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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-03-23 · Heft 13 (23.3.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 13 (23.3.1886)
Date
1886-03-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenlhums. Ein miMrtcnschcs Organ sitr alles siidischc Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. [ Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnej ment in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch denBuchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Lu-wig Philippson in Bonn. Gspeöition: Leipzig, Woßpkah 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dt. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Derlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 50. Jahrgang. Leipzig, den 23. Marz 1886. Nr. 13. Inhalt. Leitende Artikel: Die Stellung Moses Mendelssohn's im und zum Judenthume. — Der Sieg des Rechtes. — Gegen die Antisemiten im österreichischen Abgeordnetenhause. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Stuttgart, Frankfurt a. M., Nürnberg.— Oesterreich-Ungarn: Wien, Aus Galizien. — Rumänien: Bukarest.— Rußland: Turek, Kiew. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Wir plaudern ausser Schule, in Scherz und Ernst. Jteitew bi Bonn, 17. März. Die Stellung Moses Mendelssohn's im und zum Judenthume. in. Nach dem Tode Lessings schrieb Mendelssohn an dessen öruder: „Wir können sagen: Lessing schrieb den Nathan nnd starb". Mit demselben Rechte können wir sagen: „Mendelssohn schrieb Jerusalem und starb". Hätte er nur diese Ichrift verfaßt, würde sein Name Anspruch auf Unsterblichkeit haben. „Jerusalem oder über religiöse Macht und Judenthum" (Berlin 1783). Der erste Theil diese ^-Titels erfüllt uns mit Befriedigung. Mendelssohn konnte ihn nur wählen in dem Gedanken an den Ausspruch des Propheten: „Denn von Zion geht die Lehre aus und das Wort Gottes von Jerusalem" (Jes. 2, 3), in dem Bewußtsein, daß er nur vom Standpunkte des Judenthums unbefangen und vor- »rtheilslos den Gegenstand behandeln konnte, den er sich zur Aufgabe genommen. Weniger verständlich ist der Ueberschrift?,weiter Theil: „Ueber religiöse Macht". Er versteht darunter die Auseinandersetzung über das Wirkungsgebiet des Staates und der Religion und über die Machtmittel, welche nach Recht und Vernunft diesen beiden Institutionen der Menschheit für ihre Wirksamkeit zu Gebote stehen. In der That bezeichnet diese Schrift Mendelssohn's den Markstein, den Wendepunkt, die Scheidegrenze zweier Jahrhunderte. Er hat darin die einzelnen Strahlen, die in dem verflossenen Jahrhundert von den besten Geistern ausgegangen, in einen Brennpunkt gesammelt, und dem kommenden Jahrhundert den Weg gezeigt, auf welchem es ringend und kämpfend zu einem großen Ziele zu streben habe. Mit kühner und sicherer Hand zeichnete er den Charakter des Staates und der Religion, die Objecte ihrer Thätigkeit, die Macht, die dem einen und der anderen zugehört, und folgerte daraus, was das wahre Recht für beide sei. Aus dem Boden, den er geebnet, erwuchsen jene Verfassungen, welche die Gleichheit vor dein Gesetze „ohne confessionelle Berücksichtigung" proklamirten, entsproß der Wegfall der weltlichen Gewalt in allen kirchlichen Angelegenheiten, sowie die Beschränkung der Kirchen zucht und ihrer Mittel auf die rein geistige Sphäre und ohne alle bürgerlichen Folgen. Wir brauchen nicht zu sagen, daß das gegenwärtige Jahrhundert redlich nach diesen« Ziele strebte und strebt, daß es einige Etappen auf dieser Straße erreicht hat, aber noch lange nicht bis zum Endziel gelangt ist. Wollen wir aus diesem Ganzen zwei einzelne Momente hervorheben, die Mendelssohn bezweckte, so sind dies: die Befreiung der Juden von allen Ausnahmegesetzen und Beschränkungen und derWegfall des Kirchenbannes.—Was wir hier von „Jerusalem" gesagt, bezieht sich aber wesentlich nur auf den „ersten Abschnitt". Hier ist es eben, wo Mendelssohn mit einer Klarheit, Vernünftigkeit und Folgerichtigkeit über seinen Gegenstand verhandelt, wie sie, so viel auch darüber gesprochen und geschrieben worden, noch heute nicht übertrosfen wurden. Bevor wir uns deßhalb mit dem „zweiten Abschnitt" beschäftigen, der für uns zu unserem Zwecke der wichtigere ist, glauben wir es der Würdigung unseres weisen Denkers

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