Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1868)
- Date
- 1868-06-16
- Page
- Seite 500 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Corresponderrz. Die Fregatte Panama wurde hierauf in die marokkanischen Gewässer geschickt; der.Sultan beeilte sich jedoch, der französischen Regierung Genugthuung zugeben, und ließ drei Marokkaner hinrichten, deren eingesalzene Köpfe ihm bereits in einer Kiste zugegangen sind. Serbien. Pest, im Mai. Als in Semlin die Emanzipationsfeier stattfand, bei welcher der Oberrabbiner Herr Leopold Löw predigte, wurde auch der englische Consul -in Serbien eingeladen, war aber abgehalten zu erscheinen. Er richtete hierauf an genannten Oberrabbiner einen schönen Brief, der hier seinen Platz finde. „Werthester Herr! Es ist mir leid, daß meine Consulats-Geschäfte mich verhindert haben, der interessanten Feierlichkeit, die gestern in Semlin stattgehabt, beizuwohnen. Ich bedaure dies um so mehr, als ich weiß, wie viel ich verloren habe und welche große Befriedigung es mir gewährt hätte, Ihr ernstes und edles Plaidoher für die Principien religiöser Duldsamkeit anzuhören. Nach meiner schlichten Ansicht ist die Sache der echten Religion selber — ich meine der Religion des Friedens und des Wohlwollens gegen alle Menschen, im Gegensätze zu der auf weltliches Privilegium oder auf Ausschließung gegründeten — die wesentliche Frage, welche unter verschiedenen Namen und Gestalten gegenwärtig die ganze Welt bewegt. In meiner letzten Depesche an Ihrer Majestät Staatssecretär über die in Serbien herrschende religiöse Intoleranz hob ich hervor, welche Ermuthigung und Unterstützung, um nicht zu sagen Rechtfertigung, sie in den damals noch bestandenen illiberalen Institutionen der angrenzenden östereichischen Staaten gefunden .., Wir werden nunsehen, ob die serbische Regierung jetzt, da sie sich nicht mehr auf die Intoleranz der civilisirteren Länder berufen kann, in ihrer Weigerung, den Ansprüchen des israelitischen Theiles der serbischen Bevölkerung gerecht zu werden, noch weiter beharren werde. Ich verharre, Sir, Ihr gehorsamer Diener I. A. Longworth." Monatsberichte aus Ungarn IX. Neu-Berbaß, Ende Mai 1868. Durch Umstände veranlaßt, den Faden meiner Monatsberichte erst heute, nach einer vierteljährigen Pause, weiter zu spinnen, bin ich in Rücksicht auf de» Raum dieser Blätter bemüßigt, nur die während dieses Zeitraumes vorgefallenen wichtigeren Geschehnisse zu registriren. — l. Wahlen und Ernennungen. Als die Gleichstellung der hierländischen Israeliten gesetzlich festgestellt war, bot sich den Stadtcommunitäten und Comitats-Commissionen Veranlassung, hinsichtlich ihres Verhaltens gegen ihre neuen Mitbürger bei Gelegenheit vorkommender Wahlen zu beweisen, ob sie im Punkte der Liberalität auf der Hohe der Zeit stehen. Nun, wir können mit freudiger Genugthung sagen, daß sehr zahlreiche Städte und Comitate diesen Beweis zu ihren Gunsten lieferten, indem sie Israeliten entweder zu Ehren- oder wirklichen Repräsentanten wählten, und wäre es nicht seitens der Regierung untersagt gewesen, vor Regelung der Municipien Ergänzungswahlen überhaupt vorzunehmen, so würde unzweifelhaft eine bedeutend größere Anzahl Israeliten zu wirklichen Repräsentanten erwählt worden sein. Beispielsweise seien hier die Details einiger besonders erwähnenswerthen Wahlen angeführt. Das Verdienst, den Reigen eröffnet, zu haben, gebührt der k. Freistadt Trencsin (Trentschin), welche wenige Tage nach Botirung der Emancipation statt zweier ausgeschiedenen Magistratsräthe Israeliten u. z. in herzlichster Weise, unter Gratulationen und Ovationen, erwählte. In der Stadt Nyiregyhäza tNjiredjhäsa) wurden auch auf Antrag des hochwürdigen Hrn. Johann B a rtholomaides, gleich nach Bekanntwerdung des Emancipationsgesetzes, 9 dortige Israeliten, darunter auch der Rabbiner, zu Ehrenrepräsentanten gewählt. In der königl. Freistadt Zombor, Hauptort des BLcser (Batscher) Comitas — dem mein Wohnort angehört — gab der Stadtrath seine Freude über die endlich erfolgte Gleichstellung der Israeliten zu Protokoll und erwählte 4 Israeliten, darunter den Rabbiner, zu Ehrenrepräsentanten. Zugleich faßte die Stadtvertretung