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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-11-07 · Heft 45 (7.11.1882) · p. Seite 742

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 45 (7.11.1882)
Date
1882-11-07
Page
Seite 742 (sequence 14)
Language
German
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Ackerbauschule zu gründen. Gründung obiger Schule unter dem schönen Namen Mikve Israel. Er hörte nicht auf sie zu entwickeln, sie zu verbessern, sie zu vertheidigen gegen ungerechte Angriffe; er überwachte die Vergrößerungsarbeiten, sogar zu der Stunde, als der Tod ihn überraschte. Nach einander sah man ihn als Lhätigsten Delegirten der Alliance: 1878 beim europäischen Congreß zu Berlin, mit den Herren Kann und Beneziani (Intervention zu Gunsten der rumänWen Juden); 1880 in Conferenzen zu Madrid, mit H. Veneziani (Schutz der Juden in Marokko); 1881 organisirt er in Brody das kolossale Werk der russischen Emigration, und er entwickelt dabei Wunder von Energie, Intelligenz und Hingebung, die alle seine Mitarbeiter rühmend anerkennen. Vor einigen Monaten begab er sich nach Berlin und schloß sich dem dortigen Comite an, um dieses mühevolle Unternehmen zu vervollständigen. Schließlich, gebrochen aber nicht hesiegt, kehrt er nach Jaffa zurück, um dort die letzte Hand an sein Werk zu legen, wo er, wie ein Makkabäer stirbt, „verscheidend in seinem Triumphe". Kein Detail ist uns bis jetzt über seine Beerdigung zugekommen. — Seitdem ist der Monatsbericht der Alliance erschienen (Nr. 9.' September 1882), und wir entnehmeu demselben über die Thätigkeit Netter's in Jaffa folgende Stelle: „Das Werk, an welches sein Name geknüpft bleiben wird, ist die Gründung der Ackerbauschule von Jaffa. Er ist nicht der erste, der daran gedacht hat, die Israeliten von Palästina durch den Ackerbau zu regeneriren, aber er ist der erste, der dieses Werk unter einer praktischen Form erfaßt und ihm viele Jahre seines Lebens geweiht hat. Die ehrenwerthen Anstrengungen, welche vor ihm in diesem Sinne gemacht worden, hatten keinen Erfolg, weil man sich darauf beschränkt hätte, Ländereien für die Israeliten zu schaffen, -und weil man glaubte, daß diese sich von einem Tag zum andern zu Ackerbauern verwandeln würden. Die Erfahrung welche die Alliance seit mehreren Jahren in Jaffa gemacht hatte, bewies hinlänglich, wenn man es nicht früher wußte, daß eine solche Umwandlung sich nur langsam und unter Schwierigkeiten und Hindernissen jeder Art vollziehen kann. H. Netter wußte es wohl, und schlug daher der Alliance vor, die Begründung nicht einer Ackerbaucolouie, die das Schicksal aller früheren Colonien gehabt hätte, sondern einer Schule, in welcher junge Leute aus der europäischen und asiatischen Türkei und namentlich aus Jerusalem, allen schädlichen Einflüssen entzogen, längere Zeit für den Ackerbau, die Gärtnerei und Handwerke unter günstigen moralischen Bedingungen ausgebildet werden sollten. Er reiste im Jahre 1860 nach Constantinopel und erhielt daselbst vom Sultanden nöthigen Firman, welcher der Alliance das schöne Grundstück bewilligte, auf dem sich-gegenwärtig die Ackerbauschule erhebt. Mit der mäßigen Summe, die uns' durch eine kleine Subscription zur Verfügung gestellt war, begann er den Boden urbar zu machen und um das Grundstück einen Graben ziehen zu lassen. Es gab dort weder ein Wohnhaus, noch irgend eine sonstige Einrichtung; er "schlief wochenlang in einem in die Erde gegrabenen Loche; er arbeitete am Tage und rnhete kaum in der Nacht aus, trotzend den Fiebern und der Krankheit. Dank einem edlen Geschenkgeber, konnte er sein Werk fortsetzen. Ein Theil der gegenwärtigen Baulichkeiten der Anstalt würde errichtet, die Wege wurden angelegt, die Brunnen gegraben; die Bodencultur, die Anpflanzungen und die Gärten wurden eingerichtet. Wie oft wäre nicht ein anderer entmuthigt worden mitten unter allen den Hindernissen, denen er begegnete, gegenüber der Abneigung seitens der Araber, der Schwierigkeit, Hilfskräfte zu haben, und namentlich Lehrer für Acker- und Gartenbau zu finden, den verfehlten Versuchen, den Zerstörungen der Arbeiten, der Baulichkeiten oder Ernten durch den Wind, die Regengüsse, die Dürre, die Heuschrecken. H. Netter überwand Alles und nach einem Aufenthalt von fast 2 Jahren in Jaffa konnte er ruhig nach Europa zurückkehren: Die Schule war begründet und in voller Thätigkeit. Es war seitdem das dritte Mal, daß er sie jetzt besuchte. Er stand ihrer langsamen, aber-fortschreitenden Entwicklung bei, und jedes Mal, wenn er sie . gesehen hatte, kehrte er mit einem größeren, Glauben an sein Werk zurück." Wir fügen noch den Schlußsatz hinzu: „Außer der Alliance nahm H. Charles Netter Zeinen thätigen Antheil auch an der Leitung vieler philanthropischen Anstalten, unter denen wir hier besonders eine ausdrücklich erwähnen müssen. Dank einer erfinderischen Combination, gelangte Herr Netter dahin, eine Anstalt zu schaffen, die er das Home (Heimath) nannte, und in welcher die jungen israelitischen Leute, die aus der Fremde kommen, für eine sehr mäßige Summe Quartier und'Kost finden können. Dieses Haus, das große Dienste leistet, ist vollständig das Werk des. H. Netter', das er allein gegründet hat und das von seiner Intelligenz, seiner Thatkraft und seiner Barmherzigkeit Zeugniß ablegt. Das Ende unseres theuren Collegen, der seiner Familie und seinen Freunden so früh entrissen worden, ist würdig seines Lebens. Er ist wie der Soldat auf dem Schlachtfelde in voller Thätigkeit gestorben. Sein Name von der ganzen Judenheit gekannt, wird nicht untergehen und sein Gddächtniß nicht schwinden aus unserm Herzen." ' -

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