Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1867)
- Date
- 1867-01-15
- Page
- Seite 48 (sequence 8)
- Language
- German
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48 überreichen uns beehren, war es unsre ursprüngliche Absicht, die Thätigkeit des segenverheißenden Instituts auf die Nachbarländer auszudehnen. Es wurde jedoch der betreffende 8 von den König!. Ministerien beanstandet und wir mußten auf diesen unfern Wunsch verzichten und zu unserm schmerzlichen Bedauern einzelne den Anschluß betreffende, Gesuche und Anfragen aus Hannover, Lippe rc. ablehnend beantworten. „Wir haben indessen Ursache zu der Voraussetzung, daß nunmehr, nach erfolgter Annexion, die Königl. Ministerien unserm eventuellen Gesuche sich nicht mehr verschließen werden, „„die jüdischen Elementarlehrer der annectirten Länder zur Mitgliedschaft unsrer „Unterstützungscasse" zulassen zu dürfen."" „Bevor wir jedoch höchsten Orts in diesem Sinne vorstellig werden, möchten wir erfahren, ob auch Seitens der Lehrer, resp. deren Vertreter in den betreffenden Landestheilen die Theilnahme an unserer Unterstützungscasse allgemein gewünscht wird. Vielleicht sind Ew. in der Lage, uns in dieser Hinsicht aufzuklären, resp. eine Meinungsäußerung der Lehrer Ihres Landes herbeizuführen und erlauben wir uns für diesen Fall die ergebenste Bitte, uns bald mit einer gefälligen Aeußerung hierüber beehren zu wollen. „Wir würden dann, falls unsere Wünsche in diesem Punkte sich begegnen sollten und Seitens der Königl. Ministerien uns die Aussicht ans Genehmigung der erforderlichen Veränderung des Statuts eröffnet würde, den Gegenstand auf die Tagesordnung der im Frühlings oder Sommer k. I. zu berufenden General-Versammlung bringen. Mit der nochmaligen Bitte u. s. w. Der Vorstand der Unterst. -Casse u. s. w. S. Blumenau, Vorsitzender." Es konnten indessen die betreffenden Herren, deren Antworten, soweit sie bis jetzt eingegangen, unserem Vorschläge durchaus günstig lauten, nur ihre subjektive Meinung ausdrücken. Wir richten daher an alle Herren Collegen in den annectirten Ländern das Gesuch, uns in recht zahlreichen und möglichst baldigen Zuschriften mit ihrer Ansicht bekannt machen zu wollen. Können wir zur Zeit auch noch nicht beurtheilen, ob die in einigen Landestheilen z. B. Hannover, für die jüd. Schule und den Cultus bestehenden günstigen Einrichtungen auf diese beschränkt bleiben, oder auf den Gesammtstaat ausgedehnt, oder aber, was leider auch möglich ist, gänzlich in Wegfall kommen werden: so kann dieses doch, unseres Erachtens, für Keinen ein Grund sei, in unserer Frage mit seiner Ansicht zurückzuhalten; vielmehr müssen wir, auch bevor die Verhältnisse sich völlig geklärt haben, mit uns selbst im Klaren sein, um event. zur rechten Zeit das rechte Wort sprechen und die rechten Maßnahmen ergreifen zu können. Noch wollen wir bemerken, daß obgleich unsere „Unterstützungscasse" nach dem Willen der Aufsichtsbehörde statutenmäßig sich nur auf „Elementarlehrer" erstrecken soll, durch diese Bezeichnung „Religionslehrer" keineswegs ausgeschlossen sind, sobald sie vorschriftsmäßig geprüft und vom Staate in ihrem Amte bestätigt sind. Exemplare unserer Statuten stehen auf Verlangen gern zu Diensten und »volle man sich dieserhalb an den Unterzeichneten tvenden. Allen geschätzten Collegen nah und fern unseren brüderlichen Gruß! Namens des Vorstandes des Vereines: S. Blumenau, Vorsitzender. Mannheim, 25. Dez. In diesen Tagen feierte der „Israelitische weibliche Kranken-Unterstützungs-Verein" sein fünfzigjähriges Jubiläum. Der Rabbiner v>. Friedemann hielt eine warme Airsprache, die so vielen Anklang fand, daß das „Mannheimer Journal" einen weitläufigen Auszug brachte. Wir heben einige, die Allgemeinheit betreffende Stellen heraus. „Auf die Geschichte der beiden Vereine eingehend, bemerkt der Redner: wie die Erkenntniß eines Gliedes Aufschluß gibt auf den ganzen Körper, so helfe die Geschichte der Städte, Gemeinden und Vereine das Verständniß der Weltereignisse vollenden; man erkenne den Makrokosinus in den Mikrokosmen; man müsse die Geschichte des großen Ganzen bis in ihre Wirkungen in den kleinsten Kreisen menschlicher Verbindungen verfolgen. Auch in den Entwickelungen der gefeierten Vereine sei eine Spiegelung der gesainmten Erscheinungen der gleichzeitigen Welt wahrzunehmen. Die beiden Institute haben ihre Entstehung in einem in den Jahren 17&5—97 dahier gegründeten „frommen Vereine der Jünglinge." Wie die hebräischen Originalurkunden ergeben, »var die Tendenz des Vereines: Widmung der Mußestunden an den Abenden und ain Sabbathe zum gegenseitigen, gemeinschaftlichen Selbstunterricht in der heiligen Schrift, und Verfolgung humaner Zwecke - daß nur Jünglinge in einem Ber-