Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1892)
- Date
- 1892-02-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Züge, welche die jüdischen Quellenschriften von Simon ben Jochai berichteten, zu einem schöllen Ganzen zusammenfügte. Auf die Bedeutung und die besollderen Lehren des Rabbi eingehend, verweilte Lazarus besonders bei jenem Ausspruch Simon ben Jochais, daß das Gesetz nur nach seinem inneren Grunde zu interpretiren sei, und diese Ausführungen gestalteten sich zu einem glänzenden Kampfrufe gegen das Obskurantenthum und den starren Buchstabenglauben, welche zu allen Zeiten gerade gegen diesen Satz ihre schärfsten Angriffe gerichtet haben. Zurückkehrend zu de:n Einleitungsgedanken des Vortrages, daß die Wirksarnkeit großer Männer in Wahrheit erst nach ihrem Leben beginne, schloß der Redner unter dem rauschenden Beifall der Zuhörer mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß bald die Zeit herankommen möge, in welcher Simon ben Jochais, des Reforlnators, wahres Leben unb Wirken beginne. 3E Berlin, 2. Februar. Der Dozent am königl. Polytechnikum und Oberlehrer am Realgymnasium in Charlottenburg, Herr Tr. F. Buka, ist zum königl. Professor ernannt worden. Berlin, 2. Febr. Wie uns mitgetheilt wird, findet am Sonntag den 27. März der ordentliche Gemeindetag des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hier in Berlin statt. * Berlin, 2. Februar. Tie Angelegenheit des Herrn Carl Paasch hat, wie die „Kreuzzeitung" erfährt, nun doch noch zu einer diplomatischen Streitfrage geführt. Herr Paasch schickte eine Anzahl Exemplare seiner Schrift „Eine deutsch-jüdische Gesandtschaft in China" an die ihm persönlich bekannten europäischen Kreise Chinas, doch wurden die Bücher durch deutsche Zollbeamte dortselbst konfiszirt. Die Beschlagnahme fand in Shanghai in den Speicherräulnen des Norddeutschen Lloyd statt. Die Adressaten waren englische, französische mld russische Staatsangehörige, welche über die Beschlagnahme Beschwerde führten und es dahin brachten, daß auf das Betreiben des französischen und russischen Generalkonsuls die chinesische Regierung gegen die Konfiskation der Schriften Einsprache erhob. Dieselbe macht geltend, daß der Speicher des Norddeutschen Lloyd chinesisches Territorium sei, auf welchem die amtlichen Organe des deutschen Reichs zu einer Beschlagnahme nicht befugt seien. Bon deutscher Seite wird dagegen dieses Recht in Anspruch genonnnen und in dem vorliegenden Falle noch darauf hingewiesen, daß die die Schriften enthaltenden Pallete unrichtig deklarirt waren, um die Zollbehörden zu täuschen. Die hier erwähnte Schrift des Herrn Paasch ist eine antisemitische Schmutz- und Schandschrist, welche von Beleidigungcn zahlloser Personen, aud) cnt§ den höchsten Kreisen, winnnelt. Da sie antisemitisch ist, hat sie sich der Protektion der Kreuzzeitung und ihrer Genossen zu erfreuen Derselbe Herr Carl Paasck) veröffentlicht aus seinem im vorigen Jahre erschienenen und konfiszirten Buä)e: „Eine jüdisch-deutsche Gesandtsd)aft und ihre Helfer", welck)es ihm bekanntlich eine Anklage und mehrwöchige Untersuchungshaft zuzog, einen Auszug in Form eines den antisemitischen Blättern aller Schattirungen beigelegten Flugblattes. Er bemerkt darin, es sei den Mitgliedern des Reick)stages bereits Ende der vorigen Session eine Petition betreffend die ihm zugefügte „Vergewaltigung" zugegangen. In dieser Reiä)stagssession biete sick) nun bei der Verhandlung des Etats des auswärtigen Amtes eine Gelegenheit, seine Angelegenheit vor das Forum des Reick)stages zu bringen. Er werde nid)t ermangeln, den Reick)stagsabgeordneten das nothweudige Material reck)tzeitig zu übermitteln. Paasch bittet die Euipfänger des Flugblattes, es ihrem Reiä)stagsabgeordueten zur Pflicht zu machen, sick) mit seiner Angelegenheit zu befassen. Wir haben somit, da die antisemitisck)en 'Abgeordneten die von ihnen so lange agitatorisd) ausgenutzte Sache sicherlid) int Parlamente vertreten werden, eine „interessante" Debatte im Reid)stage zu erwarten. Berlin, 31. Januar. Von dem oft bewiesenen Grade von Wahrheitsliebe, welche Herr Stöcker besitzt, geben einige Worte, welche er in der Debatte über den Entwurf eines Volksschulgesetzes zur Herabsetzung der deutschett Zudem gebrauchte, neues Zeugnis;. Herr Stöcker sagte in der Sitzung vom 60. Januar: „Matt stellt nun das Sd)reckgespettst von koufessionellett Gymnasien unb Universitäten vor, ja, haben wir denn nicht längst katholisd)e und evnttgelisd)e Gymttasiett, Seminare, deren Grundlage kottfessionelle Stifttmgen sittd? Als die Berliner Juden unter Minister Falk eine jüdische Ho d)sd)ule verlangten, da haben Sie <nach links) kein Wort dagegen gesagt." Die Gegettüberstellttug der Ausdrücke „katholistche tmd evangelische Gymnasiett" und „jüdische Hochschule" ist eine so schlaue. den Besuc um Herr U)tx Tags Herr Ral degab, w bischof in der Kirch Aut Iden daß der unbefangette Zuhörer den Eindruck gewinnen muß, die Bet liner Juden hätten verlangt, daß einer Universität oder einer höheren Unterrichtsaustalt ein jüdisch-konfessioneller Charakter gegeben wurde. Thatsächlich handelte es sich um die Gettehmigung einer „R a b b i n e ts ch u l e", und gegen den jüdisch-konfessionellen Charakter dieser Anstau hatten die bösen Liberalen nichts einzuwenden, wofür sie nun v.n Herrn Stöcker ihre Lektion erhallen. u- Breslau, 27. Januar. Heute Vormittag fatld im hiesige!! „I üd i sch - t h e o l o g i s chen S emi nar" die 38. Gedäch! nißfeier für seiin ul Stifter, den verewigten Kommerzienrat!) Jonas Frättckel, statt. Derl^^EU Raum der Seminar-Synagoge war zu diesem Zwecke hergerichtet mordet. I^Ertte Ein zahlreiches Publikunt, darunter die Kuratorert des Seminars sowie» Rabbiner ttnd Vertreter der Gemeinde, hatte sich zur Feier rechtzeitig! allf' eingefunden. Kurz tmd) 11 Uhr begann, anläßlich der Geburtstagsfeier Sr. Majestät des Kaisers, der mehrstimmige Chor utrter Harmoniumbegleitung das .,tirutttans8en-te^(dtuou"-Gebet, worauf Dr. David R osin die Kanzel bestieg, um auf die heutige Doppelfeier hinzuweisen, in der das Seminar den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und den Ge dächtttißtag des hock)herzigen Stifters der Anstalt begehe. Nad)dem der Redner in Kürze des i:n Laufe des verflossenen Jahres verstorbenen Professors Dr. Grätz, der seit Gründung der Anstalt an ihr atlfs Beste und Segensreid)ste gewirkt, gedadst, gab er eine ausführlid)e Skizze dev verblidzenen Dr. B. Zuckermann, der gleichfalls an der Anstalt vom Attfang ihres Bestehens an gelehrt. In ihm sei ein aufrichtiger Jehudi von ungeheud)elter Frötnmigkeit und Besd)eidenheit, ein treuer, eifriger Kollege und ein gediegener Lehrer und theilttahmsvoller Freund ber Hörer des Seminars hingegangen. Er glaube, nicht besser das Wesen des theuren Verstorbenen charakterisiren zu können, als ittdem er dir Rede zum Vortrag bringe, weld)e Dr. Zuckermann s. A. itn Oktober des vorigen Jahres niedergesd)rieben ttnd am heutigen Tage zu haltet: gesottnett war: Von Neuem ward also Sr. Niajestät und des sel. Stiftender Anstalt gedacht — Beide wurden gefeiert als Pfleger und Beschützet der Wissenschaft. Diese sei es ja auch gewesen, welche Israel in Sturme der Zeiten hinweggeholfetr habe über Trostlosigkeit, Elend und Gefahr. Nachdem Herr Dr. Rositt dieses Vermächtniß des theuretr Verklärten noch gebührend hervorgehoben, ging derselbe zur Verkündigung des Ergebnisses der Bewerbung um den-J. Lehmaunffd)eu Preis über. Die Preisaufgabe des vorigen Jahres, welche lautete: „Darstelluttg des Standpunktes der einfachen Bibelexegese tn den Talmndischen Sd)riften" war, da sie zur Zeit feine befriedigende Lösung gefunden hatte, wieder holt wordett. Der eingelaufenen, mit dem Motto: „dibroli tmtroli kelosclmun One ödem“ versehenett Arbeit wurde der Preis zuerkattttt. 'Als Verfasser ergab sich Herr ennd. phil. L. Dobschütz. — Sodann, vollzog Seminarrabbiner Dr. Israel Lewy die Entlassung des allein ersd)ienenen ehemaligen Zöglings der Anstalt, jetzigen Rabbitters Herrtt Dr. Martin Littmann (die Herren Rabbiner Dr. Adolph Bi ad) in Brüx und Dr. Joseph Levy in Alzey waren am Ersd)einen verhindert'. Unter tiefempfundener Mahnung, nad) dem Worte unserer Weisen: „Erst schtnücke Dich selbst, dattn Andere", nach ununterbrochener eigener Weiterbildung zu streben, überreid)te er dem neuen Rabbiner das Diplom, ihm die Worte des Priestersegens zttrufend. — Alsdann dankte Herr Dr. Littmann seinen Lehrern und verabschiedete sich zttgleid) von feinen Studiengenosseu. — Der Chorgesang des für die Gedächtnißfeier bestimutten Psalms 10 schloß die erhebende Feier. Ii Gnesen, 28. Januar. Bei dem am 10. dieses erfolgten festlid)eu Einzuge des neuen Erzbischofs von Gnesen und Posen, Dr. von Stablewski, haben sid) auch viele unserer Glaubensgenossett ittsofern betheiligt, als sie ihre Häuser ebenfalls mit Guirlanden, Fahnen rc. schmücktett und, am Sonntag Abend tmd) der Konsekration, ihre Wohnungen gleich ben Katholiken illuminirten. Außerdem nahmett noch unsere ersten Gemeindevertreter an den Deputationen Theil, weld)e detn Herrtt Erzbisd)of ihre 2lufwartung madsten, um ihm ihre Glückwünsd)e abzustattett. Als bemerkenswerth darf wohl hierbei hervorgehoben werdet;, daß derselbe wiederholt seine Befriedigung darüber ausgedrückt hat, das; ihm attch seitens der jüdischen Bürgerschaft so viele Sympathien entgegengebraä)t wurden. Auch unser Rabbiner Herr Dr. Jacobson unterließ es nid)t, dem Kirchenfürsten seine Aufwartung zu machen, traf ihn aber nid)t atttvesend tmd gab daher nur seine Karte ab. Bei der kttrz darauf erfolgten Rückkehr des Herrn Erzbisd)ofs bedauerte derselbe sehr. ürner ga auch, daj Als der alters, n intmer n Religion Erzbisch c gattz zu. Dank sw 8 « Znstall gestattet, Anregutt Zahres t Sannneb idealett Z des Ord au den Vereinig den junc schaffend derer, d Schritte der Jun gelegt v geweiht Räumen Festessen tvelchem kam dic Toastett Wittner Mättner Br. Br. 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