswünschen und voll von Hoffnungen tritt Goldsmid seine Reise in das ferne Land an, und wo nur in der ganzen Welt ein fühlendes jüdisches Herz schlägt, schließt es sich diesen Wlinschen an. Gilt es doch das Wohl und Wehe vieler tausender Glaubensgenossen, die gezwungen werden, in die Ferne zu ziehen, — und wenn es gelingt, das große Hilfswert auszuführen, dann schwindet die Sorge, welche jetzt die Juden überall schwer belastet. Natürlicher Weise aber kann der Erfolg nur nach und nach sich zeigen, und vor übertriebenen Erwartungen kann nicht genug gewarnt werden. Baron Hirsch hat angeordnet, daß erst litt» Familien sich ansiedeln sollen, und nur solche, welche im Stande sind, Ackerbau zu treiben. Sobald diese 100 Familien versorgt sein werden, dann erst sollen weitere hundert folgen, denn es lväre nicht möglich, daß Oberst-Lieutenant Goldsmid einen Erfolg erzielt, wenn er von Anfang an für tausende von Familien zu sorgen hätte. Stellt es sich aber heraus, daß Argentinien den passenden Boden für die Kolonisation bietet und daß die russischen Juden sich als Ackerbauer bewähren, dann erst wird das Hilsswerk des Barons Hirsch in seiner ganzen Größe sich entfalten können und segensreich wirken. Ein Jahr gedenkt Oberst-Lieutenant Goldsmid in Argentinien zu bleiben. Möge es ihm mit Gottes Hilfe gelingen, in dieser Zeit das schwierige Werk in die richtigen Bahnen zu leiten, damit alle die Hoffnungen, die sich an seine Reise nach Argentinien knüpfen^ erfüllt werden zum Glück der Bedrängten und zur Ehre aller Juden! Autob 1 ograp ll i sch v Blätter von Leopold Dukes. Herausgegeben und mit 'Anmerkungen begleitet' von Prof. Dr. David Kaufmann. Bon Holland ging ich zurück nach Deutschland, wo ich in Tübingen das Ewald undTukes') herausgegeben habe, sonne die Blumenlese,Z welche Beifall hatte. Die Einleitung hat einen literarischen Werth. Ewald war ein großer Sprachkenner, um eigentliche Litteratur hat er sich nicht viel gekümmert. Er war eine echt norddeutsche Natur, wie man sagt. Ich möchte sagen, er hat torak lischmoh H Heinrich Ewald und L. Dukes, Beiträge zur Geschichte der ältesten Auslegung und Spracherklärung des 'A. T. n Bände. Stuttgart 1844. '-') Rabbinische Blumen lese, Leipzig 1844.

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