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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-01-15 · Heft 3 (15.1.1867) · p. Seite 49

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 3 (15.1.1867)
Date
1867-01-15
Page
Seite 49 (sequence 9)
Language
German
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49 ctttc sich verbunden zur Erweiterung ihrer religiösen Bildung, beweist, daß man zur Zeit die religiös-literarischen Kenntnisse noch nicht als eine Zunftweisheit der Theologen betrachtet, und überhaupt die verderbliche Scheidung zwischen einem Laien- und Priesterthnme in israelitischen Kreisen noch unbekannt gewesen. Wenn jedoch die Jünglinge nicht rabbinische Chrestomathien, sondern die heilige Schrift zum Boden ihrer dilettantischen Studien wählten, so bekundet dies bereits den Einfluß der durch Moses Mendelssohn und seine Schule entstandenen Bibelübersetzung. Schon ganz im Sirome der Neuzeit befindet sich der Verein im Jahre 1812. Die ergangenen vaterländischen Constitutionsedicte hatten die Juden in Baden in israelitische Badenser verwandelt; es sollte aber auch die israelitische Volksmasse dem ertheilten Staatsbürgerthume zureifen; der Klein- und Hausirhandel, jüdischer Jargon und Dialekt, Eigenthümlichkeiten, welche nicht aus der Religion, sondern aus der früheren aufgezwungenen Jsolirung stammten, beseitigt werden. Zu diesem Behnfe wurde von den Gemeinden des Landes ein Centralfond zur Heranbildung jüdischer Handwerker gestiftet. Auch unser Jünglingsverein wurde von diesen Strebungen ergriffen. Bis dahin bethätigte er seine humanen Ziele in vielfachen Armenunterstütznngen. 1812 beschloß er seine Mittel zur Förderung armer Knaben in der Erlernung einer Profession e-zü verwenden. In den Schriftstücken des Vereines wird ein Ringen nach correctem deutschen Ausdrucke bemerkbar; auch genügte nicht mehr das Selbststudium der Bibel, man wählte einen Lehrer in der Person des damals noch jungen Hirsch Traub, welcher später als Stadt- Rabbiner segensreich dahier gewirkt." Aus diesein Jünglingsvereine ging 1815 „der Verein für weibliche Kranke" hervor, der bei Mitwirkung männlicher Vorsteher von edlen Damen auf's segensreichste geleitet wird. Der Redner sagt hier: „Wie der Jünglingsverein auf religiösem Boden enstanden, so' hatte auch der neue Verein in dem religiösen Glauben und Gefühle seine Quelle. An der Spitze der Statuten lese man die Gebote der Milde aus dem 3. B. Moses 25, 35 u. 5 B. Mos. 15, 7—21, welche der Redner die magna Charta der Armen nennt. In der Einleitung zu den Statuten werde der Gedanke entwickelt, daß der Kranke im wahren Sinne des Wortes der bedürftige sei, und dabei auf betreffende Sprüche alter rabbinischer Weisen hingewiesen. Redner beleuchtet hier einen solchen rabbinischen Spruch, welcher Gott' in menschlicher Weise Nackte kleiden, Kranke heilen und Tobten die letzte Ehre erweisen läßt. Es sei schon gesagt worden, daß der Satz: „Gott schuf den Menschen in seinem Bilde" auch in der Umkehrung wahr sei, d. h. der Mensch schaue Gott in seinem Bilde. Der Gottesbcgriff der Völker entspreche stets ihrem eigenen sittlichen Wesen. Die Götter Griechenlands seien kunstsinnig, aber auf niedriger sittlicher Stufe, wie es die Griechen selbst gewesen. Plato habe daher Homer und Hcsiod aus seinem Musterstaate verbannen mögen, weil ihre Götterlehre Unsittlichkeit verbreite. Die Israeliten hingegen, deren Wohlthätigkeitssinn anerkannt ist, schauten die Gottheit als human wirkend. Plato wollte in seinem Jdealstaate kranke Kinder ausstoßeu und Kranke nicht ernähren und pflegen lassen, ein Terrorismus, der in einem israelitischen Geiste nimmer allstauchen konnte. Es sei eine erhebende Wahrnehmung, daß jede, auch die winzigste israelitische Gemeinde und selbst in den Zeiten des schrecklichsten Druckes ihren wohlthätigen Krankenverein hatte." — „In das Leben hineinschauend beleuchtet der Redner mit einem sinnreichen Gleichnisse die Wandelbarkeit äußerer Besitzthümer. Die Spenden, welche dem Vereine an Beiträgen und Legaten gewidmet worden, würden sich jetzt, weirn nicht gespeirdet, dennoch schwerlich in den Händen der Geber oder ihrer Erben noch befunden haben. Aber in der moralischen, ewigen Person, welche der Verein bildet, werden die an sich wandelbaren und vergänglicheil Gaben mit den Gebern zu einer unveräußerlichen, fortdauernden huinanen Wirksamkeit verewigt." Aus Baden, 29. Dezember. Wir haben in vor. Nummer einen Artikel aus Würzburg gebracht. Jetzt wird ähnliches aus Baden berichtet. Der „Nat.-Z." schreibt man: „Sic haben ohne Zweifel im Norden nicht den mindesten Begriff von dem Ton des ultramontanen Guerilla-Wesens in der süddeutschen Journalistik. Abgesehen von konfessionellen Anekdoten über Verfolgung des Katholizismus ist jetzt auch das Judenthum speziell als Jagd-Objekt hervorgeholt worden. Wenn es sich um Zertrümmerung des modernen Lebens handelt, holt sich der Ultramontanismus gern zuerst die Juden, um sich den Appetit zu reizen, etwa wie Kaviar bei einem großen Diner. So sagt ein solches Blatt anläßlich Oesterreichs, daß dasselbe nicht durch 3

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