Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1867)
- Date
- 1867-05-21
- Page
- Seite 421 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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421 tive. Folgender Artikel wird daher nicht ohne Interesse sein. Der „Standard" berichtet: Gestern wurde eine Untersuchung im Hause des Herrn John Humphreh, des Coroners von Middlesex, wegen des Selbstmordes des Herrn Jsaac Stalberg im Alter von 69 Jahren, angestellt. Fräulein Caroline Stalberg sagte, daß der Berstorbene ein Judenmissionär gewesen. Am Mittwoch Morgen sah die Zeugin, wie ihr Vater an einem Seile hing, welches er an einem Nagel in einem Durchgang, der zum Garten führte, befestigt hatte. Er hatte den Nagel in dieser Absicht in die Wand geschlagen. Herr John Hardwick sagte, daß eine Woche vor seinem Tode er eine seiner Töchter fragte, wie man einen Schlingknoten mache, und als sie ihm gezeigt, wie man ihn mache, habe er den ganzen Tag in seinem Zimmer es geübt. Er hatte sechs Kinder, von denen das jüngste acht Jahre alt ist. Bevor er die verhängnißvolle That begangen, ging er die Treppe hinunter und stand einige Zeit vor dem Bilde seiner Frau. Er war ein Deutscher und ist aus der jüdischen Religion ausgeschieden. Herr Hitchcock, von dem St. Paul's-Kirchhof, setzte ihm jährlich 360 L. St. als Missionär für die Juden in London aus. Als jener Mann starb, ging sein Gehalt aus 120 L. St. jährlich herunter, und jene Summe wurde durch Subskription zusammengebracht, und das Comitö der Subskribenten will für die sechs Töchter des Verschiedenen sorgen. Der Todte konnte fünf Sprachen sprechen. Nachdem der Coroner resumirt hatte, gab die Jury ein Berdict auf Selbstmord in einem Zustande des zeitlichen Wahnsinns ab. Die Redaction des Jewish Chronicle fügt Folgendes hinzu: Wird man hiernach noch behaupten wollen, daß der Bekehrungshandel nicht ein einträglicher sei? In welcher englischen jüdischen Gemeinde würde die Kenntniß von fünf Sprachen dem Verstorbenen 3OÜ L. St. jährlich eingebracht haben? Doch kaum war er erleuchtet worden, als ein einziger Mann, in seinem Glaubenseifer, dem Bekehrten jährlich eine Summe ausstellte, welche nur wenige jüdische Hauptgemeinden ihren Beamten von anerkannt hohen Befähigungen bezahlen. Wie natürlich war die Bemerkung eines christlichen Freundes, nachdem er diesen Paragraphen gehört, die er halb in Spaß, halb in Ernst machte: „Wenn Jemand mir 360 L. St. das Jahr gibt, so will ich Jude werden!" Wir wundern uns, was den Missionär zu dieser Handlung trieb! War es Unzufriedenheit mit seinem herabgesunkenen Gehalt oder mit sich selbst, als die Verschlimmerung seines Vertrags eintrat?*) So lange als Bekehrer bereit sind, so hübsche Gehälter den Bekehrten auszusetzen, wird der Verdacht nahe genug liegen, daß die Sorge für den Körper wenigstens ebensoviel mit der Bekehrung zu thun hat, als das Verlangen der Seele. Australien. Neusidney, im März. Die folgende Liste der jüdischen Mitglieder der Kammer und der Magistrate wird die hohe Achtung zeigen, in welcher unsere Glaubensgenossen in den australischen Colonien stehen. — Parlamentsmitglieder, Neu-Süd-Wales: Die Herren S. A. Joseph, Morris Alexander, Samuel Emanuel, Morris Asher, Saul Samuel. Magistratsmitglieder: die Hrn.M. M. Cohen, M. Asher, M. Alexander, Montague Levh. In Van-Diemensland ist, wie wir erfahren, ein Glaubensgenosse im Ministerium — Herr John Davies M. P., Besitzer des Merkurs, Minister für den Landbau. *) Etwa nicht auch über die Mißerfolge seiner Anstrengungen? Red. d. A. Z. d. I. Anzeigen.! Concurs. I In der israel. Cultusgemeinde in Saaz ist der Posten seines Local-Rabbiners zum Wintersemester 1867 zu besetzen. Mit diesem Posten ist ein fixer Gehalt von 1000 fl. nebst freier Wohnung und sonstigen Emolumenten^ insbesondere auch das Recht verbunden, als Religionslehrer am k. k. Saazer Obergymnasium zu fungiren, und die Einkünfte hiefür zu beziehen. Bewerber wollen ihre mit den erforderlichen Nachweisen versehenen Gesuche bis Ende Juli d. I. dem gefertigten Cultusvorsteher übersenden, auf dessen Einladung eine Probepredigt abzuhalten ist. Die Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Saaz in Böhmen, am 1. Mai 1867. Der Cultusvorsteher _S. Wolf. In hiesiger Gemeinde wird zum sofortigen Antritt ein Lehrer, Vorbeter und Schächter gesucht. Meldungen beim Vorstande. Storkow b. Berlin.