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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-23 · Heft 17 (23.4.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 17 (23.4.1897)
Date
1897-04-23
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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WM 61. Lchrg-ng. Ar. 17. ferlte| Äptil 1897. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHurns". Korrespondenten und Nachrichten» Deutschland. L2 Berlin, 20. April. Der WohlLhätigkeitsstnn der deutschen Kaiserin hat sich aufs Neue Lurch eine hochherzige und reiche Geldspende bewährt, welche die Monarchin dem von Moritz und Bertha Manheimer gestifteten Hospital der jüdischen Gemeinde in derOranienburgerstraße 31 zukommen ließ. Am Sonnabend traf bei dem Vorstand der Anstalt ein huldvolles Schreiben aus dem Civilkabinet der Kaiserin, ein, durch welches die hohe Frau „zur Pflege armer Kranker" dem Hospital 10,000 Mark überwies. LL Berlin, 19. April. Gestern, am zweiten Passahtage, fand in dem Gotteshause der Reformgemeinde in üblicher Weise die Konfirmationsfeier statt, die auch diesmal einen tiefen Eindruck auf die Jugend sowohl wie auf die zahlreich versammelte Gemeinde ausübte. Es wurden 17 Mädchen und 13 Knaben durch Herrn Dr. Klemperer eingesegnet. Das einleitende Gebet wurde von Gertrud Lande, das Glaubensbekenntniß von Felix Böhm verständnißvoll und mit Wärme gesprochen. Der erste Zögling aus dem Mosse'schen Erziehungs-Institut in Wilmersdorf, Bianca Streisand, befand sich diesmal unter den Konfirmandinnen. Herr Dr. Klemperer hielt die Rede, die an die Fragen knüpfte, die nach dem Talmud an jede ins Vaterhaus Gottes heimkehrende Seele gerichtet werden: Nassasa desmunall — (hast Du gewirkt in Liebe und Treue?) Dpissa Ijseliua (hast Du gehofft auf meine Hilfe) und Kabata ittim lathora? (hast Du die Zeiten, die nach Dir kommen, der heiligen Lehre geweiht und gesichert?). Die geistvolle und formvollendete Predigt hinterließ, wie die ganze Konfirmationsfeier, einen tiefen Eindruck. L2 Berlin, 13. April. Die Saison der Litteraturvereine neigt ihrem Ende zu. In Berlin schloß dieselbe am 14. d. Mts. mit einem sehr interessanten Vortrag des Herrn Dr. N. Birnbaum über Henrik Ibsen und die jüdische Weltanschauung. In Frankfurt ä. O., Köln und Aachen sprach Prof. Dr. Philippson als letzter Redner dieser Saison. In Hildesheim Landrabbiner Dr. Rülf über die Samaritaner, in Ratib or Rabbiner Dr. Rippner über Abbö Gregoire, in Tilsit Kaufmann Sebba über König David und Rabbiner Dr. Rü lf-Memel über das Thema: „Was wir sollen und wollen!", in Ostrowo Rabb. Dr. Pleßner über die allgemeine Menschenliebe in der jüdischen Litteratur, in Brandenburg a. H. Dr. Rosenberg-Thorn über Faust und Kohelet, Dr. med. A. Sittner über Moses Mendelssohn und Dr. H i l d e s h e i m er über Sir Moses Montefiore, in Frankfurt a. M. Rabbiner Dr. Munk-Marburg über die Leni Israel und die schwarzen Juden in Indien, in Wiesbaden Prof. Dr. A. Sulzbach über Religionsdisputationen im Mittelalter und Dr. Unna über R. Meir von Rothenburg, in Straß bürg Rabbiner Dr. Cohn-Basel über Rabbi Akiba. In Rawicz hat sich ein neuer Verein gebildet, der bereits eine ansehnliche Mitgliederzahl aufzuweisen hat. L2Berlin, 20. April. Ein geschichtlich-liturgisches Konzert — das erste dieser Art — veranstaltet am 26. April, Abends 81/2 Uhr, im Konzertsaal der Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstr. 9, Herr Alexander Weinbaum mit einem eigens hierzu zusammengestellten großen Chore. Es gelangen neben anderem 3- bis 8 stimmige Chöre und Soli von dem frühesten historisch nachweisbaren Synagogalkomponisten Salomo di Roffi (lebte um 1600) zur Vorführung, und zwar, wenigstens in Deutschland, zum ersten Mal. Der Kartenverkauf findet bei Bote & Bock, Leipzigerstraße, und an der Abendkasse statt. Das Unternehmen ist ein so eigenartiges, daß es einer Empfehlung für dieses sicher sehr interessante Konzert wohl kaum noch bedarf. §2 Berlin, 19. April. Der Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen in Deutschland feierte am 20. März an seinem Hauptsitze Berlin das erste Stiftungsfest unter reger Betheiligung fast sämmtlicher Mitglieder sowie Freunden, Förderern und Wohlthätern des Vereins im City-Hotel, Dresdenerstr. 52. Nachdem der Vorsitzende, Herr Willy Oppmheimer, die zahlreiche Festversammlung begrüßt hatte, sprach das . Mitglied Fräulein Nathe den Festprolog. Hierauf hielt Herr Direktor' Reich aus der israelitischen Täubstummen-Anstalt zu Weißensee schwungvolle Festrede, welche allseitig mit besonderer Begeisterung ausgenommen wurde. Demselben wurde alsdann für seine, dem Verein erwiesenen Dienste vom Vorstand ein kaligraphisch ausgeführtes Diplom als Ehrenmitglied überreicht. Zum weiteren Vergnügen folgten die Pantomimen: „Die überraschten Liebespaare" und „Die gestörte Arbeit", die außerordentlich gut durchgeführt wurden und großen Beifall fanden. Frl. M. Wronsky verschönerte das Fest durch ihre wundervoll vorgetragenen Gesangspiecen. Während der Kaffeepause wurde des hundertjährigen Geburtstages weiland Kaiser Wilhelms I. in gebührender Weise gedacht, worin Fräulein Braun als Germania ein patriotisches Gedicht vortrug. Gleichzeitig brachte der Vorsitzende ein Hoch auf Kaiser Wilhelm II. aus. Verschiedene befreundete Vereine sandten Deputationen, welche die freundschaftlichen Glückwünsche überbrachten. Im Nebenfaale war zur Belustigung ein Vergnügungspark a la Gewerbe - Ausstellung 1886, dessen Reinertrag zum Baufonds eines Heims für altersschwache, arbeitsunfähige israelitische Taubstumme bestimmt war, angelegt. Mit darauf folgendem Tanze schloß das schöne Fest und hielt den großen Theil der Anwesenden bis zum frühen Morgen beisammen. - X Bromberg, 11. April. Herrn L. Fink, der kürzlich nach Gnesen verzog, wurden an seinem früheren Wohnort Pleschen, wo er jahrelang Stadtrath war, bei seinem Scheiden große Ehrungen zu Theil. Fink wurde zum Stadtältesten ernannt, der Magistrat und die Stadtverordneten überreichten ihm eine prachtvolle Adresse, sowie ein Album mit den Photographien der Stadtvertretung. — In Allenstein wurde ein Einbruch in die Synagoge verübt. Der Dieb hatte auf der Hofseite zwei Scheiben eingeschlagen, war eingestiegen und hatte chie Opferbüchse erbrochen. Doch war seine Beute nur gering, da sie nur 1,20 Mark betrug; die silbernen Leuchter hatte er stehen lassen. Man glaubt, dem Diebe auf der Spur zu sein. 0. Kattolvih, 16. April. Am 4. d. Mts. feierte Herr A. N. Weißmann, I. Lehrer der hiesigen hebräischen Privatanstalt, mit seiner Gattin das Fest der Silberhochzeit. Bei dieser Gelegenheit zeigte es sich, wie angesehen Herr Weißmann bei den hiesigen Gemeindemitgliedern und wie beliebt' derselbe bei seinen Schülern und Schülerinnen ist. Schon am 3. d. Mts. kamen zahlreiche Gratulanten, um das Jubelpaar zu beglückwünschen. Am eigentlichen Festtage versammelte sich eine größere Zahl der Zöglinge der Religionsschule, geführt von dem Herrn Lehrer Willner in Begleitung des Rabbiners Dr. Cohn und des Oberkantors Oswald, im Hause des Jubelpaares. Die Knaben stimmten das Lied -„Der Herr ist mein Hirte" an, worauf zwei Mädchen Gedichte vortrugen. Rabbiner Dr. Cohn hielt sodann eine Ansprache im Namen des Kuratoriums der Anstalt und überbrachte dem Jubilar die Glückwünsche der obengenannten Anstalt. Herr Weißmann dankte in bewegten Worten für die ihm dargebrachte Ovation; insbesondere danke er dem Herrn Rabbiner für die aufopfernde Hingebung, die dieser für die Anstalt entfalte. Zahlreiche und kostbare Geschenke wie auch Blumenspenden wurden als Zeichen der Verehrung dem Jubelpaare dargebracht. Möge es demselben vergönnt sein, auch die goldene Hochzeit in gleicher Rüstigkeit zu feiern. X Wreschen, 20. April. Das Bestreben der Gegenwart, auf jüdisch-litterarischem Gebiete thätig zu sein, hat auch in der hiesigen Gemeinde im letzten Winter freudigen Anklang gefunden. Aus diesem Bestreben heraus gründete sich ein Verein, „Eintracht" genannt, welcher neben der Pflege der Geselligkeit es sich zur Aufgabe gestellt

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