Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1869)
- Date
- 1869-04-20
- Page
- Seite 308 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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B08 Eine kuriose Seite ist es noch, daß die Mohl'schen und Wagner'schen Angriffe, da sie nicht die Religion, sondern den Stamm der Juden zu ihrem Zielpunkte machten, die wirklichen Juden und die getauften nicht unterschieden, und nun die letzteren zur Vertheidignug ihrer Stammesgenoffen aufriefen. Man ist gewohnt, seit ältester Zeit gewohnt, die abtrünnigen Juden auf Seiten der Gegner zu sehen, und nicht wenige der gehässigsten Beschuldigungen gegen die Juden haben ihren Ursprung in getauften Juden gehabt. Dies Mal ist es anders. Da erscheint eine Broschüre gegen Mohl von „einem getauften Juden" (Berlin, Adolf & Comp.), und eine gegen Wagner von dem alten Schüler Saphirs E. M. Oettinger «Dresden, Wolf). Wir haben sie jedoch beide nicht gelesen, können überhaupt nicht darauf Anspruch machen, alle Glieder dieser Polemik kennen zu lernen und die Revue passiren zu lassen. Eine andere Broschüre jedoch von einem jüdischen Autor ist uns zur Hand: „Das Judenthum und Richard Wagner von Edmund Friedemann." (Berlin, W. Adolf & Comp.) Der Verf. erklärt sich für einen enthusiastischen Anhänger der Musik Wagner's, der ihm bis jetzt „das Ideal" gewesen, und der deshalb sich auch durch die verworrenen und paradoxen ästhetischen Schriften W.'s durchgearbeitet hat. Wir gönnen ihm vollständig dieses Glück, aber bedauern ihn, daß er sein Ideal nun so von eigener Hand von Keulenschlägen zertrümmert sieht. Er giebt auch dem Herrn Wagner die üblen Eigenschaften der Juden Preis, und führt nur das eine Argument gegen ihn in das Feld, daß die Christen die Juden dazu gemacht hätten. Wir bedauern den Verf. nochmals, daß er aus eigener Erfahrung nichts Befferes zu sagen weiß. Vor Allem lehnt er sich gegen den Vorwurf W.'s auf, daß die Juden keinen Styl hätten. Gerade Mendelssohn Bartholdy hätte den eigenthümlichsten Styl in der Musik und Moses Mendelssohn, Börne und Heine hätten einen Styl gehabt, der sich mit jedem christlichen meffen könnte. Wenn der Verf. sich einmal hierauf einließ, so hätte er doch etwas mehr sagen sollen, und wenn W. den Juden die Fähigkeit zum Sprechen absprach, konnte er doch auch Redner wie Crsmieux, Rießer u. A. aufführen. Eigenthümlich ist es, daß in diesem Streite W. gegenüber, ter den Juden auch die Fähigkeit, einen antiken Charakder auf der Bühne darzustellen, versagt, noch Niemand der Rachel gedachte, welche der französischen Bühne aus einige Zeit das klassische Drama wieder zurückgab, und „schöpferisch genial" es reproducirte. Nach ihr schwand es wieder in die alten Schatten zurück, sie konnte bis heute nicht wieder ersetzt werden. Doch genug von diesen Einzelheiten. Zur Syno-alversammlung. XI. Zur Uebersicht geben wir, nach dem ausgesprochenen Wunsche einiger Leser, hier eine alphabetische Liste der Gemeinden, welche sich bis jetzt zur Beschickung der Synode gemeldet haben. Aachen, Alzey, Barchfeld, Berlin, Bernburg, Bielefeld, Bischhausen, Blieskastel, Bonn, Braunschweig, Breslau, Camen, Cassel, Oonsistoire de Belgique, Consistoire de Lyon, Coswig, Dessau, Dresden, Einbeck Erfurt, Essen, Glogau, Hamm, Hechingen, Heiligenstadt, Helmershausen, Herlichhausen, Hildesheim, Köthen, Leipzig, St. Lengsfeld, Leobschütz, Liebenau, Mollenfelde, Netra, Neustadt a. d. Haardt, Neuwied, Niedermeisen, Nordhausen, Nürnberg, Offenbach a. d. Glan, Oppeln, Osterode, Peckelsheim, Potsdam, Schwerin (Mecklenburg-, Sontra, Stadtberge, Steinbach, Stendal, Sulzback) (Bayern), Trendelburg und Deisel, Worms. Neuerdings haben sich zur Beschickung der Synode gemeldet die Gemeinden zu Bien ne (Schweiz-, Münden (Hannover), Ortenberg. Frankfurt a. d. Oder, im April. An Protest. Unter der Fluth von Vorträgen mannigfachster Art und verschiedensten Werthes, welche im Laufe dieses Winters in der Metropole Deutschlands gehalten wurden, nahmen die des Unionvereines einen hervorragenden Platz ein. Daselbst ließ sich auch Herr Prediger vr. Sydow (wie der Bericht sagt) vor einer dichtgedrängten, seiner Rede mit Spannung lauschenden Versammlung über den Begriff „Wort Gottes" vernehmen, den er schließlich als die innere Offenbarung von Gott, die geistige Beziehung zu Ihm erfaßt, für welche das im A. u. N. Testamente niedergelegte Gotteswort nichts Anderes als ein von den Propheten und Aposteln im Geiste ihrer Zeit abgelegtes Zeugniß enthalte. Wird hiermit nun der im Judenthum geschehenen Offenbarung