Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 2 (19.1.1890)
- Date
- 1890-01-19
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Auch wir, geehrte Trauerversammluug wollen einem solchen Danke Ausdruck geben. Weist ja eben diese Stätte, die Anlage dieses Friedhofes, auf die Wirksamkeit des Verklärten als ehemaligen Vorstehers der Bonner Synagogengemeinde hin. Und wie könnte in diesem Augenblicke unerwähnt bleiben, daß diese Gemeinde sich gar mancher Einrichtungen erfreut, zu deren Begründung der Dahingeschiedene die Anregung gegeben. Des großen Mannes Thätigkeit war aber nicht auf einen engen Raum beschränkt, im Großen wirkte er, auf die Gesammtheit war sein umfassender Blick gerichtet. Darum kann der Nachruf Aller, die „das Erbtheil der Gemeinde Jakobs" hoch in Ehren halten, ihr Nachruf an den Heimgegangenen kann der einmüthige sein: „Jehuda, Dir danken alle Deine Brüder!" Giebt es wohl im jüdischen Gemeindewesen ein einziges Gebiet, über welches sich der nun Entschlummerte nicht in Wort und Schrift verbreitet, ein einziges Gebiet, auf welchen er sich nicht ein hohes Verdienst erworben hätte? War seit sechzig Jahren irgend ein jüdisches Interesse, auch in fernen Ländern, selbst in fremden Welttheilen gefährdet, und er wäre nicht für dasselbe eingetreten? Ihm verdankt die Religionsschule ihr Entstehen und ihren Namen, den jüdischen Kanzelrednern war er ein leuchtendes Vorbild; er war einer der Ersten, die für eine zeitgemäße Regelung des Synagogen- Cultus mit gutem Erfolg eiferten, einer der Ersten, welche nach voraufgegangenem Gymnasial-und Universitätsbesuche mit klassischem Wissen dos jüdisch-theologische Studium verbanden. Dieser Verbindung entstammte bei dem Dahingeschiedene seine vielseitige Gelehrsamkeit, namentlich auch seine blühende Sprache und nach außenhin sein Ruf. Und als die Zeit gekommen war r,D t nnjp nvi da er einsah, daß es für ihn gut sei, vom Amtsdienste auszuruhen, und als er sich in einem toji.; yis, in einem an muthigen Lande ein neues Heim gegründet, da war er gleichwohl nicht unthätig. Ja, später noch, als die Zeichen der Altersschwäche sich bei ihm einstellten und das Licht seines leiblichen Auges matt geworden war, auch da war er noch von glühendem Eifer für die Religionsgenossenschaft Israels beseelt, auch da erkannte er noch mit Hellen Geistesblicken, was von den Bekennern des Judenthums für ihr glaubensgemeindliches und bürgerliches Leben geschehen müsse, und seine thatkräftige, schriftstellerische Hand blieb fest, bis seine Lebenssonne unterging. So hat der Heimgegangene, den man als einen Vorkämpfer für die edlen Bestrebungen des Jubenthums wohl in eben demselben Sinne, in welchem er, der Verklärte, einst Moses Mendelssohn also bezeichnet, eine providentielle Erscheinung nennen darf, so hat er nicht nur die „drei Kronen" getragen, die uns als Ideal des Lebens gelten, die Krone der Gelehrsamkeit, des Priesterthums, des Königthums, — er hat auch die vierte errungen, die Krone des guten Namens, so daß ihm mit Recht der Nachruf gebührt: „Jehuda, Dir danken deine Brüder." Geehrte Leidtragende! Als Rabbi Jehuda Hanassi aus diesem Leben schied, verboten die Lehrer auszusprechen, daß er gestorbr«. Was anders wollten sie dadurch ausdrücken, als daß ein durch sein Wissen und sein Wirken hervorragender Mann unsterblich ist. Eine solche Auffassung deutet auch das erste Wort des gegenwärtigen Wochenabschnittes an. Dieselbe berichtet über den Heimgang des dritten Patriarchen, und dennoch beginnt er nicht: Jakob starb, sondern vielmehr: Jakob lebte. Auch Euer Verklärter, der auf der Bahre ruht, lebt fort. So lange es eine jüdische Gemeinde und eine jüdische Wissenschaft giebt, wird des edlen Mannes, der Beiden sein Leben gewidmet, nicht vergessen werden. Noch in den fernsten Tagen wird in den Herzen der dankbaren Nachwelt das Andenken an den verklärten Vorkämpfer für Wahrheit und Recht fortleben, denn unvergänglich sind Lob und Dank, welche die Mitwelt ihm mit dem Nachruf zollt: „Jehuda, Dir danken Deine Brüder." Amen. Zu Dir aber, o Gott, erheben wir betend den Blick. O sende lindernden Trost in die blutenden Herzen der tiefgebeugten Leidtragenden, der Gattin und der Kinder, der Anverwanden und des Freundeskreises des Heimgegangenen! Der Du, o Herr, einst Zion getlöstet, tröste Israel ob dem Verluste, den es durch das Dahinscheiden dieses Verblichenen erlitten. Und so kehre, Verklärter, zu Deiner Friedensstättc ein, Ruhe aus von Deiner emsigen Arbeit! Leicht sei Dir die Erde! Friede Deiner Asche! Ehre Deinem Andenken! Amen." Dan» wurde der Sarg in die Gruft versenkt. An derselben sprach Herr vr. Neu mann, Rabbiner von Groß- Kanißa (Ungarn): „Aus weiter Ferne bin ich zu Dir gekommen, theurer Mann, um an Deinem Sarge die Thräne niederzulege», die mein und der Meinigen Herz um Dich weinte. Nimm diese geringe Gabe, eine Schmerzensgabe für alle die Liebe Deines großen Herzens. Ach, daß es uns nicht mehr vergönnt sein soll, in Dein mildes, frommes Auge zu schauen, an dem süßen Lächeln Deines Mundes uns zu sonnen! — Und auch aus dem Lande, in dem ich unserem Glauben diene, von den jüdischen Gemeinden Ungarns bringe ich Dir Gruß und 2*