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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-15 · Heft 38 (15.9.1868) · p. Seite 756

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 38 (15.9.1868)
Date
1868-09-15
Page
Seite 756 (sequence 6)
Language
German
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hiesigen neuen Realschule die Bestätigung versagt, hat er jetzt auch dem Statut derselben die Bestätigung verweigert, weil nach dem Beschlüsse des Stadtrathes Lehrer aller Confessionen sollten angestellt werden dürfen, ohne daß, wie es im Statut heißt, dadurch „der im Wesentlichen evangelische Charakter der neuen Schulanstalt" beeinträchtigt werden sollte. Letzteres verstand man dahin, daß der Religionsunterricht, entsprechend der Confession des größten Theilcs der Bevölkerung, evangelisch sein und den katholischen und jüdischen Schülern anheimgestellt bleiben sollte, anderweit ihren Religionsunterricht zu erhalten. Der Herr Cultus-Minister findet nun aber beide Bestimmungen nicht mit einander verträglich, die eine oder andere unklar, weist darauf hin, daß in den alten Provinzen entweder evangelische oder katholische oder Simultan- Schulen (d. h. mit gleicher Berechtigung des evangelischen und katholischen Bekenntnisses) existirten, daß es ein viertes nicht gebe, daß hiernach zunächst der regelmäßige Charakter der Anstalt festzustellen und dann erst über etwaige Ausnahmen zu verhandeln sei. Bevor daher in dieser Beziehung der Statutentwurf geändert worden, könne derselbe die erbetene Bestätigung nicht finden. Der Bürgerausschuß hat sich darauf, wie die Hess. M.-Zeit. meldet, einstimmig dahin ausgesprochen, daß er eine Unklarheit und einen Widerspruch in der Fassung des Entwurfs nicht zu finden vermöchte, daß er seinerseits aber dagegen nichts einzuweuden habe, wenn, im Falle solche Unklarheit trotzdem höheren Ortes in der unveränderten Form des Statuts gesunden werde, die Worte „unbeschadet des im Wesentlichen evangelischen Charakters der Schule" einfach gestrichen würden. Mit dieser eventuellen Modification wurde das bisherige Statut aufrecht erhalten. Die Hess. M.-Z. erklärt, man werde an diesem Beschlüsse selbst auf die Gefahr hin festhalten, daß die Eröffnung der Realschule dadurch auf Jahre hinausgeschoben werde. (Auf diese Weise werden bald wesentliche Unterrichtsbedürsnisse unerledigt bleiben! Red. d. Allg. Z. d. Judenth.) Ans Thüringen, im September. (Privatmitth.) Was muß sich nicht ein Rabbiner gefallen lassen, der begeistert vom Berufe und von der. treibenden Idee des Judenthums, im Vorwärtsschreiten ein Heil für den Glauben sucht, in Besprechungen und Bersammlungen eine Zukunft fördern will, die für alle gedeihlich ist? Als falsche Propheten werden sie ausgeschrien die Braven, welche ohne Furcht und Zagen der Bornirtheit entgegentreteu und Abhülfe suchen! Allerdings haben diejenigen Recht, welche die Behauptung ausstellen, daß die Reform von selbst kömmt, denn wir sehen ja gerade die Kinder der „Fr um men" von den Verhältnissen fortgetrieben, am ehesten unwillkürlich zum Verlassen der alten Bahnen' schreiten, aber leider oft zu falschen, weil ihnen der innere wahre Halt fehlt, der sie an den alten Glauben kettet. Deshalb ist es eine Nothwendigkeit, daß immerfort Männer dastehen, welche Wacht halten, die inneren Ueberzeugungen über die äußern emporhalten und damit Glauben und Geschichte, Sinn und Werden verknüpfen. Nur die Idee vom geschichtlichen Berufe des Judenthums kann uns im Glauben erhalten, und niemals die äußern Ceremonien — die sich doch jetzt ein Jeder nach seiner Bequemlichkeit zurechtlegt. Wenn nun, voll dieses Gedankens, die tüchtigsten Männer in Cassel tagten, um für die Zukunft des Glaubens zu arbeiten, so können nur Heuchler und Verdreher selbige als falsche Propheten bezeichnen, wenn ihre eigne Mittelmäßigkeit es nicht wagt aus dem Schlendrian herauszutreten, in den sie die Gemeinden nach den Befehlen der ängstlichen Obermeister hineinzwängen möchten, uud weil sie Nichts zu schaffen vermögen, machen sie sich durch Lästern und Schmähen Luft. Da muß man unwillkürlich an den Streit des pietistischen Pastor Göze gegen Lessing denken, wo jener den großen Geisteshelden in seiner Beschränktheit aufforderte: „seine Todesstunde zu bedenken, sich den Weg zur Buße nicht zu verschließen, wegen des Giftes und der Aergernisse, die er in die Welt gebracht," und Lessing ihn auf Luther hinwies, den er am liebsten zum Richter haben möchte und ausrief: „Luther du, großer anerkannter Mann, und von Niemandem mehr verkannt, als von den kurzsichtigen Starrköpfen, die, deine Pantoffeln in der Hand, den von dir gebahnten Weg schreiend aber gleichgültig schlendern! Du hast uns vom Joche der Tradition erlöst, wer erlöst uns von dem unerträglichen des Buchstabens?" Schreiber dieses ist nur Liebhaber der Theologie und kein Theologe. Ich sage mit Lessing: ich habe auf kein bestimmtes System schwören müssen, mich bestimmt nichts, eine andere Sprache zu reden als die meinige, und ich bedaure alle ehrlichen Männer,

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