Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1868)
- Date
- 1868-09-08
- Page
- Seite 734 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mission zu ernennen behufs Revision der rabbinischen Speisegesetze, deren Resultat der nächsten Rabbinerversammlung vorzulegen ist. d. Antrag Geigers. Die in Cassel tagenden Rabbiner erklären: 1) daß sie die Gültigkeit des Proselytenbades für eine, nach Erfüllung aller sonstigen Vorbedingungen in das Judenthum aufzunehmende Proselytin lediglich von der Anwesenheit zweier jüdischer Frauen abhängig machen; 2) die Angabe eines rituell tauglichen l koscheren» Weines im Gegensätze zu andern untauglichen für eine unserer Zeit gänzlich unangemessene. Aufforderung zu einer Gedächtnißfeier am 17. October 1868 als am hundertjährigen Geburtstage des Präsidenten Israel Jacobson. Am 17. October 1768 wurde Israel Jacobson zu Halberstadt geboren, und verstarb am 13. September 1828 zu Berlin. Die Verdienste dieses geist- und gemüthreichen Mannes als Vertreter seiner Glaubensgenossen in der Zeit der Fremdherrschaft, als Präsident des Westphälischen Consistoriums, als Gründer der großen Erziehungsanstalt in Seesen (1801), als Förderer der deutschen Predigt und eines verbesserten Gottesdienstes und als menschenfreundlicher Wohlthäter mit stets offnem Herzen und offner Hand brauchen wir hier nicht zu schildern. Kein jüdischer Geschichtsschreiber geht an dieser ebenso liebenswie verehrungswürdigen Gestalt vorüber, ohne ihr den Zoll der Achtung, das Wort ehrenden Gedenkens zu widmen. Scheint er doch der letzte jener, in den Jahrhunderten des Druckes für die Juden so überaus wichtigen und segensreich wirkenden großen Finanziers gewesen zu sein, welche an den Höfen der Fürsten nicht blos ihre Stellung und ihren Einfluß zu Gunsten ihrer verfolgten Glaubensgenossen verwandten — durch Jacobson wurde z. B. der Leibzoll in mehreren deutschen Staaten aufgehoben — sondern auch, reich an jüdischem Wissen, an allen Erscheinungen im Judenthume den regsten Antheil nahmen und sie mit eignen großen Opfern förderten. Jacobson stiftete die Anstalt zu Seesen mit einem Kapital von 100000 Thalern, was vor 70 Jahren mindestens das Doppelte sagen will wie jetzt. Jacobson sprach selbst sehr gut, hielt in Seesen bisweilen deutsche Predigten und sogar — in Halberstadt! Unter den jüdischen Reichen hat er bis jetzt keinen Nachfolger erhallen. Aber sein Andenken lebt auch noch in dem Herzen des Volkes, soweit dessen Gedenken noch in den Beginn dieses Jahrhunderts hinaufreicht, und es wandeln noch unter uns Männer, welche Zeugniß von der Trefflichkeit dieses auch von den Großen der Erde geehrten Mannes abgeben. Um so näher liegt es, ja um so verpflichteter sind die deutschen Gemeinden, das Andenken Jacobsons zu ehren und seinen am 17. October d. stattfindenden 100jährigen Geburtstag durch eine Säkularfeier zu begehen. Er war einer der Wenigen, welche in einer sehr dürren Zeit, in einer Zeit des Abfalls und der Mißachtung die Fahne des geklärten Judenthums aufpflanzten, und dieser blieb er treu, trotz vieler Täuschungen und bitterer Erfahrungen. Wir glauben, daß die Gemeinden sich selbst ehren, wenn sie diese Feier in ihren Synagogen begehen. Wo dies Hinderniß fände, kann sie auch anderweitig bewerkstelligt werden. Ein alter jüdischer Lehrer, ein Nestor unter seinen Standesgenossen, Herr S. L. Liepmannssohn zu Horn bei Erwitte in Westphalen, hat das Verdienst, zuerst auf diesen Tag und seine Bedeutung aufmerksam gemacht und durch eine kleine Schrift zu dieser Feier aufgefordert zu haben. Derselbe ruft zugleich zu einer Stiftung auf, die als „Israel Jacobsons Ehrengedächtniß" von den Gemeinden gegründet werden sollte. Er schlägt vor, ein Kapital zu sammeln zur Unterstützung armer Lehrer und ihrer Wittwen und Waisen. Gewiß ein höchst beachtenswerter Zweck. Ohne uns vorher davon in Kenntniß zu setzen, legt er diese Stiftung in seinem Schriftchen in unsre Hände. Wir wissen dieses Vertrauen zu ehren, und fände die Stiftung Anklang, so würden wir mit aller Bereitwilligkeit unsre schwachen Kräfte zu Gebote stellen. Aber eine wohlbekannte Erfahrung, die wir bei ähnlicher Gelegenheit vor einigen Jahren zu machen hatten, hält uns ab, die Initiative zu ergreifen, indem wir diese vielmehr solchen Männern überlassen, welche dem verewigten Jacobson unmittelbar nahestanden, und von denen z. B. in Berlin noch sehr namhafte leben.