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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-14 · Heft 37 (14.9.1869) · p. Seite 737

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 37 (14.9.1869)
Date
1869-09-14
Page
Seite 737 (sequence 5)
Language
German
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737 solcher Nichts übrig, wenn man ihr den nationalen Gehalt nimmt." Jeder Jude, der nicht zu jenen „wirklichen" gehört, ist „daher im wahren Sinne des Wortes confessionslos"; sie „nehmen ihre Zuflucht zu philosophischpantheistischen Anschauungen." Es werden hierbei Spinoza und Moses Mendelssohn als Beispiele aufgeführt. Diese emanzipirten Juden übertragen nun die Negation der Religion auf den Staat und die Gesellschaft: „Wem Gott nicht heilig ist, dem ist auch in der Welt nichts heilig; wer den eigenen Zusammenhang in der Geschichte zerrissen hat, der wird einen solchen auch anderwärts nicht anerkennen." Diesen emanzipirten Juden ist daher zersetzende Kritik das eigentliche Lebenselement; wahre Produktivität ist ihnen versagt, aber sie haben „eine wunderbare Gewandtheit in der Benutzung fremder Ideen und Auffaffungen." Am stärksten sind sie daher in der Publizistik, im Kladderadatschwitz. Aus diesen Eigenschaften coustruirt, sind sie die zerstörenden Feinde der Nationalität und des Christenthums; das einzige Recht, welches sie aufrichtig respectiren, ist das Eigenthum, der Besitz ist ihr Cultus, sie beten das goldene Kalb an. Der Verf. sagt: „Die emancipirten Juden pflegen überall im Leben die Geldfrage herauszufinden, und wie der Gläubige sein Bekenutniß in der mannichfachsten Weise zur äußern Erscheinung gelangen läßt, so suchen Jene jede Gelegenheit wahrzunehmen, um ihren meist ansehnlichen Besitz zur Geltung zu bringen. In ihrer Kleidung, in Wohnungen und Equipagen entfalten sie einen Luxus, wie man ihn in anderen Kreisen selten antrifft; im Theater und in Concerten finden wir die besten Plätze von ihnen belegt; in den Bädern und allen übrigen Vergnügungsörtern pflegen sie die Mehrzahl der Besucher zu bilden. Und alles dies weniger aus Neigung zum Vergnügen und Wohlleben, als in der Absicht, ihren Reichthum vor aller Welt zur Schau zu tragen." Er fährt fort: „Wo der Sinn fortwährend auf das Aeußerliche gerichtet ist, muß das innerliche Leben verkümmern. Die edelsten Empfindungen bleiben ungepflegt. Es kann daher nicht überraschen, wenn die emancipirten Juden weit mehr, als ihre christlichen Mitbürger, an der Politik Geschmack zeigen, in communalen wie in staatlichen Fragen das große Wort führen und bei den Wahlen, bei politischen Demonstrationen, in Stadtverordneten- Versammlungen wie im Magistrate, ja selbst in den Kammern eine auffallende Rolle spielen." „Die geistige Befähigung hierfür ist ihnen nicht abzusprechen; in der Regel besitzen sie eine ausreichende wissenschaftliche Vorbildung, eine scharfe Urtheilskraft und, was ihnen besonders zu Statten kommt, vielfache Uebung im Reden. Um so leichter wird es ihnen, der Tendenz, welche sie verfolgen, Geltung zu verschaffen; Und diese Tendenz ist bei Allen im Wesentlichen dieselbe. Sie wollen — und wenn sie aufrichtig sind, werden sie es selbst eingestehen — sie wollen den Staat nivelliren. Der Unterschied der Stände soll verschwinden, wie der Unterschied der Religion und der Nationalität; die Schule, der Mensch, der Staat sollen cvnfessionslos, nationalitätslos sein; auch die Autorität soll nur bestehen, weil und in so weit sie des Zweckes wegen nothweudig ist; nicht auf eigenem Rechte, sondern aus Uebertragung soll sie beruhen." Als Beispiele führt er nun Jacobh und Lasker an, und übt an diesen eine zersetzende Kritik, die er doch eben als Eigenthum der emanzipirten Juden aufführt. Jndeß beruhigt er seine Leser doch, indem er ihnen sagt, daß die Juden zwar nach der Macht streben, aber sic doch Gott sei Dank nicht erreicht haben und nicht erreichen werden, und endet mit dem Kraftspruch: Den emanzipirten Juden aber, den getauften wie den ungetauften, rufen wir zu: „Werfet Euren alten Glauben nicht von Euch, ohne den andern, den christlichen, mit Ueberzeugnng anzunehmen! Gebet Eure Nationalität nicht auf, ohne wirklich Preußen, wirklich Deutsche zu werden! Bleibet Juden oder werdet wirkliche Christen!" Dies das Skelett der Abhandlung in der Kreuzzeitung. Der Schlußsatz offenbart uns die eigentlichen Wünsche des Verf.: die Juden sollen entweder alte Juden im leiblichen und geistigen Ghetto sein oder Christen werden, und zwar Christen, wie sie sich der Verf. als „wirkliche Christen" vorstellt. Bon beiden weiß er, daß jene der feudal-pietistischen Sekte nicht zu nahe treten würden, von den anderen, daß sie ihr angehören. Da er aber wohl weiß, daß diese Wünsche nicht in Erfüllung gehen, so schmäht er auf die Juden, die sich zu Beidem nicht hergeben wollen, und stimmt ein Loblied der alten Juden an, womit er zu gleicher Zeit die jetzigen Juden anschwärzt und seine Unparteilichkeit erhärtet. Allein man schreibt keine Abhandlung, ohne sich hinlänglich zu verrathen. Dem Verf. ist der eigentliche Dorn im Auge, daß die Juden sich an der Politik betheiligen und Publizistik treiben. Aber gerade dnrch

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