Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1888)
- Date
- 1888-10-04
- Page
- Seite 639 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227717-3227758--45660-3265186- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sprach über das Thema: „Der systematische Religionsunterricht in der jüdischen Elementarschule," und zeigte in seinem wohldurchdachten Vortrage Wärme und Liebe für die Sache. Nachdem der Vorsitzende auch diesem Referenten den Dank der Conferenz ausgesprochen hatte, wurde die Debatte über die Arbeit und die aufgestellten Thesen eröffnet. — Schweitzer-Papenburg meinte, die von dem Referenten entworfenen Ideen paßten mehr für eine christliche Schule, in welcher es sich um rein dogmatischen Religionsunterricht handelt; wir dagegen hätten die Kinder vor allem und zuerst mit dem Ceremonialgesetz bekannt zu machen, z. B. über Zizis und Tragen am Sabbath rc. Meyer-Bentheim schließt sich im ganzen diesen Ausführungen an. Fink-Aurich ist insofern Gegner des systematischen Religionsunterrichts, als er meint, es sei Hauptaufgabe des Lehrers, den Schülern ein „Capital von Bibelsprüchen" mitzugeben, an welche die Lehren und Pflichten der Religion zu knüpfen seien. Demgemäß verwarf er den Gebrauch eines Leitfadens. — Gegenüber diesen Ansichten war die Majorität der Meinung, daß gerade der Religionsunterricht am allerwenigsten der systematischen Darstellung entbehren könne, wenn der Schüler auch im späteren Leben eine gewisse Summe religiösen Wissens besitzen soll. Bibelsprüche würden ja auch von den Leitfäden dargeboten, sie seien aber nur als Unterstützung des religiösen Gedankens zu verwerthen, während die an dieselben blos angeknüpften Betrachtungen des Lehrers leicht in Vergessenheit gerathen würden. Der Leitfaden diene dem Kinde außerdem zur Repetition. Diesen Ansichten lieh auch besonders Herr Landrabbiner vr. Buchholz beredten Ausdruck. Es wurde schließlich von der Conferenz folgende These angenommen: Der systematische Religionsunterricht ist auf der Oberstufe der Elementarschule unentbehrlich. Daneben soll jedoch der anknüpfende in Anwendung kommen. Auf der Unter- und Mittelstufe wird der Religionsunterricht an biblische Geschichte und Gebetbuch angeknüpt. Es folgte nun das Referat des Herrn Israel-Norden: „Eine Betrachtung über unseren Hauptverein." Veranlassung zu demselben gab die Conferenz in Hameln, welche zu dem Antrag Wolff-Aurich, betreffend Gründung eines deutschisraelitischen Lehrerbundes Stellung zu nehmen hatte. Sie wies auf die Schwierigkeiten hin, die bei Gründung und Fortbestand eines solchen Bundes entgegenstehen und gab als Beispiel für die Richtigkeit dieser Ansicht laut Protokoll auch den schwachen Besuch der Hauptconferenz an. „Betheiligen sich doch von den Lehrern des Landesrabbinats Emden schon seit Jahren nur hin und wieder einer oder zwei." Zur Abwehr dieses Angriffes diente die Betrachtung Israels, welcher in offener und schlagfertiger Weise den schwachen Besuch der Hauptconferenz nach anderen Gesichtspunkten begründete, die theilweise auch Veranlassung zur Gründung unseres blühenden „Zweigvereins" gaben, auf dessen Conferenzen bisher beispielsweise alljährlich ebenso viele College» anwesend waren, wie am 21. Mai in Hameln. — (Da der Herr Referent mittheilte, seine sehr zeitgemäße Arbeit, in welcher mancherlei Schäden bloßgelegt werden, durch den Druck weiteren Kreisen zur Prüfung und Beachtung zugänglich zu machen, so unterbleibt ein weiterer Auszug aus derselben in diesem Protocoll.) Erwähnt sei aber folgende These, welche von der Conferenz einstimmig angenommen wurde: „Die Conferenz befürwortet dringend den Beitritt der Lehrer der Provinz Hannover zur „Unterstützungscasse für die jüdischen Lehrer deren Wittwen und Waisen in Hannover," spricht aber auch den Wunsch aus, daß alljährlich eine Generalversammlung der Cassenmitglieder stattfände, in welcher ein Rechenschaftsbericht vorzulegeu sein würde. Die Versammlung ist der Meinung, daß diese neue, eine Aenderung der Statuten voraussetzende Einrichtung auch einen zahlreichen Besuch der Lehrerconferenz in Hannover herbeisühren müsse." Um 123/4 Uhr wurde die Bormittagssitzung geschlossen. Bei dem nun folgenden gemeinsamen Mittagsmahl brachte der Vorsitzende den ersten Toast auf Se. Majestät unfern Kaiser aus, worauf noch verschiedene andere Toaste folgten. — Um zwei Uhr wurden die Verhandlungen fortgesetzt. Es erfolgte zunächst Vorstandswahl, welche eine Wiederwahl des bisherigen ergab, nämlich als Vorsitzender Levy-Norden, als dessen Stellvertreter de Bries-Weener und als Schriftführer der Unterzeichnete. Nachdem nun Norden als Ort unserer nächstjährigen Conferenz und der 10. und 11 September als Tage für dieselbe bestimmt worden, erstattete der Herr Landrabbiner einen kurzen Bericht über den „Verein zur Erziehung und Unterbringung armer verwaister Kinder im Landrabbinate Emden," für welchen der Herr Referent nunmehr 627,46 M. zinstragend angelegt hat. — Mögen auch im neuen Jahre recht viele Gönner für den Verein gewonnen werden! — Die „freien Besprechungen" hielten die Mitglieder noch bis gegen 3]/a Uhr beisammen. Alsdann richtete der Vorsitzende Worte des Dankes an den Herrn Landrabbiner, welcher der Conferenz vom Anfang bis zum Schluffe thätig beigewohnt hatte, und paffende Schlußworte an die Versammlung. Diese dankte durch Erheben von den Sitzen dem Vorsitzenden für seine unparteiische Führung und umsichtige Leitung der Verhandlungen, von welchen wir mit demselben hoffen wollen, daß sie „jedem Einzelnen von uns eine vielseitige und nachhaltige Anregung gewähren und die Aufgabe unseres hehren Berufes fördern mögen." H. Meyer, Schriftführer.