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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-29 · Heft 40 (29.9.1868) · p. Seite 795

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 40 (29.9.1868)
Date
1868-09-29
Page
Seite 795 (sequence 5)
Language
German
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" ' 795 ter solchem Titel und in solchem Blatte empfohlen ahnen, daß ein Betrug dahinter steckt und das Buch statt Jsr. Lieder christliche Lieder und zwar Juden-Bekehrungs-Lieder enthält. So weit geht die industrielle Proselytenmacherei! Doch nein! Verfasser wie Einfiihrer dieser Lieder glauben gewiß nicht, mit ihnen Seelen zu fangen, und es bleibt daher nichts weiter übrig, als eine Geldspekulation vorauszusetzen." Wir haben das in Rede stehende Buch bis jetzt noch nicht gesehen, setzen aber voraus, daß Hr. Rabbiner Rosenthal in vollem Rechte ist. Aber er scheint das Berhältniß einer Redaktion zu den Inseraten eines Blattes und die Natur der Inserate selbst nicht zu kennen. Die Annoncen sind von der Redaction ganz unabhängig und die Anzeige eines Buches unter den Inseraten kann weder verweigert werden, noch ist sie etwas anderes als eine buchhändlerische Anempfehlung. Man kaufe kein Buch, dessen Verfasser man nicht kennt, oder über das man nicht eine Kr itik von kompetenter Seite gelesen. Von Fürth schreibt man uns, daß dort seit sieben Jahren ein Verein zur Unterstützung israelitischer Durchreisender behufs Vermeidung des Bettels bei den Privaten besteht, der aber, weil der letztere doch nicht aufhörte, in Verfall gerathen. Durch Einwirkung des Rabbiners vr. Löwy wurde derselbe wieder aufgefrischt, so daß ihm jetzt jährlich über 7000 Fl. zur Verfügung stehen. — Dieses Resultat ist gewiß an sich recht erfreulich. Dennoch können wir uns des schmerzlichen Gefühls nicht entschlagen, wie große Summen auf diese Weise absorbirt werden, ohne daß damit den wandernden Armen selbst geholfen wird, da das empfangene Geld doch nur wieder auf der Reise aufgezehrt wird, während andere gemeinnützige Werke darunter leiden. Wann wird dieser Krebsschaden der wandernden Bettelei für die jüdischen Gemeinden, dem im Ganzen so erstaunliche Geldkräfte zum Opfer fallen, aufhören oder sich wenigstens mindern! Leider kann man von so ausgiebigen Unterstützungen nur eine Vermehrung desselben erwarten. Man schreibt uns aus Hamburg: Es wird jetzt schon wieder eine Ausgabe von Moses Mendelssohn's Werken veranstaltet, worin jedoch Alles, was er für uns Juden gearbeitet hat, sogar die Psalmenübersetzung, keinen Platz findet. Und doch ist Mendelssohn's Name in v:;f deutschen Literatur fast verschollen, während! er bei uns in Liede und Haß (zum Beisp. in Polen) noch heute lebt. Aber diese Leute glauben sich berechtigt, das was bei uns vorgeht, als eine Comödie zu betrachten. Der Componist Felix M. ist hierbei in der vordersten Reihe: er schämte sich seines Großvaters. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Fürth, im September. (Privatmitth.) Den in Folge des starken Zuzugs und der dadurch bedeutend verstärkten Bevölkerung hiesiger Stadt aufgeführten prachtvollen Neubauten reiht sich unstreitig das neue israel. Waisenhaus, mit welchem eine Hausshnagoge verbunden ist, höchst würdig an. Das Auge des aufmerksamen Beschauers hängt mit Befriedigung an der Schönheit dieses der Stadt zur Zierde gereichenden Baues. Die Synagoge wurde Freitag 11. September, und zwar in ziemlich einfacher Weise eingeweiht, wovon wir nur hervorheben, daß eine zahlreiche Menge Glaubensgenossen zugegen war, und am Samstag Morgen ein Vortrag des Waisenvaters und Lehrers der Anstalt Herrn Dr. Königshöfer stattfand und zwar einen Rückblick auf die Geschichte des Waiscninstituts enthaltend, wovon wir unter Hinweglassung des mehr lokales Interesse Bietenden das Wesentliche, auf die Anstalt Bezügliche wiedergeben. Die Gründung der Anstalt erfolgte im Jahre 1763. Der Stifter, sel. Herr Israel Lichtenstäter, widmete derselben eine Summe von 500 fl., welche Stiftung durch den Wohlthätigkeitssinn würdiger Gemeindeglieder mit 4100 fl. begründet werden konnte. Bei der Gründung zunächst nur für hiesige isr. Waisenknaben bestimmt, dehnte die Administration im Jahre 1845 und zwar in Berücksichtigung, daß zu den Unterhaltungskosten namhafte auswärtige Beiträge flössen, den Wirkungskreis der Anstalt der Art aus, daß die Aufnahme auch auswärtigen, inländischen Waisenknaben zu Theil wurde, jedoch hiesige bevorzugt sein sollten, seit circa 7* Jahr ist nun auch diese letzte Schranke gefallen, indem auf eine bezügliche Eingabe der Administration die kgl. Regierung von Mittclfranken genehmigte, daß für die Zukunft im Interesse der Pari-

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