Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1882)
- Date
- 1882-05-09
- Page
- Seite 313 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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313 Berlin — was nicht, wie Kopelzky meint, Bernhard bedeutet, sondern sich wohl auf seinen Heimathsort Berlin bezieht — wanderte nach Eisenstadt in Ungarn aus und. von da nach Nilolsburg in Mähren, wo er als Lehrer des Hebräischen fungirte und später auf Wunsch seines Gönners, des Fürsten von Dielrichstein das Judenthum verließ und deü Namen Wiener annahm. Sein Gönner verschaffte ihm alsbald eine Stelle als Professor der „Sprachen des alten Bundes" an der Wiener Hochschule und. die Kaiserin Maria Theresia verlieh ihm und seinen ehelichen Nachkommen im September 1746 den Adel mit dem Prädikate von Sonnenfels. Dieser Alois Edler von Sonnenfels, welcher im Jahre 1753 seine vormaligen Glaubensgenossen" gegen die Blütbeschuldigungen in einer besondern Schrift: „Judaica sanguinis nausea, oder der jüdische Blutekel" vertheidigte, ist der Vater Josefs, der 1733 in Nikolsburg als Jude geboren wurde und in seiner Stellung als Professor der Cameralwissenschaft, als Hofrath, als Schriftsteller in der Politik und Literatur Oesterreichs eine hervorragende Rolle spielte und auch seinen früheren Glaubensgenossen dankenswerthe Dienste leistete. Josef von Sonnenfels hatte einen wesentlichen Antheil an dem vom Kaiser Josef erlassenen Toleranzedikte; in der Commission, welche auf Betrieb Hatzfeld's zur „Reinigung" des Talmud von Kaiser Franz 1795 eingesetzt worden, führte er den Vorsitz u.' a. nt., daß ex, ein Sohn des jüdischen Stammes, die Abschaffung der Tortur in Oesterreich bewirkte, ist bekannt, wie es auch nicht unbekannt ist, daß er mit Moses Mendelssohn im Briefwechsel stand. Die in der Biographie aus Frankl's Sonntagsblättern abgedruckten Briefe befinden sich in Moses Mendelssohn's Ges. Schriften V., 620-623, was Herr Kopelzky nicht gewußt zu haben scheint. Das Buch verdient als die erste vollständige Biographie eines bedeutenden Mannes, wie der am 25. April 1817}) zu Wien verstorbene Freiherr von Sonnenfels es war, allgemeine Beachtung. — Bon der in weiteren Kreisen bekannten Frau Henriette Goldschmidt, der geistreichen Gattin des Herrn Rabbiner Dr. Goldschmidt in Leipzig, erschien jüngst: „Ideen über, weibliche Erziehung im Zusammenhänge mit dem System Fr. Fröbel's. Sechs Vorträge." (Leipzig, Carl Reißner), eine Schrift, welche wir unseren Frauen aufs Wärmste ent* pfehlen. * Dr.. Kayserling. Wir werden auf diese interessante Schrift ausführlicher zurückkommen. ' Redaktion. l) Jung giebt in seiner Schrift „die Monatstage des Kalenderjahres'^ S. 22 irrthümlich den 26. April als Todestag S.'s an. Iseuille ton Vermischtes. Jüdische Alterthümer in Berlin. . Man schreibt aus Berlin: Die Häuser in der Oranienburger Straße 7 und 8 werden theils um-, theils neugebaut, in ihrer jetzigen Gestalt also verschwinden. Dieselben haben keine große Tiefe, weil hinter denselben sich der alte jüdische Begräbnißplatz befindet, welcher im Jahre 1672 von Model'Rieß erworben und der vier Jahre später gebildeten Begräbniß-Brüderschaft überwiesen wurde, welche dafür der Stadt zuerst 2 Thlr.,- dann 2 Thlr. 18 Gr. Grundzins jährlich zu entrichten hatte. Der Große Kurfürst hatte durch Patent vom 21. Mai 1671 fünfzig aus Oesterreich vertriebene jüdische Familien in Berlin und Brandenburg ausgenommen und die 1573 von dem Kurfürsten Johann Georg aufgehobene Berliner jüdische Gemeinde wieder hergestellt. Der Begräbnißplatz der letzteren befand sich im 16. Jahrhundert in der Landwehrstraße (damaligen und bis vor etwa sechzig Jahren noch so genannten Judengasse) und es wurden nach Her Vertreibung der Juden aus Berlin und der Mark Brandenburg die Grabsteine des Berliner und des Spandauer jüdischen Friedhofes zum Bau der Festung Spandau mit verwandt. Der in der Oranienburger Straße hinter den Häusern No. 7 und 8 (deren titulirter Besitzer die. „jüdische BeerdigungsZunft " war) belegene, unmittelbar an den alten Sophien-Kirchhof grenzende Begräbnißplatz wurde nach 155 jähriger Benutzung im Jahre 1827 geschlossen. In den obengenannten Häusern wurde im Jahre 1756 von der 1703 gestifteten jüdischen Krankenpfleger-Brüderschaft, ferner das Krankenhaus errichtet, das zur damaligen Zeit wegen seiner Einrichtung und Ausstattung und bis zuletzt wegen der'bei der Kranken-Aufnahme waltenden Liberalität einen bedeutenden, vielfach anerkannten Ruf genoß. Die . ersten dirigirenden Aerzte. desselben waren die Doctoren de Lemos und Marcus Hertz, Letzterer der Gatte der Henriette Hertz. Es enthielt viele Zimmer für männliche und weibliche Kranke, einen Reconvalescenten-Saal und. auch eine kleine Synagoge, Wohnung für den Hausvater u. s. w. und diente seinem Zwecke bis vor etwa 18 Jahren, zu welcher Zeit das jüdische Krankenhaus in der Auguststraße eröffnet wurde. Als im Oktober 1829 die jüdische Alter-Versorgungs-Anftalt entstandet: war, wurde sie gleichfalls in dem Gebäude-Complex untergebracht, wo sie bis zum Jahre 1840 verblieb. Nachdem das Krankenhaus verlegt worden, wurden die Häuser No. 7 und 8 der Oranienburger Straße, natürlich ohne den Begräbnißplatz, der für alle Zeiten erhalten bleiben muß, an den Oberamtmann Griebenow verkauft, der-sie aus- und umbauen ließ. Inzwischen sind sie in andere. Hände übergegangen und der jetzige Besitzer will sie neu gestalten.