Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1888)
- Date
- 1888-01-05
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 d. h. etwa Lachpilleu, welche der zu früh verstorbene Jose Calvo veröffentlichte und deren Wahlspruch lautete: sabio y loco, de todo rur poco. Derselbe gab gemeinsam mit .dem erwähnten Semo in den Jahren 1857 bis 60 den „El Dragomün" heraus. In Constantinopel erscheint ein rein literarischen Interessen dienendes Blatt, unter dem Titel „El Jsraelita". Hier erwähnt zu werden verdient die 1553 in Ferrara herausgegebene und in reinstem Spanisch abgefaßte Bibelübersetzung." Amerika. Washington, 2. Dec. (Privatmitth.) Es wäre keine richtige Anschauung, wenn man die hier zu Lande jüngst ausgetretenen Versuche, die Einwanderung einzuschränken, dahin erklärte, daß man der Einwanderung überhaupt Einhalt thun wollte. Dies widerspräche nicht bloß der Verfassung, sondern der ganzen Natur unseres Landes und Volkes. Vielmehr ist es der Abscheu vor den Anarchisten und Dynamitverbrechern, welcher die Bewohner der Union auf Mittel denken läßt, diese Horde von sich fern zu halten. Darum die angekündigte Bill, daß jeder Einwanderer ein Zeugniß über Unbescholtenheit von einem amerikanischen Consul vorzeigen soll. Wie unwirksam dieses Mittel sein würde, ist leicht einzusehen. Aus der Geschichte des Paßwesens weiß man, daß gerade die schlimmsten Subjecte sich am ersten solche Documente zu verschaffen wissen. Bei der Unmasse der Einwanderer wäre es auch den Consulen unmöglich die Verantwortlichkeit zu übernehmen, und müßten sie ihrerseits zu Zeugnissen der heimathlichen Polizei des Einwanderers greifen. Schwerlich erhält deßhalb dieser Vorschlag die Zustimmung des Congresses. Ein Senator ist nun mit einem anderen Projecte hervorgetreten: das amerikanische Bürgerrecht soll nicht mehr von einem sechsjährigen, sondern von einem zwölfjährigen Aufenthalte in der Union abhängig sein. Auf diese Weise hätte die amerikanische Regierung vier Jahre j länger das Recht, den Einwanderer auszuweisen. Man sieht nicht recht ein, was diese Maßregel gegen die Anarchisten helfen soll. Denn wer sich sechs Jahre dem Auge des Richters entziehen kann, um im Dunkeln das Treiben der Anarchisten zu befördern, vermag dies auch zehn Jahre hindurch. Kurz irgend einen angemessenen Weg hat man noch nicht gefunden, da man eben polizeiliche Maßnahmen gegen Individuen nicht verschärfen will, um nicht den Grundsatz der persönlichen Freiheit ungetreu zu werden. Aber soviel geht aus den gemachten Vorschlägen hervor, daß diese Bewegung nicht gegen die etwaige Concurrenz der Arbeiter, wie dieß in England der Fall ist, gerichtet sind, sondern lediglich auf die Abwehr des anarchistischen Unwesens. Bonn. 1. Januar. (Notizen.) In Florenz verschied vor einigen Tagen Benjamin Consolo, der das Buch Hiob und die Klagelieder Jeremias' ins Italienische übersetzt hat. — Man schreibt aus Freiburg, 16. Dec. An unserer Hochschule veranlaßte dieser Tage vr. Samuel Reckendorf seine Habilitation in der philosophischen Jaeultät. Er wird im künftigen Sommersemestec Vorlesungen über orientalische Sprachen beginnen. — Man schreibt aus Berlin: „Hier wohnte" Moses Mendelssohn: also ist auf einer eisernen Tafel zu lesen, die von dem jetzigen Besitzer pietätvoll an dem von Grund aus neuerbauten Geschöftshause, Spandauer Straße 68, angebracht worden ist. Freilich hat Mendelssohn in diesem Hause nicht gewohnt, aber es bezeichnet doch die Stätte, auf welcher er geweilt hat. — Ans Pieschen wird geschrieben: Der hiesige Rabbiner E. Silberberg ist im Alter von kaum 49 Jahren den I. v. M. gestorben. — Aus Krakau wird gemeldet: vr. Rosenblatt, der Vertheidiger des wegen rituellen Mordes angeklagt gewesenen Ritter'schen Ehepaares, wurde zum ordentlichen Professor der Rechtslehre j an der Krakauer Universität ernannt. I e u i l t e t o n. äus meiner Knabeiyeit. VIII. Das altjüdische Wort: „Danke Gott für das Neble wie für das Gute" hat sich auch an mir bewährt. Jene schwere Trübsal, welche durch vier Jahre meiner Knabenzeit auf mir und meiner ganzen Familie ruhte, hatte doch auch ihre gute Wirkung, eine Wirkung, welche sich während meines ganzen Lebens fühlbar machte. Sie senkte mir früh den Ernst des Lebens ein, ohne doch das Gemüth zu erdrücken; sie entfaltete in mir eine Fülle von Empfindungen und gewährte mir doch zugleich die Kraft, meine Gefühle zu beherrschen. Oft saß ich stundenlang an dem Krankenbett meiner Schwester, lauschend auf jede ihrer Bewegungen, ob sie noch Etwas verlange, und doch dabei eifrig arbeitend, meinen Cornelius Nepos oder in dem Bibelcommentar von Abarbanel studirend,