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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-07-20 · Heft 29 (20.7.1869) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 29 (20.7.1869)
Date
1869-07-20
Page
Seite 587 (sequence 19)
Language
German
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587 Erneueter Rothruf. Lange hat das hiesige Comits gezögert, ehe es dem Unterzeichneten zu diesem erneueten Nothruf den Auftrag gegeben. Der Geldzufluß aber hatte zum Erschrecken ab-, die Noth aber noch bedeutend zugenommen, so daß sie wohl erst jetzt ihren Culminationspunkt erreicht hat, auf welchem sie sich noch vier bis sechs Wochen, bis zur bevorstehenden Ernte, erhalten wird. Zu Hunderten lagern die halbverhungernde Schattengestalten auf den Straßen, in den Synagogen und Botheinivraschim mancher Städte und beten zu Gott um rasche Beendigung ihres Elends. In den Schulen sterben die Kinder sammt ihren Mckamdim. In dem Flecken Purwine bei Sch au len brachten Kinder das Messer an Vas Krankenlager der Mutter und baten und jammerten, sie möge ihnen Brod schneiden; sie nahm das Messer aus der Hand der Kinder und — schnitt sich die Kehle ab. Durch das erschrecklichste Elend der Ihrigen zu wildem Wahnsinn getrieben, schlitzte eine Frau in der Kreisstadt Telschen sich den Bauch auf, um den Leuten ad oculos zu demonstriren, daß sie lang nichts gegessen habe. In der Kreisstadt Schaulen lag auf armseligstem Lager eine Großmutter in den letzten Zügen. Sie verschmähete in wahrhaftem Heroismus jeden Bissen, um ihre zahlreichen Kinder und Enkel nicht zu verkürzen. Einen Schatz aber verbarg sie vor aller Welt, um denselben, wie sie sagte, für den Augenblick der höchsten Noth zu verwahren, der ihr noch nicht gekommen schien. Die Familie hatte vordem gute Tage gesehen; man glaubte in der That, die Großmutter habe irgend ein Kleinod aus der Zerüttung, in welche die Familie nach und nach gerathen war, gerettet. Aber was zog man nach ihrem Ableben unter dem Kopfkissen hervor? Ein altes verschimmeltes Stück Schwarzbrot. Edle Menschen! Wo euch dieser Nothruf zu Gesicht kommen möge; ob zu Hause, ob auf Reisen, ob in den Bädern, wohin Ihr Euch, zur Erholung oder zur Kräftigung begeben, sendet und sammelt Gaben für die Verhungernden. — Und Ihr, Bravsten der Braven, Ihr Männer der Preffe! Nehmt Euch noch einmal dieser Unglücklichen — Ihr habt ja jetzt die Zeit dazu - auf das Wärmste an! Für Euch Alle aber wollen wir zu Gott beten, daß Euch niemals, gleich uns, solch ein Elend vors Angesicht treten möge. Memel in Preußen, irn Juli 1868. Im Aufträge des Unterstützungs-Comits's für die Israeliten der benachbarten russischen Grenze. Dr. RÜlff, Schriftführer. Unser Schatzmeister ist, wie bekannt, Herr Julius Hirsch, Firma: I. Hirsch L Co. Erklärung. Unsere Erklärung in Nr. 2V d. Z. hat Di-. Gr ätz im letzten Hefte der Frankelschen Monatsschrift beantwortet. Indem wir alle in unserer ersten Erklärung angeführten Thatsachen aufrecht erhalten, treten wir der Auffassung, welche Herr Grätz betreffs des Instituts als die seinige angiebt, nämlich, daß er das Institut bisher nur für meine Verlagsbuchhandlung gehalten, mit seinen eigenen Worten entgegen. In seinem Vorwort zur zweiten Auflage des 3. Bandes seiner Geschichte sagt Grätz: „Es ist zum ersten Male, daß ein umfangreiches Werk über jüdische Geschichte, das in 3000 Exemplaren ausgegeben wurde, in kaum sechs Jahren eine zweite Auslage erfordert. Eigentlich sollte der Verfaffer am wenigsten diese Thatsache constatiren, weil es aus seinem Munde wie Selbstlob klingt. Allein ich bin weit entfernt von der Eitelkeit, diesen überraschenden Erfolg dem Werthe meines Buches zu vindiziren, erkenne vielmehr gerne an, daß der Verdienst dem seit sieben Jahren bestehenden „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" gebührt. Dieses allein hat eine innigere Theilnahme unsrer Stammgenoffen und der gebildeten Welt innerhalb und außerhalb Deutschlands an der glorreichen und wunderbaren Geschichte der Juden geweckt und den Leserkreis für das Schriftthum jüdischen Interesses von Hunderten zu Tausenden erweitert." — Freilich schrieb Herr Grätz dies den 26. September 1862 und man weiß, wie oft dieser Geschichtsschreiber seine Meinungen wechselt, wenigstens andere Ansichten ausspricht. Bonn, 9. Juli 1869. Di\ 8. Ph. Memel, 2. Juni 1869. IO. Verzeichn»« der Gaben, welche vom 18. Mai bis zum 14. Juni hier eingelaufen sind: H. Landsberg, Punitz 1 Thlr.; S. Hamburgen, Sohrau (Sammlung) 4 Thlr.; Dr. N. Adler, Oberlandesrabbiner vom Board of Deputies, London 686 Thlr. 20 Sgr.; das Augsburger Unterstiitzungs-Comit6, Vorsitzender Rabbiner Dr. Hirschfeldt sendet 371 Thlr. 24 Sgr.; durch das Comitä zu Crefeld 114 Thlr. 6 Pf.; Albert Cohn von der Familie Rothschild abermals 3600 Frcs.; die New-Iorker Handelszeitung- Association sendet durch ihren Nedacteur und Leiter, Director M. Meyer 1683 Thlr. 15 Sgr.; H. Behrendt, Camin, infolge Aufrufs des Grasen Wartensleben abermals 15 Thlr.; Ungen., Wangerin 1 Thlr.; Ungen., Gollup 5 Thlr. 10 Sgr.; Bon der Expedition des Mannheimer Journals 120 Thlr. 5 Sgr. 6 Pf; B. H. Feustmann sendet von der Gem. Kenesetb-Jsrael, Philadelphia310 Thlr.; A. E. Wassermann, Bamberg (Samml. aus einer Hochzeit) 27 Thlr. 14 Sgr.; durch Rabbiner Dr. Joel, Breslau 320 Thlr.; durch Simon Mosbacher, Mosbach 230 Thlr.; durch Rabb. Dr. Klein. Groß-Glogau 4 Thlr. 15 Sgr.; Elias Hirschberger, Mühlheim (Synagogenspenden) 11 Thlr. 26 tz-.gr. 6 Pf.; M. Pulvermacher, Lehrer, Templin (Sammlung von Gemeindemitgliedern und Schulkindern- 11

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