Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1879)
- Date
- 1879-11-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Ultgemeine Ein unMrtcüschcs Organ für alles jüdische Interesse. I In redactionellen Anaeleaenheitcn! rrende man sich an Nr. L. pqNIppso» in > Bonn: hinsichtlich der Inserate an A. , Wosse i» veivrig und dessen Filiale» in Berlin. Breslau :c. Inserate, welche biSSoanerrtagerngehen. finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2'/, Bogen. Brei- DierteljäbriA 3 Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die Perirzeile oder deren > Nmrm berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig jlhilippson in Bonn. Verlag von Baumgärtncc's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 43. Jahrgang. Leipzig, den 25. November 1879. Jß 48. Jnbnlt. Leitende Artikel: Einige Gedanken bei der gegenwärtigen Situation. — Ernst Renan's neueste Schrift. II. — Literarischer Wochenbericht. — Zertungsnackrickken: Deutschland: Berlin, Dresden, Graudenz. Hannover. Tholey. — Frankreich: Paris. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Moskau. — Tripolis: Tripolis. — Amerika: Rew-^ork, Mobile. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Arrlipessimistische Denksprüche (Forts.). -£cdeilige ßLxhSicl. Bonn, 19. November. Einige Gedanken bei der gegenwärtigen Zituation. Nachdem bei den jüngsten Wahlen zu dem prellszischen Abgeordnetenhause Eugen Richter, das als Parlamentarier hervorragendste Mitglied der Fortschrittspartei, in seinein bisherigen Wahlkreise Hagen dnrchgefallen war, ließ es sich die gedachte Partei angelegen sein, ihm sofort einen andern Sitz zu sichern, in Berlin, obschon sie dies nur durch den Rücktritt eines andern bewährten Mitgliedes, des Dr. Eberty, zu bewerkstelligen vermochte. Als Dr. Lasker, einer der Führer der national-liberalen Partei, in Frankfurt a/Main vor den vereinigten Fortschrittlern und Socialdemocraten fiel, und man ihm eine Wahl in Breslau schaffen wollte, erhoben gewichtige Organe dieser Partei, wie die „Köln. Z.", die „Magdeb. Z." u. Ä. entschieden ihre Stimmen dagegen und die Majorität votirte gegen ihn. Es ist dies allerdings vorzugsweise von politischer Bedeutung. Die national-liberale Partei in ihrer überwiegenden Mehrheit will alle entschiedenen Elemente, welche ihr den Anschluß an die Staatsregierung erschweren könnte, aus ihrem Schovße entfernen, um desto leichter eine im Grunde gouvernementale Partei werden zu können. Jndeß hat dieser Fall doch auch ein besonderes moralisches Interesse. Denn wenn eme Partei mit solcher Leichtigkeit einen ihrer vorzüglichsten Begründer und Führer, von dem sie sich mit völliger Zustimmung in unzähligen Fällen hat vertreten lassen, den sie mit dieser Vertretung bei den mannigfaltigsten Gelegenheiten beauftragt hat, dessen Charakter zugleich selbst von seinen heftigsten Gegnern als der lauterste, dessen Begabung als eine vorzügliche anerkannt wird, mit solcher Leichtigkeit, ja mit Beflissenheit über Bord wirft: so liegt darin eine Undankbarkeit, ein Mangel an sittlichem Bewußtsein, der zwar bei reinen Politikern nicht auffällt, bei einer großen Volksvertreterpartei aber Anstoß erregen muß, da eine solche der ethischen Gesichtspunkte nicht entbehren darf. Hat nun hierbei auch die Confession beigetragen? In Frankfurt a, Main wohl nicht, in Breslau ja. Abgesehen von desfallsigen Andeutungen in den Zeitungen spricht hierfür gerade der Eifer, mit welchem der Professor Dr. Noepell die anwesenden Wahlmänner aufforderte, dem Grundsatz des Liberalismus, der Gleichberechtigung treu zu bleiben, sowie die ganz besonders in Breslau erhitzte antijüdische Stimmung. Es ist eine alte Erfahrung, daß da, wo man zur Toleranz zu mahnen sich gedrungen fühlt, tvo man sich auf Toleranz beruft, diese eben in geringer»! Maße vorhanden und mit arger Verletzung bedroht ist. Wahrhafte Toleranz herrscht nur da, wo man ihrer nicht zu gedenken braucht, tvo sie sich ganz von selbst versteht. Wenn man in einer liberalen Wahlmännerversammlung so nachdrücklich die Toleranz betonen muß, so giebt dies Zeugniß für die Schwäche des Liberalismus, der in ihr lebt. Wie dem auch sei, an dem Beispiel Lasker's frischt sich eine Mahnung auf, wie wir sie von 1d49 an unsren Glaubensgenossen nicht