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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-04 · Heft 23 (4.6.1867) · p. Seite 460

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 23 (4.6.1867)
Date
1867-06-04
Page
Seite 460 (sequence 12)
Language
German
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460 Nichts destoweniger war er ein warmer Freund Italiens und Polens, und während der letzten fünf Jahre seines Lebens besuchte er zuweilen die Synagoge, welcher er von seiner Jugend an fremd gewesen. Ich glaube, sein wahrer Name war Cohen. Er hat 1000 L. St. dem St. George's Hospital hinterlassen, 1000 L. St. der jüdischen Freischule, und 1000 L. St. verschiedenen Anstalten in Paris, die von der All. isr. univ. geleitet werden. Sir A. v. Rothschild, Bart., ist sein Testamentsvollstrecker, der dieses Amt nur zu Gunsten der Freischule angenommen. Ich werde mich freuen, von dem sicheren Empfang obiger Summen seitens der betreffenden Anstalten zu hören, da Legate nicht in allen Fällen, entweder ganz oder theilweise, in die Hände der Betreffenden kommen. —. Auch in England dringt der Geist der Billigkeit und Duldsamkeit selbst in Institute ein, die bis jetzt sich dagegen gewehrt haben. So hat das Trinity College zu Cambridge einem jüdischen Studenten, Herrn Numa Edward Hartog, ein Stipendium von 80 L. St. jährlich auf fünf Jahre verliehen und ihm die dabei üblichen religiösen Ceremonien in der Capelle erlassen. Nachträge. Nordhauser», 25. Mai. Aus Nordhausen schreibt man der „Kreuzzt.": Als Seltenheit (?) theile ich Ihnen mit, daß sich hier ein jüdischer Kaufmann mit einer zum Judenthum übergetretenen Christin, eines Oekonomen Tochter aus Schafstädt, in der Kürze ehelich verbinden wird. Die Redactton der Kreuzztg. bemerkt dazu: Leider kommen solche Uebertritte jetzt öfter vor; in Berlin sollen allein im vorigen Jahre 11 Christinnen aus gleichem Grunde ihren Glauben verlassen haben. Brody. Ueber den in dieser, zum größten Theil von Juden bewohnten Stadt ausgebrochenen Brand schreibt man: „Nach einem Intervall von acht Jahren (der letzte Brand war am 5. Mai 1859) wurden wir vorgestern neuerdings von einer furchtbaren Feuersbrunst betroffen. Um 5 Uhr Nachmittags des 23. d. brach das Feuer, dessen Ursprung noch unermittelt ist, in einer engen, aus hölzernen Häusern bestehenden Gasse aus, griff bei dem Vorhandensein leicht brennbarer Stoffe und angefacht durch einen scharfgehenden Wind so rasch um sich, daß man kaum wußte, wohin zuerst die Spritzen und Mannschaft zu dirigiren, und bald stand das ganze erste Stadtviertel in hellen Flammen. Das Feuer begnügte sich nicht mit den niederen hölzernen Wohnhäusern der Armen, die es rasch wegfegte, es griff die beiden Synagogen an, von denen die eine nicht unerheblich gelitten. Von da zog sich das Feuer, Alles auf seinem Wege vernichtend, zum großen israelitischen Spital, aus dem die Kranken winselnd krochen, um sich in nahen Gärten zwischen schützendem Gebüsch zu verbergen. Das Spital wurde völlig niedergebrannt, ebenso die herrschaftliche Bierbrauerei nebst den Nebengebäuden. Der Brand griff dann ein großes, der Herrschaft gehöriges Holzlager an, verbreitete sich über die Bauernhütten des Vorwerkes Folwarki, wendete sich mit dem Winde gegen das östliche und südliche Stadtgebiet, griff die Lembergergässe, die Pfarrgasse, und einen Theil des Ringes an und legte so innerhalb 14 bis 15 Stunden 700 Häuser in Asche, machte 4000 Menschen obdachlos und tödete zehn Menschen, von denen Einige ersttckten, Andere verbrannten, denn das Feuer griff so vehement um sich, daß man sich — eine Minute früher ziemlich sicher — nur mit Lebensgefahr durch Flammen und Rauch, welche aus allen Gassen schlugen, flüchten konnte. Der Wirbelwind schleuderte überdies die glühenden Kohlen von den prasselnden und krachenden Dächern, daß es buchstäblich Feuer hagelte! Es war ein entsetzliches Schauspiel, das Herz und Nerven erschütterte!" Jassy, 20. Mai. Der „Presse" schreibt man: Die Unruhe hat in der Stadt in einer Weise überhand genommen, daß bereits das Aergste zn befürchten steht. Gestern Abends beriefen einige Agitatoren eine Volksversammlung, angeblich um zu berathen, auf welche Weise man sich am raschesten der Juden entledigen könnte. Um 10^2 Uhr Nachts zog bereits eine mehrere hundert Köpfe zählende Bande der gemeinsten Volkshefe, Bettler und anderer Strolche, denen man es ansah, daß man ihnen zuvor Muth eingeflößt, un ter wüstem Geschrei durch die Straßen; sämmtliche Kaufläden und Hausthore wurden in allergrößter Eile gesperrt und man machte sich schon auf Scenen der schauderhaftesten Art gefaßt. Sei es daß das Auf pflanzen der inzwischen angelangten Kanonen auf den

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