Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1864)
- Date
- 1864-09-13
- Page
- Seite 599 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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599 sie nicht. Die Leser sollen glauben, der Redacteur hat dies alles entweder selbst gemacht oder steht mit den Autoren in direkter Berbindung, und diese haben keine Ahnung, daß sie im fernen Westen die Ehre haben — bestohlen zu werden. Da ist ein Blatt „Deborah", das sein Dasein auf diese Weise fristet— und es passiren der Redaction oft wunderliche Dinge. So druckt sie neulichst fast sämmtliche Zeitungsnachrichten aus der Allg. Ztg. d. Judenth., ohne diese zu nennen, ab, unter anderm aber auch aus Paris: „Der Vorsitzende Herr Cremieux hielt eine sehr feurige Ansprache, die wir (!) ihrem größern Theile nach im „Jüdischen Volksblatte" geben." Ist das nicht neckisch, die Redaction der „Deborah" will den größten Theil jener Rede im „Jüdischen Bolksblatte" geben?! — Doch ist dies nur ein Quidproquo für viele. — Man sollte denken, daß diese Scribenten doch einige Dankbarkeit für die deutschen Autoren hegten, von denen sie existiren. Gott bewahre! Wie es noch niemals erbittertere Feinde Deutschlands gegeben, als unter den deutschen Flüchtlingen, die, in ihrer Impotenz, in Deutschland eine Rolle zu spielen, nun auf ihr Vaterland in der brutalsten Weise losziehen und losschimpfen — glücklicherweise weiß und fühlt man in Deutschland nicht das Geringste von diesen furchtbaren Schlägen — so auch einige — ich sage nur „einige" — von den jüdischen Zeitschriftlern in Amerika. Da man in Deutschland von ihnen so gar keine Notiz nimmt, weil sie eben nichts bieten, wovon man Notiz nehmen sollte — so fahren sie mit einer grenzenlosen Wuth auf alle jüdischen Gelehrten und Schriftsteller in Deutschland los, sie nennen sie Heuchler, Dummköpfe, bornirte und geschmacklose Pedanten u. s. w. u. s. w. Nun, da dies allen so ergeht, so wird man sich trösten, noch dazu, da man den Donner dieser kleinen Jupiter nichts hört, ihre Blitze nicht sieht und ihre Stürme nicht fühlt. Cincinnati, im August. (Privatmitth.) Ihr Correspondent aus Baltimore fürchtet die Möglichkeit eines politischen Rückschrittes in den Vereinigten Staaten; weil wir Krieg haben, weil es Mucker gibt, weil eine kriegführende Partei Sklaverei als die Basis der Civilisation betrachtet, weil Gold auf 160 Procent Agio steht, weil Mexiko ein Kaiserreich geworden und endlich, weil ein radicaler Senator die Aufnahme des dreieinigen Gottes in die Constitution befürwortet haben soll. Letzteres muß sehr geheim gehalten worden sein, weil kein Mensch etwas davon wußte und im Congresse selbst kein solcher Antrag gestellt wurde. Die Behauptung, die Sklaverei sei die Basis der Civilisation, ist ja gerade die Ursache dieses Krieges, der also ein kräftiges Phänomen des Fortschrittes, nicht aber ein Zeichen des Rückschrittes ist. Die Staatspapiere sind wie in allen kriegführenden Staaten gesunken. Oesterreichische Staatspapiere z. B. standen 1848 und während des italienischen Krieges schlechter als die unseligen, und während der amerikanischen Revolution 1780 stand selbst in England das Gold mit 42 Proc. Agio. Das Fallen der Staatspapiere ist nicht der Machination der Berräther, sondern ganz der Natur der Sache zuzuschreiben. Es ist zwar nicht zu leugnen, daß die sogenannten radikalen und radicalsten Staatsmänner der puritanischen Muckerrichtung angehören; aber die kennen den Geist des amerikanischen Volkes zu gut, die wagen es nicht, die Gewissensfreiheit beeinträchtigen zu wollen. Unsere 127 Secten sind eine sichere Garantie der Gewissensfreiheit, weil 126 immer den Anmaßungen irgend welcher Secte entgegentreten würden. Es thut mir sehr leid, daß Ihr geschätzter Correspondent dieses freiheitsliebende, gebildete und mächtige Volk, das eine Million freiwilliger Soldaten ins Feld stellt, für eine Idee zu kämpfen, mit dem halbbarbarischen, ohnmächtigen und von Pfaffen geknebelten Mexiko vergleicht. Keine Macht der Erde kann uns eine Regierungsform aufoctrohiren, keine den Freiheitssinn uns rauben. Papiere mögen steigen und fallen, Fanatiker können den Krieg noch auf Jahre verlängern und noch hundert Buß-, Fast-, Bet- und Danktage ausschreiben; aber sie können den Geist dieses Volkes nicht ändern, und der empört sich gegen Gcwissenszwanz, Pfaffenherrschaft und kirchliche Anmaßung. * * * Anzeigen. „Für das israelitische Waisenhaus für Westfalen und Rheinland zu Paderborn wird bis zum 1. October d. I. ein exaininirter befähigter Lehrer gesucht. Fixes Gehalt 200 Thlr. jährliche nebst freier Station im Waisenhause. Anmeldungen und die uöthigen Zeugnisse sende man baldigst an das Cuvatorium."