Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1869)
- Date
- 1869-06-22
- Page
- Seite 503 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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50B „Die Juden dort sind zahlreich, und die Töchter Israels, ebenso die von Tetuan wie die von Tanger, haben in ihrer Schönheit keine Rivalinnen; ihre Augen und ihre Füße sind bewundernswerth, ihre Tracht voll Originalität." Uebrigens sagt Hr. Germond de Lavigne in seinem schon erwähnten Buche über Gibraltar: „Die verschiedenen Culte sind vollkommen frei, dies ist wieder ein Punkt des Contrastes mit dem intoleranten Spanien; man zählt doch zwei katholische Kirchen, aber sehr verschieden von den kostspieligen Tempeln des frommen Spaniens; eine Synagoge und zwei protestantische Kapellen; eine dieser wurde im Jahre 1832 im maurischen Style erbaut. Es finden sich auch, natürlich auf dem Berge und auf sandigem Boden, drei Friedhöfe für die verschiedenen Religionen. Ebenso sind auch in dem Hospital, welches von dem General Don eingerichtet ist, die Sääle nach den drei Glaubensbekenntnissen eingetheilt!" Sollte dieses letztere großmüthige Beispiel, welches England in einem Winkel eroberten Landes, auf der Spitze Europas gegeben, nicht in allen Ländern, wo die Freiheit der Bekenntnisse verkündet wird, nachgeahmt werden? Hoffen wir es, angesichts der sozialen Bewegung, welche selbst das fanatische und intolerante Spanien erreicht hat. Jules Lan, Advokat. Kleine Mittheilungen. Die diesjährige Kunstausstellung in Paris enthält wieder viele Erzeugniße jüdischer Künstler. Unter den Malern befinden sich vier Levy's. Emile Levy führt seine Serie von Idyllen durch zwei Piecen fort. Levy-Leopold Heine bringt eine ausgezeichnete Composition: Ein gefangener Hebräer auf den Trümmern von Jerusalem, Harry-Michel Levy ein Portrait und „nach dem Frühstück." Leopold Levy „Roger befreit Angelika" nach Ariost. Brandon: „Das Ausheben desSepher's" im Tempel der me Lamartine. Unter den gut zusammengesetzten Gruppen sind einige Personen leicht zu erkennen. Ferner: Unterricht zweier Choristen mit der Umschrift Schema Israel. Fischel, einer der besten Maler, „der Narr, der die Weisheit verkauft" und „vor dem Blutbade." Alexander Hirsch „das Opfer Abrahams." Eduard Moyse „eine Beschneidung" und „Rabbi Aknun." Laemlein: Portrait des Herrn Crehange und „die Hoffnung." Ulmann: „Ein Portrait" und „Ariane." Netter: „Ein Stierkampf in einer wilden Landschaft." Jules Worms: „Willkommener Bote" und „frühreifes Talent." Auch eine vielversprechende Künstlerin Fräulein Johanne Sanson hat „eine Spinnerin" ausgestellt. Axenfeld mit zwei Portraits, Fraenkel „der Roman und die Rose", Hirsch ein weibliches Portrait. Alfred Meyer „die Blumen", der holländische Maler Israel mit zwei kleinen Gemälden. Man wird mit Vergnügen erkennen, daß die Malerei in der jüdischen Jugend immer zahlreichere Vertretung findet. Unter den Kupferstichen zeichnen sich die Werke von Gustav Levy und Ballin aus. Zeichnungen, Aquarellen haben Laemlein und Worms und Madam Nalhaniel von Rothschild geliefert, die letztere treffliche Ansichten aus Italien und Holland. Nur ein Bildhauer jüdischer Religion hat zwei ausgezeichnete Büsten ausgestellt, Adam Salomon: Bixio und Serres. Man schreibt der „N. fr. Pr.": „Im Wallner- Theater zu Berlin kam am 2. Juni „Onkel Moses", Charakterbild in einem Acte, von Hugo Müller, zur ersten Ausführung. Moses Mendelssohn, der Freund Lessing's, der unermüdete Kämpfer gegen die Orthodoxie des Glaubenszwanges, in der philosophischen Literatur des 18. Jahrhunderts geachtet dastehend durch sein Werk über die Unsterblichkeit der Seele, ist der humane Mittelpunkt einer einfachen, aber durch die confesstonellen Gegensätze des Christenzum Judenthume spannenden und daher sehr dramatischen Handlung. Der „Philosoph" tritt nicht hinreichend in den Vordergrund; die Gundsätze, welche er dem fanatischen wie dem wucherischen Judenthume gegenüber vertritt, sind rein humaner, in der Moral wurzelnder Natur, und es könnte sie jeder andere, edel denkende und rein empfindende Mensch, sei er Christ oder Jude, aussprechen. Der -.Dichter hat die Figur des Philosophen mehr, als es vielleicht die geschichtliche Wahrheit gestattete, „idealisirt" und ihm eine „Schwärmerei der Humanität" gegeben, welche dem sentimentalen Zwecken dieses Dramolets sehr zu statten kommt, aber eigentlich mit der Charakter-Eigenthümlichkeit eines so abstracten Denkers nichts Gemeinsames hat. Abgesehen von diesem kaum zu vermeidenden Umstande, ist dieses Lebensbild mit ergreifender Spannung geschrieben." (Worauf eine Epigonenzeit nicht alles kommt!) In Wien mehren sich die Uebertritte zum Judenthume von Tag zu Tag. So theilt die dort erscheinende „Morgenpost" vom 10. Juni Folgendes mit. Der bei dem Fabrikanten S. in Rudolfsheim als Buchhalter angestellte 26 jährige Ignaz St. pflegte durch längere Zeit mit der schönen, kaum 18 jährigen Tochter eines in der Mariahilferstraße wohnhaften Seidenwaarenfabrikanten und Besitzers von vier Häusern ein ernstes Verhältniß und beabsichtigte, das Mädchen, falls es zum Judenthume übertreten wolle, zu heirathen. Dein widersetzten sich jedoch die Ellern des Mädchens und wollten von dieser Verbindung nichts wissen. Vor mehreren Wochen erkrankte plötzlich die Mutter und legte sterbend die Hände der jungen Leute ineinander. Der Fabrikant wollte später dem Wunsche seiner verstorbenen Gattin nicht entgegentreten und gab nun ebenfalls seine Einwilligung. Die Tochter ist bereits durch den hiesigen israelitischen Prediger Doktor Jellinek in den Schooß des Judentums ausgenommen worden und künftigen