Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-06-28 · Heft 27 (28.6.1864) · p. Seite 415

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 27 (28.6.1864)
Date
1864-06-28
Page
Seite 415 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226446--22245-3259506
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

415 zu eonstatiren, daß im ganzen deutschen Vaterlande wohl schwerlich noch ein jüdisches Schulhaus gefunden werden dürfte, welches an Größe des Raumes und Großartigkeit der Einrichtung dem „neuen Schulhause" der jüdischen Gemeinde zu Berlin ganz oder auch nur annähernd gleichkäme. — Das 2. Capitel gibt die „Geschichte des Baues" und wie aus dieser hervorgeht, so haben gar große, außerordentlich große Hindernisse und Schwierigkeiten überwunden werden müssen, ehe man zu diesem schönen, Aug' und Herz erfreuenden Resultat hat gelangen können. Die Unzulänglichkeit des alten Schullocals (Rosenstraße No. 12) hatte sich schon zu Anfänge des Jahres 1856 unzweideutig herausgestellt, welchem Bedürfnisse indeß damals durch einen Ausbau auf dem Hofe genügend abgeholfen wurde. Aber schon wenige Jahre darauf machte sich eine durchgreifende Veränderung als gebieterische Forderung geltend, welcher vollständig Rechnung zu tragen von nun an die gemeinsame Aufgabe derjenigen Behörden wurde, denen die Verwaltung der Gemeinde- und Schulangelegenheiten in die Hände gegeben war. — Nachdem das Wesentlichste bei der Sache, nämlich der geeignete Bauplatz, gefunden und festgestellt worden war, dauerten die Verhandlungen mit den verschiedenen Gemeinde-, Stadt- und Staatsbehörden noch volle 10 Monate, ehe der erste Hammerschlag geführt werden konnte. Am 9. September 1861 begann der Bau und anfangs November 1862 war derselbe in allen seinen Theilen vollendet, während die feierliche Einweihung des Hauses erst im Sommer v. I. (am 14. Juni 1863) vor sich ging. Mit diesem Acte — über dessen Verlauf seiner Zeit auch in diesen Blättern kurz berichtet worden — beschäftigt sich nun das ganze 3. Capitel, welches aber dadurch von um so größerem Interesse ist, als es die von dem Schuldirigenten Herrn Rector Horwitz gehaltene Rede vollständig bringt. Besagte Rede ist ein treues Bild von der Geschichte der Entwickelung des Schulwesens in der berliner Jsraeliten-Gemeinde, als der ersten in unserem Vaterlande, und dürfte deswegen von jedem Schulfreunde von ihrem Ansange bis zu ihrem Ende mit Aufmerksamkeit gelesen werden. Redner erinnert zuvörderst an eine Einweihungsfeierlichkeit, die 37a/2 Jahre vorher — nämlich am 29. November 1826 — zur selbigen Stunde stattgefunden und dem Schulhause gegolten, das man soeben verlaffen, um in das nunmehr neuerbaute einzuziehen. Der Einzug in das alte, bisherige Schulgebäude (Rosenstraße 12) sei aber nicht mit dem Tage seiner feierlichen Einweihung sondern schon circa 11 Monate vorher, nämlich am 3. Januar 1826, geschehen und mit letztgenanntem Tage die „Gemeindeschule für Knaben" überhaupt erst eröffnet worden. Die Eröffnung geschah mit drei Claffen und 69 Schülern. — Redner citirt mehrere auf diesen Gegenstand Bezug habende — wie er meint — sämmtlich von Leopold Zunz verfaßte Schriftstücke und zuletzt auch den Schluß des vom Februar 1823 datirten und ebenfalls von Zunz verfaßten „Sendschreibens des Vereins für Cultur und Wissenschaft unter den Juden an die Mitglieder der jüd. Gemeinde zu Berlin", welcher wörtlich also lautet: „Die ersten Gemeinden unseres Vaterlandes müffen ihren Trost und ihren Stolz in guten Schulanstalten suchen. Niemand als die Gemeinde selbst sollte sie errichten und die Kosten tragen, für ihre Wohlfahrt eine gemeinsame Sorgfalt üben und gemeinsames Jntereffe hegen." — Mit Leopold Z unz, meint Redner, sollte der Unterricht der berliner jüd. Jugend von Gemeinde wegen inaugurirt werden, ein Name schönern Klanges konnte wohl nicht gewählt werden. — Wer aber — fragt Redner weiter — hat Zunz vorge arbeitet? — Aus dem unmittelbar darauf Folgenden erfahren wir, daß es die „Fr ei schule" gewesen. Redner nennt diese ganz treffend den „schwer und mühsam behaupteten Unterbau des heutigen Gemeindeschulwesens" und fügt ebenso treffend hinzu: „Diese jüdische Freischule zu Berlin ist ein wesentliches Stück Gemeinde-Geschichte Berlins nicht nur, sondern ein Stück jüdische Geschichte überhaupt, charakteristisch wie nur irgend eines. Die Marksteine dieses Geschichtcapitels sind Moses Mendelssohn und Leopold Zunz. Zwischeninnen aber sind in dankbarer Rückerinnerung als wesentliche Förderer der Freischule zu nennen: Jtzig, Vater und Sohn, Hartwig Wessely, David Friedländer und schließlich Lazarus Bendavid." Von dem zuletzt Genannten erfahren wir, daß er der letzte Director der Freischule gewesen und an derselben von 1806 bis Ende 1825 (wo sie ganz geschlossen wurde) gewirkt habe. — Im weitern Verfolg erfahren wir, daß die (zu Anfänge dieses Jahrhunderts gegründeten) jüdischen Schulen zu Dessau, Seesen, Wolfenbüttel, Frankfurt a/M., Breslau u. a. m. nichts anderes als Nachbildungen der berliner „Freischule" gewesen seien. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.