Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1868)
- Date
- 1868-10-13
- Page
- Seite 840 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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duren zum „präsentirt" unter das Gewehr treten. Aber wir sind eben ein Volk von Gegensätzen. Dort bestreitet man den Juden das Heimathsrecht — wie es nicht lange erst im Unghvarer Comitat geschah — und hier schmückt man ihnen zu Ehren die Comitatssäle, dort läßt ein Stuhlrichterlein einen Juden stäupen durch seinen Haiducken, dort läßt er denselben vor ihm unter das Gewehr treten. Lemberg, 29. September. Jn Stanislau wüthete eine große Feuersbrunst, welche auch einige Synagogen verzehrt hat. Donaufürslenthünrer. Bukarest, 3. October. Die „Köln. Zeit." läßt sich telegraphiren: Aus Galacz wird eine neue Judenhetze gemeldet. Die Tumultuanten drangen in die Synagoge ein, wobei ein Zusammenstoß Statt fand; vielfache Verwundungen. Die Ordnung wurde durch die Polizei-Organe wieder hergestellt. Die angebliche Ursache dieser Judenverfolgung war ein kleinlicher Gassenstreit zwischen rumänischen und jüd. Kindern. (Die Zeitungen haben jetzt die Gewohnheit angenommen, jeden Kravall, an welchem Juden betheiligt sind, mit „Judenhetze," „Judenverfolgung" zu bezeichnen, um ihre Mittheilungen um so pikanter zu machen. Da die Polizeiwache im Stande war, die Ordnung wieder herzustellen, kann es sich nur um eine Schlägerei gehandelt haben. Red. d. A. Z. d. I.) Folgendes, an die „N. fr. Pr." gerichtete Schreiben charakterisirt die Zustände in Rumänien: Herr Redakteur! Sie haben wiederholt die schnöde Rohheit, womit in Rumänien, dem Geiste des neunzehnten Jahrhunderts zum Hohne, die Bekenner des mosaischen Glaubens mißhandelt wurden, an einzelnen Fällen gegeißelt. Man hat nichts Besseres gewußt, als abzuleugnen; ich kann Ihnen ein Erlebniß erzählen, das ein neuer Beweis für die Wahrhaftigkeit Ihrer Nachrichten ist. Einen Tag vor dem israelitischen Neujahrsfeste wollte ich ein Schiff der Oesterreichischen Donaudampfschifffahrts-Gesellschaft verlassen, um, den Vorschriften meiner Religion getreu, während der hohen Feiertage nicht zu fahren, sondern bis zu deren Ablaufin Turn-Severin zu verbleiben. Als ich in letzterem Orte landen wollte, prüften die Wachen meine Papiere und fanden zwar diese, aber nicht das in Ordnung, daß, wie daraus erhellte, ich Jude bin. Man verweigerte mir den Aufenthalt auch auf kurze Frist, wenn ich nicht „Garantie" leiste; ich weiß! nicht welcher Art und zu welchem Behufs. Da ich entschlossen war, die Reise wider die religiöse Satzung nicht fortzusetzen, und es eher darauf ankommen lassen wollte, Gewalt über mich heraufzubeschwören, wurde ich wirklich von den Bewaffneten vom Lande zurückgetrieben. Erst als ein höherer Vertreter der Behörde hinzukam, wurde mir für wenige Tage der Aufenthalt in Turn Severin gestattet, aber man nahm — wahrscheinlich zur „Garantie" — meine Habseligkeiten, außer meinen ganz und gar gehörig befundenen Ausweisen. Als ich zur vorher bestimmten Stunde abreisen und mein Eigenthum, wie verabredet, wieder an mich nehmen wollte, waren die betreffenden Herren abwesend, ich versäumte die Gelegenheit des Schiffes und hatte eine Reihe von Unannehmlichkeiten. Alles das verschlägt aber nichts, da ich dagegen so glücklich war, zu erfahren, was Rumänien unter einem der wohlerzogensten deutschen Fürsten geworden, und da ich die Ehre habe, Ihnen mitzutheilen, daß Ihre Mittheilungen über Barbarei in Rumänien wahrheitsgetreu waren. Mit aller Hochachtung Wien, 2. Oct. 1868. Kaufmann Hirsch aus Halberstadt. Spanien. Madrid, im October. In mehreren, bei der jetzt vor sich gegangenen Revolution erflossenen Pronunicamentos, namentlich des Südens, ist auch die freie Ausübung aller Culte und die Trennung der Schule von der Kirche als grundsätzliche Forderungen ausgesprochen worden. Rußland. Warschau, im September. Ein besonderes Augenmerk richtet die russische Regierung auf die Russificirung der Juden in Litthauen. Um dieselbe möglichst zu beschleunigen, sind zahlreiche Stipendien für jüdische