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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-07 · Heft 41 (7.10.1879) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 41 (7.10.1879)
Date
1879-10-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Ein miplirtciischcs Organ für alles jüdische Interesse. HeraliSgegeben Bon LiKSMÄ! Bvmi: binftditlitb der Inserate n Rabbiner Dr. L'ndwig Philippson in Bonn. - ^Ug»nvv^ffc»stuoici« I Inserate, wel.Ne bi't> vonnkrilag eingehen.! finden in der darausiolgenden Nummer Bcrlag von Bamngürlntr's Buchhandlung in Leipzig. s Berücksichtigung. __ Beilagen w erden mit 12 M a r k berechnet. Diele Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi« 2'/, Bogen. Prci« Bicrteliädrig3Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die ^»ciitjctle oder deren i Raum berechnet. I ANe PoKämler und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. 43. Jahrgang. Leipzig, den 7. Oktober 1879. JS 41. ZlnKnlt. Leitende Artikel: Die (Hymnasialfrage in Oesterreich-Nltgarn. IT. — Der Kampf in Rumänien. Xll. — Zeitungs- Nachrichten: Deutschland: Berlin. Hannover, Altona, München, Furth, Heilbronn, Leipzig, Sondcrshausen. — Oesterre ict>- Ungarn: Wien, Pest. — Italien: Turin. — Pest: Literarische Notizen. Von n, 1. Oktober. Die Gymnllsia!ftllge in Oesterreich-Ungarn, il. Das Verfahren des katholischen Staatsgymnasiums in Pest, welches die jüdischen Knaben, die sich zum Eintritt gemeldet, abwies^ die passive Zustimmung des Unterrichtsministers zu diesem Ausschließungsacte und die Herstellung von Gymnasialclaffen an der rabbinischcn Lehranstalt ausschließlich (s. jedoch weiter u.) für jüdische Knaben, macht in Ungarn, und mit vollem Rechte, großes Aussehen. Tie Begriffsverwirrung, die in Ungarn betreffs der Religionsfreiheit und der Gleichstellung der Culte stattfindet, und die der ministeriellen Willkür bei dein Mangel der Gesetzgebung auf diesem Gebiete Thor und Thür offen läßt, zeigt sich auch darindaß selbst liberale Blätter tvie das „Pester Journal" zwar gegen jene Ausschließung protcstircn, jedoch mit der Errichtung eines jüdischen Gymnasiums cinverstanden sind. Wir wissen sehr wohl, wohin die Ultra-! montanen zielen. Sie lvollcn die jüdische Jugend vom Gym-! nasium ausschließen, um sie von der Universität auszuschließen, l und von dieser, um sie vom politischen Leben auszuschlicßen. Nicht die Juden fürchten sie, sondern die jüdische Intelligenz, welche allerdings zur ultramontanen einen vollen Gegensatz bildet. Denn die vom reinen Monotheismus durchdrungene- und nach dieser Richtung hin die Geschichte und die Philosophie erfassende Intelligenz kann in Nichts mit dem Wesen und den Lehren des Ultramontanismus ttbereinstimme», sondern geräth mit denselben, selbst ohne cs zu wollen, in Kampf. Wir haben uns daher niemals gewundert, daß die Römlinge den Jude« feindlich gesinnt sind. Wenn sie aber in den letzten Jahren dieser Feindschaft in maßlosen Angriffen Ausdruck gaben, so erstaunten wir darüber nur darum, weil hmeinerseits eine solche Gemeinheit und eine so hochgradige Gehässigkeit ihnen doch nicht zugetraut hätten, und andrerseits, weil wir glaubten, das; jene in ihrem gewaltigen Kampfe in Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien und wo nicht Alles noch, genug zu thun hätten, um sich noch mit aller Anstrengung Feinde in den Juden zu erwecken, die bei derartigen Streitig- - keiten am liebsten sich ruhig verhalten. Jndeß es ist einmal so, und Nur muffen uns darin schicken. Das Auffällige bei dem Vorgänge in Pest ist aber, daß es sich hierbei um ein Staatsgymnasium handelt, um ein Gymnasium, das aus Staatsmitteln erhalten wird und unter direkter staatlicher Aufsicht steht. Dem Schottengymnasium in Wien stand bei gleichem Verfahren gesetzlich darum nichts entgegen, weil cs aus katholischen Mitteln erhalten wird. Dies ist aber bei der gedachten Pester Lehranstalt nicht der Fall. Die Sache erhält dadurch den Charakter eines staatlichen Vorgehens, und dies macht ihre Wichtigkeit.aus. Mit einer confessionellen Winkelschule hadern wir nicht. Aber dem Staate gegenüber dürfen wir unser Recht nicht aufgeben. Ist das Gymnasium überfüllt und man entschließt sich zur Abweisung neuer Schüler, so muß diese die Schüler aller Eonfessivnen gleichmäßig treffen.

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