Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1888)
- Date
- 1888-06-07
- Page
- Seite 367 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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367 Correspon-en;. Trier, 25. Mai. Lehrerversammlung. Die diesjährige Hauptversammlung des Vereins israelitischer Lehrer Südwestdeutschlands fand am 20. und 21. Mai in Trier statt. Um 2 Uhr Nachmittags eröffuete der Vorsitzende Herr jEpPstein-HopPstädten die Verhandlungen indem er die zahlreich erschienenen College», sowie die Herren Dr. Zuckermandel - Trier, und Dr. Goldschmidt - Hoppstädten und den Vorstand und die Repräsentanz der Gemeinde Trier herzlichst begrüßte. Herr E. Rothschild, Vorsitzender des isr. Gemeindevorstandes Trier bewillkommnete die Erschienenen Namens der Gemeinde Trier und drückte seine Theilnahme an den Bestrebungen des Vereins aus, wünschend, daß die Verhandlungen viel Ersprießliches fördern möge. Nachdem auch Herr vr. Zuckermandel-Trier als Delegirter des D. I. Gemeindebundes Berlin die Versammlung begrüßt hatte, schritt man zur Vorstandswahl. Es wurden wiedergewählt die Herren Eppsten-Hoppstädten als 1. und Nußbaum-Trier als 2. Vorsitzender. Der bisherige Cassirer und Schriftführer war am Erscheinen verhindert und es wurde an dessen Stelle Herr Nußbaum-Wittlich gewählt. Der Vorsitzende berichtete über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre und über den Cassabestand und ertheilte Herrn Nußbaum-Wittlich das Wort über dasThema: „Die Ueberbürdung der israelitischen Schüler durch die Religionsschule." Referent führte aus, daß den israelitischen Schülern nach dem Unterrichte in der christlichen Schule gewöhnlich noch ein zweistündiger Unterricht in der Religionsschule ertheilt wird, wodurch den Kindern meistens 8 Stunden täglicher Unterricht aufgeladen wird, und es bleibt ihnen zur Fertigung der Hausaufgaben, zum Spiel und zur Erholung keine Zeit übrig. Es sei eine alte methodische Forderung, daß der wichtigste Lehrgegenstand in den Morgenstunden bei körperlicher und geistiger Frische behandelt werde, die Religionslehre wird aber spät am Nachmittage ertheilt, wo die Schüler ermattet sind und wodurch nur wenig Erfolg erzielt werden kann; im Sommer sind alsdann die Kinder zum Schlaf geneigt, im Winter ist das Schulzimmer sehr oft mangelhaft erleuchtet, wodurch die Augen der Kinder geschädigt werden. Viele Eltern auf dem Lande verlangen von den Kindern, daß sie bei den Haus- und Feldarbeiten mithelfen, durch die Religionsschule bleibt den Kindern aber keine Zeit. Es ist eine gesetzliche Forderung, daß den Kindern zwei freie Nachmittage, sogenannte Spieltage gewährt werden, unsere Religionsschüler haben diese nicht. Die Unterbrechung des Unterrichts vom Sonntag bis zum Mittwoch und umgekehrt — an vielen Orten wird nur an diesen beiden Tagen Religionsunterricht ertheilt —- ist für j diesen wichtigen Lehrgegenstand zu lange, während eines ganzen Tages, wie am Sonntag, nur Religion und Hebräisch zu treiben, ist zu ermüdend, deshalb erscheint es dringend geboten, eine Reduzirung der Lehrstunden eintreten zu lassen und namentlich darauf bedacht zu sein, eine andere als die bisher übliche Zeit zum Religionsunterrichte zu wählen. Es empfehlen sich hierfür besonders die Morgenstunden, an welchen auch in der christlichen Schule Religionsunterricht ertheilt wird. — Nachdem der Vorsitzende dem Referenten für seine Ausführungen in dieser äußerst wichtigen Frage seinen Dank ausgesprochen und die Debatte eröffnet, an der sich besonders die Herren Nußbaum-Trier, Or. Goldschmidt, Baum- Sötern, Rosenberg-Osann und A. betheiligten, wurde folgende These angenommen: „Um eine Ueberbürdung der israelitischen Schüler durch den Unterricht in der Religionsgeschichte zu vermeiden, soll der Religionsunterricht wöchentlich höchstens 14 Lehrstunden für den Lehrer und 6 Lernstunden für jedes Kind umfassen. Wüuschenswerth ist es, daß während der Stunden des christlichen Religionsunterrichts auch jüdischer Religionsunterricht ertheilt werde." Nach einer kleinen Pause nahm Abends 8 Uhr mit dem gemeinsamen Festessen der heitere Theil des Tages seinen Anfang. Morgens 6 Uhr des andern Tages machten die Conferenzmitglieder einen gemeinsamen Ausflug auf Schneidershof, wo Frühkonzert stattfaud, und woselbst man eine herrliche Fernsicht genießt. Um 9 Uhr wurden die Verhandlungen fortgesetzt mit dem wichtigen Punkte: „Was ist int Weiteren zu thun, um die Anstellungsverhältnisse der israelitischen Lehrer der Regierungsbezirke Trier und Coblenz gesetzlich zu regeln". Herr Nußbaum-Trier berichtete von der bisherigen — leider erfolglosen Thätigkeit der hierfür eingesetzten Commission und schlug der Versammlung vor, sich mit einer weiteren Petition an den Cultnsminister zu wenden und diese durch eine Deputation überreichen zu lassen, was einstimmig angenommen wurde. — Einem Anträge des Lehrervereins Emden, alle bestehenden Lehrervereine zu einem „Lehrerbunde" zu vereinigen, wurde nicht beigestimmt, wohl aber als wünschenswerth erachtet, wenn die als gesondert zu erhaltenden Lehrervereine durch Absendung von Delegirten zu einander in Verbindung treten. Der Antrag des Herrn Di-. Zuckermandel: „Jnspection der Religionsschule durch die Rabbiner" rief eine äußerst lebhafte Debatte hervor. Man sprach sich wohl für eine Jnspectiou aus, betonte aber, daß diese nur von pädagogisch gebildeten Männern ausgeübt werde. Schließlich wurde folgender Antrag: „Die heutige Lehrerversammlung spricht sich im Princip für die Jnspection der Religionsschule von seiten der Rabbiner aus", mit dem Zusatze des Herrn Landrabbiner vr. Goldschmidt, „und es ist darum wünschenswerth, daß an den Rabbiner-Seminaren die pädagogischen Studien obliga-