Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-03-29 · Heft 14 (29.3.1864) · p. Seite 218

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 14 (29.3.1864)
Date
1864-03-29
Page
Seite 218 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226433--22035-3259283
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

218 Die „Nachlese". Allen Theologen und Bibelfreunden empfehle ich mein Werk: „Die Nachlese im Weingarten des Herrn", eine Uebersetzung meines hebräischen Werkes „Amtachath Biujamin“, ein Versuch, die schwierigen Stellen in den heil. Schriften einfach und wahr zu erklären, mit mehreren erläuternden lithographirten Zeichnungen, nebst einer Karte vom biblischen Orient. Die heiligen Schriften sind die Grundlage und Quintessenz des Judenthums, sie kennen und verstehen zu lernen, ist bekanntlich die Pflicht jedes Israeliten, und täglich beten wir, daß Gott unsere Augen erleuchten möge in seiner Lehre, um sie zu verstehen; auch das Geschichtliche darin ist uns. so heilig, daß sogar drei Verse aus dem Zusammenhang gerissen, genügen, umdenVor-u. Nachsegendarüberzusprechen. Es kann und darf daher consequenterweise uns nicht gleichgiltig sein, ob wir den wahren Sinn dieser oder jener Stelle richtig verstehen oder nicht. Mag nun der Umstand, daß der Verfasser dieses Werkes weder Rabbiner noch lli. oder sonst ein berühmter Gelehrter ist, niemanden abhalten, sich dieses für wenige Groschen zu beziehende Werk sweit ein pecuniärer Nutzen nicht beabsichtigt wird) zu verschaffen; "»nNttTai wr» sagt der Talmud, Fleiß und Ausdauer können vieles bewirken, und nur einer außerordentlichen Geistesanstrengung und Ausdauer hat dieses Buch sein Dasein zu verdanken und erlaube ich mir, die Veranlassung hiezu in möglichster Kürze zu beschreiben. Auf den deutschen Talmudschulen herrschte bekanntlich früher der Mißbrauch, daß nur Talmud gelehrt, die heilig. Schriften aber gänzlich vernachlässigt wurden; mit um so größerem Eifer suchte ich später, mich mit den h. Schriften vertraut zu machen und benutzte alle meine Mußestunden dazu, nachdem ich, 20 Jahre alt, die Talmudschule zu Fürth verlassen, um mich dem Handelsstande zu widmen. In dem Maße aber, als ich mit dem Geiste und den Tendenzen der h. Schrift vertraut wurde, fand ich manche Erklärungen in den Commentaren höchst unwahrscheinlich und gezwungen, und machte mir endlich die schwere Aufgabe, selbständig zu forschen, um womöglich den wahren Sinn zu ergründen. Jahrelang dachte ich über manche Stelle, oft mit übermäßiger, ja gefährlicher Geistesanstrengung nach in schlaflosen Nächten und einsamen Ueberlandgängen rc., und groß war meine Freude, so oft es mir mit Gottes Beistand gelungen, den unbezweifelt wahren Sinn einer solchen Stelle zu finden; aber auch ebenso groß war mein Erstaunen, daß im Laufe so vieler Jahrhunderte so manche Stelle von niemanden richtig aufgefaßt wurde, und selbst der Talmud zuweilen seine Zuflucht zu erzwungenen Erklärungen nahm, *) *) Man lese z. B. meine Erklärung zu 4 B., Kap. 35, V. 4 und 5, die den Leviten einzuräumenden Aenger betr., vergleiche die ganz einfache Zeichnung mit den Worten des Tertes und man wird gestehen müssen, daß die Erklärung des Talmud, welcher 2 verschiedene Regionen zu 2 verschiedenen Zwecken annimmt, ganz unbegründet ist. aber wie gesagt, es wird wohl noch niemand so viel Zeit, Geduld und Geistesanstrengung darauf verwendet haben, wie ich. Die Ergebnisse meiner Forschungen notirte ich mir zur eigenen Erinnerung; als ich aber später diese Notizen gelehrten Freunden zeigte, drangen sie in mich, dieselben durch die Presse zu veröffentlichen und zum Gemeingut Israels zu machen, wozu ich mich nunmehr selbst verpflichtet fühlte. Ich ordnete daher meine Schriften, fertigte Zeichnungen zur Versinnlichung und zu befserm Verständniß dort wo es nöthig ist, und übergab es vor ungefähr l 6 Jahren auf eigene Kosten der Presse (rein hebräisch, mit Eornrnentarschrift). Allein, unbekannt mit den Erfordernissen zur Verbreitung eines solchen, nur von Fachmännern verstandenen Werkes, übergab ich es, ohne Approbationen von berühmten Gelehrten einzüholen, einer Verlagsbuchhandlung, und erfuhr erst nach 2 Jahren, daß sehr wenige Exempl. abgesetzt wurden. Dieser Mißerfolg konnte mich jedoch von dem vorgestecklen Ziele "kn^bi Tmbb, mich und andere zu belehren, nicht abschrecken, und fortgesetzte Forschungen führten zu manchen neuen Entdeckungen, die ich ebenfalls der Verbreitung werth erachtete und entschloß ich mich, um einen größern Lesekreis zu gewinnen, das Werk deutsch übersetzt herauszugeben, mit Auslassung dessen, was nicht zur Sacherklärung unumgänglich nothwendig oder nur von Gelehrten zu beurtheilen ist, so daß es jedem Bibelfreunde verständlich und nützlich sein kann. Mehrere Rabbinen haben sich mündlich oder schriftlich beifällig und empfehlend darüber ausgesprochen, wovon einige beigedruckt; auch der in weilen Kreisen berühmte, mit der jüdischen Literatur sehr vertraute Ht. Professor Dr. Delitzsch in Erlangen, Vers, eines Commentars zu den Psalmen und mehreren anderen h. Schriften, hat mir seinen Beifall zu erkennen gegeben. *) Gelingt es mir durch dieses Werk, Licht und Wahrheit zu verbreiten, so werde ich reichlich belohnt sein, für all' die großen Opfer an Zeit, Geistesanstrengung und Geld, die ich darauf verwendet; wozu der Allgütige, der Gott der Wahrheit 772PN bw romr: ms» seinen Segen gebe. Amen! W. Lichtenstädtev _ in Baiersdorf (Baiern). *) Vorläufig im eigenen Verlage, Preis nur 5 Sgr. oder 18 kr. portofrei; 7 St. zusammen J Thlr.; hebräische Erernpl. ä 4 Sgr. 15 fr,; 6 St. zus. 2/3 Thlr. — 1 (L IQ ft. Druckfehler. In No. 13 S. 193, Sp. 1, Z. 16 v. u. muß es heißen: „Religionen und Kirchen." S. 196, Sp. 1, Z. 8 v. n. muß es nicht „Aargau", sondern „Agram" heißen. S. 198, Sp. 1, Z- 14 v. 0. lies „war vielleicht" für „was vielleicht". Die Red. Jüdisches Volksblatt R». 13.1864. Die Union. — Anhaltische Juden. — Noch einige Echos. — Curiosum. — Anekdoten. — NB. Durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen. Jährlich 1 Thlr. Vierteljährlich V« Thlr. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur: Gottfr. Fritzsche.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.