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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-04 · Heft 12 (4.4.1890) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 12 (4.4.1890)
Date
1890-04-04
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Gemeinde-Zeitung" nicht erscheinen lassen, sondern anstatt dessen eine Beilage der Israelitischen Wochenschrift mit dem Titel „Gotteshaus und Schule" redigiren. — Der Geburtstag Sr. Majestät des Königs von Württemberg wurde in allen Synagogen des Landes durch Festgottesdienst und Festpredigt über den von der israelisischen Oberkirchenbehörde vorgeschriebenen Tetzt Ps. 73, 23 feierlich begangen. — Zu Nürnberg fand am 23. Mürz im Sitzungssaale des Rathhauses die feierliche liebergäbe des von Freunden, und Verehrern des dahingeschiedenen k. Justizraths und Landtagsabgeordneten Herrn Wolf Frankenburger gestifteten Bildnisses desselben an die Stadt Nürnberg zum Zweck der Aufstellung in der neuen Gemäldegalerie des Rathhauses statt. Zu der Feier hatten sich neben den zahlreich erschienenen Freunden Frankenburgers Abgeordnete des Magistrats, des Gemeindekollegiums und des Armen- .pflegschaftsraths eingefunden. — In Dessau wird das Denkmal für Moses Mendelssohn am 10. Mai feierlich eingeweiht werden. Unter zahlreicher Betheiligung der Einwohner unb der Lehrer des Konferenzbezirks Meisenheim fand jüngst die Beerdigung des israelitischen Lehrers Herrn Benjamin Unrich, statt. Herr Rabbiner Maier aus Zweibrücken, der früher lange Jahre an der dortigen israelitischen Gemeinde thätig war, hielt am Grabe des im 78. Lebensjahr Dahingeschiedenen die Leichenrede. — Donnerstag den 20. Februar um N Uhr Vormittags ging in Budapest die feierliche Entlassung der drei Rabbinatskandidateu Dr. Bernhard Elsaß, Dr. Leopold Kecstemeti und Dr. Bernhard Kohlbach im Bethause der hiesigen Landes-Rabbinerschnle in üblicher Weise vor sich. - In I literarischen Kreisen von Budapest macht es Aufsehen, daß den von der Akademie ausgeschriebenen 100 Tucaten-Teleki-Preis für Tragödien eine Arbeit gewann, die man dem poeta lanrealus Bischof Karl Szasz j zuschrieb, während bei der Oefsnuug der versiegelten Mottobriefe der unbekannte Name Varfanyi zum Vorschein kam. Der Sieger, ein noch ganz junger Mann, ist Schreiber bei einem Kolportage-Buchhändler, yieß ehedem Klein und stammt von jüdischen Eltern. — Sonntag den 23. März 1890 wurde im israelitischeil Tempel 31t Ottakring für den um diese Gemeinde verdienstvollen Herrn Ignaz Edlen von Kuffner ein feierlicher Trnuergottesdienst abgehalten. — Am 17. Oktober d. I. gelangen die Zinsen des „Prediger Mannheimer Vereines" in Wien zur Vertheilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben Rabbinnen, Prediger llnd Lehrer in Oesterreich-Ungarn, welche dienstunfähig geworden sind, oder deren Wittwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde, welche mindestens fünfzig Mitglieder zählt, wenigstens dnrch zehn Jahre das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Die Würdigkeit der betreffenden Beamten, sowie die Dienstllnfähigkeit sind nachzuweisen. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Jlmi d. Js. , an die israelitische Gemeindekanzlei in Wien unter der Adresse: „Vorstand ' des Prediger Mannheimer-Vereines" zu übersenden. Ter Kaiser von > Oesterreich hat unserem Glaubensgenossen Herrn Sigmund Schloßberger! deTornha,in Anerkennung seiner Verdienste um Handel und Industrie, > die erbliche Baronswürde verliehen. — Zun: Oberrabbiner von Florenz j ist der bisherige Bezirksräbbiner von Weilburg, Herr Dr. Margulies, gewählt worden. — Am 23. März ist der Oberrabbiner von Frankreich, Herr Zndok-Kahn, in der Synagoge der Uno <lo la vietoire feierlich in sein Amt eingeführt worden. — Baronet Sir Albert Sasso on, Inhaber des Sterns von Indien, ist durch die Königin voll Ellgtand aus dem Ritterin den Freiherrllstand erhoben worden. Als Kuriosum wird der I. Pr. alls Osborne, der gegenwärtigen Residenz der Königin von England, gemeldet: Gelegentlich einer Privatvorstellung, an welcher die Tochter der Königill, Prinzessin Beatrice voll Battenberg, persönlich mitwirkte, wurdeil als lebende Bilder ztvei Szenen aus dem Buche „Esther" dargestellt, welche das Erscheillell Esthers vor Ahasverus und ihre Krönung veranschalllichten. Um diese Illusion recht lebhaft zu gestalten, war der Kapellmeister Ihrer Majestät ersllcht worden, bei Vorführung dieser Bilder einige echte hebräische Melodien spielen zu lassen. Von den demselben vorgelegten Synagvgatgesängen wurden zwei voll Mombach komponirte Melodien des „Jigdal" und „Haudu" allsgewühlt, llnd dieselben fanden so sehr bcn Beifall der Königin, daß sie lnehrfach wiederholt werden mußten. Was das Interesse aber noch erhöht, ist der Umstand, daß die Königin Verfügungen getroffen hat diese Melodien dem ställdigen Repertoire der Kirchenmusik in der königlichen Kapelle zu Windsor zur Absingung des „Kyrie" einzuverleiben. — Aus dem dieser Tage veröffentlichten Testament des Heimgegangenen Ehief-Rabbi Dr. N. Adler ist hervorzuheben, daß die große Bibliothek des Verstorbenen (sowohl Druckwerke wie Manuskripte) an die drei Söhne desselben übergeht. Dabei ist Herrn Dr. Hermann Adler da- Vorrecht gewährt, für sich alle diejenigen Werke auszuwählen, die für seinen Beruf nöthig und nützlich erscheinen. Letztere sollen dann später immer auf diejenigen Nachkommen m der Familie übergehen, die den Rabbinats-Beruf ergreifen Außer bcn vielen mit Legaten bedachten englischen Institutionen befindet sich auch die „Clievrath Gemihith Clmssodinr in Hannover — dem früheren Wirkungskreis des Heimgegangenen — und die „Jescliiwath Ez Cliajim we Talmud Tora Irin Jerusalem unter den beschenkten Anstalten. — Fürst Ferdinand voll Bulgarien hat das von der Sobranje allgenommene Orga llisationsstatut für die Juden in Bulgarien genehmigt. Dassels ist von dem Großrabbiner Dr. Dankowitz in Sofia ausgearbeitrl. Nach diesem Statut ist das Land tu drei Konsistoriälbezirtr Sofia, Philopopel und Rustschuk, eingetheilt, welche ihrerseits von dem Großrabbiner mit dem Sitz in Sofia abhängig sind. Der Großrabbinn lvird vonl Fürstell lebenslänglich ernannt uitb ist der Vermittler zwischen dem Kultusministerium und den Juderl. — Die türkische Regierung hcn kürzlich bei Salonichi eine Ackerbauschul e angelegt. Das Lehrlingswerl der Alliance hat dort die Aufllahme zweier jüdischer Lehrlinge bewirk! Die Verwaltung der Schllle hat versprochen, noch weitere Lehrlinge auizunehmeu, sobald sie über den nöthigen Platz verfügt. — Nach dm neuesten Zählung sind voll den 2,880,515 Bewohnern Macedoniens unr. Altserbiens 69,654 Juden. — Am Abend des 15. März ist der Stadr rabbiner Magister Gurlaild in Odessa verschieden. Er begab )ui> Freitag Abends nach dem Gotteshanse, um beit Jahrestag der Thron besteigung des russischen Kaisers in einer Rede zu feiern. Kaum fyatk er sie begonnen, so brach er zusammen und fiel zu Boden. Um 11 lltn Nachts war er bereits eine Leiche. — Ein Warschauer Glaubensgenosse Dr. Moritz Mendelsohn, der nach Absolvirung der Petersburger Universität sich später in Paris und Dorpat als Doktor niederließ und seit einigen Jahren in Petersburg wohnt, wurde vom Präsidenten dm französischeil Republik zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Das Diplom ulld Orden wurden ihm voll dem französischen Gesalldterl in Petersbnra am 20. März überreicht. Dr. Mendelsohn praktizirte auch in Algier und war einige Jahre Assisteilt des Prof. Chascot in Paris. — Davon dem Ehepaare Poznanski in Lodz in hochherziger Weise gegründete jüdische Krankenhalls lvird am 1. Juni d. I. seiner Bestimmung über geben werden. — Eine Ordonnanz des egyptischen Ministerpräsidenten Riaz Pascha verbietet dem in Alexandrien nt arabischer Sprache erschm ueilden Tagblatte „Al Hakikah", Telegramme und politische Artikel zu veröffentlichen, wodurch diesem Blatte der Lebensfaden gänzlich durch schnitten ist, da keine politische Zeitung heutzutage ohne die genannten zwei Rubriken existiren kann. Mit dem Anshören der „Hakikah" würden nicht nur die Juden Egyptens, sondern allch die des übrigen nördlichen Afrika, dann in Arabien, Indien, Afghanistan, Mesopotamien rc. da. eiltzige Organ verlieren, das ihnen bisher zur Verfügung stand, nun durch das sie sich and) mit ihren mohamedanischen Mitbürgern verstau digen tonnten. - - Der deutsche Konsub in Jerusalem, Herr Dr. von Ti scheu d ors, hat an den Vorstand der deutsch-israelitischen Gemeind? nachstehendes Schreiben gerichtet: „Den Mitgliedern der deutschen Kolonie zu Jerusalem theile ich ergebenst mit, daß das anläßliä des Gebnrtstagsfestes Seiner Majestät des Kaisers und Königabgesnlldte Glückwunschtelegramln der Deutscheil Jerusalems an Allerhöchster Stelle in Vorlage gebracht worden ist. Im Aller höchsten Austrage beehre ich mich, den Deutschen Jerusalems für diese Kundgebung patriotischer Gesinnung den aufrichtigen Dam Seiner Majestät des Kaisers und Kölligs ergebetlst zu übermitteln — Aus Pittsburg in Pennsylvanien wird folgender Akt hochherzigen Wohlthuns gemeldet: Eine jüdische Dame, Madame Gurki, hat zur Errichtung eines jüdischen Waisenhauses ein entsprechendes Grundstül! geschenkt und eine beträchtliche Geldsumme, welche zum Bau desselben vollkommen ausreichen wird. Außerdem hat sie sich verpflichtet, jährliä, zu den Ausgaben 1000 Dollars beizusteuern. — Wie „Jewish Messenger in New-Uork mittheilt, wurde ein christlicher Geistlicher durch die Er häbenheit des Kaddischgebetes so gerührt, daß er nach dem Tode seiner Frau jede Woche eilten jüdischen Tempel besuchte und mit der Gemeind? das Kadischgebet sprach. Druck und Verlag von Rudols Messe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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