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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-07 · Heft 36 (7.9.1869) · p. Seite 730

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 36 (7.9.1869)
Date
1869-09-07
Page
Seite 730 (sequence 18)
Language
German
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m den Trost, Abends in einer Herberge Schirm und Obdach zu finden," — und dmrn schließlich den jungen Mann aufgefordert, ihm zu folgen, um, einige Stunden in seinem häuslichen Kreise, wo auch noch verschiedene Freunde sein würden, zuzubringen. 2. 3n -er Dachkammer. Hoffmann hat die freundliche Einladung bereitwillig angenommen, — und so verlassen wir denn mit den beiden Männern endlich die Kurfürstenbrücke, um mit ihnen, nachdem eine kurze Strecke der Königsstraße passirt ist, in die Jüdenstraße einzubiegen, woselbst eine jüdische Familie wohnte, welcher der Verfasser der „Morgenstunden" im Vorbeigehen gern noch einen „guten Abend" und eine „frohe Sabbathfeier" wünschen möchte. Es war dies die Familie des, bereits im vorgerückten Greisenalter sich befindenden, Schulmeisters Israel Moses, jenes achtungs- und liebenswürdigen Mannes, der unfern Mendelssohn, als derselbe „ein armer und verlassener Knabe" von Dessau nach Berlin gekommen war, gastfreundlich ausgenommen und ihm freies Quartier, zum.Theil auch freie Beköstigung, so wie endlich noch freien Unterricht in der Mathematik re. gewährt hatte.*) Wir erfahren dies Alles aus dem Munde Mendelssohn's selber; denn dieser sagt's dem Maler, nachdem Beide drei steile Treppen hinaufgestiegen und in das, von Sabbathlichtern freundlich erleuchtete Wohngemach des Schulmeisters eingetreten. Die Familie, gerade bei dem Sabbathmahl vereinigt, ist sehr erfreut über den Besuch des alten lieben Hausfreundes, welcher indessen die Aufforderung der Wirthin, an der Suppe Theil zu nehmen, in delikatester Weise ablehnt, vielmehr nur um die Erlaubniß bittet, dem mitgebrachten jungen Manne die Dachkammer zeigen zu dürfen, in welcher er (Mendelssohn) einst gewohnt und gearbeitet. — Die Magd leuchtet voran, die beiden Männer folgen, — und wir betreten nun mit ihnen den engen und dürftigen Raum in des Hauses oberstem Stockwerke, um zu lauschen auf das, was der große Philosoph, der — ein Licht der Welt — aus diesem Heiligthume hervorgegangen, etwa noch beabsichtigt, seinem neuen Freunde mitzutheilen. — Und wir hören aus dem Munde Mendelssohn's, daß er hier — unter Mangel und Entbehrung — die Manuscripte des Rabbiners Fränkel abgeschrieben, um seinen geistigen Horizont zu erweitern, — hier von seinem Wirth in der Mathematik unterwiesen und zur Erforschung der Wahrheit angeleitet worden, — hier die griechischen und römischen Klassiker studirt, so wie die klassischen Schriftsteller der neuern *) Von diesem Jsr a el Moses <in dessen Haus M. 1746 gekommen wird berichtet, daß er, in großer Durstigkeit lebend, allenthalben verfolgt worden, weil er m der That ein sehr Heller Kopf, aber für die gegebenen Verhältnisse viel zu freimüthig gewesen. Der Ref. Sprachen gelesen,*) u. s. w. u. s. w. Mit seinem eisernen Fleiße habe er jedes Hinderniß überwunden und, wenn der Tag nicht ausgereicht, die Ikacht zur Hülfe genommen, welches dann seine „nächtlichen Schwärmereien" gewesen, durch die ihm aber freilich auch „Krankheit und Nervenschwäche" zugezogen worden. — Den mächtigen Eindruck, den alle diese Mittheilungen auf Hoffmann machen, läßt der Verfasser der Schrift ihn dadurch kund geben, daß er dem Philosophen die Hand darreicht und ihm unter Worten wahrer Begeisterung versichert, wie er diesen Ort als eine heilige Stätte betrachte, als einen Tempel der Tugend, den er nicht verlassen könne ohne das feierliche Gelöbniß „selber tugendhaft zu werden." Mit der Mahnung aber, nichts Anderes als „Vertrauen auf die göttliche Vorsehung" zu geloben, wird er von Mendelssohn hinausgeführt, der ihn dann, nachdem man von der Familie des Schulmeisters Abschied genommen, in seine eigene Behausung bringt, woselbst Familienmitglieder und Freunde schon mit Ungeduld Den erwarteten, der heute so ungewöhnlich lange fortgeblieben. — 3. 3m gebildeten Bickel. Es folgt jetzt das Interessanteste des ganzen Abschnittes; denn wir werden von dem Vers, in jenen kleinen aber auserlesenen Zirkel eingeführt, welcher dazumal sich sehr häufig — des Abends gewöhnlich — um den allgemein hochgeschätzten Philosophen Mendelssohn zu versammeln pflegte. Des Letztern Haus lag in der Spandauerstraße, und Springer läßt es in ganz Berlin das einzige sein, das zu jener Zeit „Fremden und Eingeführten, auch wenn sie nicht eingeladen waren, immer offen gestanden." — Obwohl sich selber und seiner zahlreichen Familie so manche Beschränkung aufzulegen genöthigt, habe Mendelssohn doch stets eine „ausgedehnte Gastfreundschaft" geübt und auch hierin (wie sicherlich in vielen anderen Stücken) die übrigen Gelehrten Berlin's übertroffen, welche — der sehr gut bemittelte Nicolai auch nicht ausgenommen, —- nur ganz selten geladene Gäste bei sich gesehen. — Mit mehreren bewährten culturhistorischen Schriftstellern (z. B. Kühne, Berg, Stahr rc.) stimmt der Verfasser unserer „Skizze" entschieden überein, wenn er eine kurze Schilderung der damaligen socialen Verhältniffe Berlin's mit der Bemerkung schließt, daß — inmitten jener Zustände — die geistreiche Geselligkeit, welche in einigen Judenkreisen herrschte, besonders erfreulich sich ausgezeichnet habe. — An dem Abende, von welchem berichtet wird, ist der Fremdenzirkel im Mendelssohn'schen Hause noch kleiner als gewöhnlich; aber es sind lauter ausgezeichnete Männer und Frauen, die ihn bilden. Wir treffen da vor Allem den *) In den alten Sprachen ist M. bekanntlich durch den Arzt Kisch, in der neuern Literatur durch Dr. A. L. Gump erz unterwiesen worden. Ref.

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