Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1879)
- Date
- 1879-09-02
- Page
- Seite 568 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227231-3227268--37422-3256827- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
568 Lehranstalt empfiehlt sich diese Einrichtung wegen der Vortheile, welche sie für die religiöse Erziehung darbietet. Schließlich sei noch bemerkt, daß der skizzirte Plan nichts Unausführbares enthält, da er in der Hauptsache nach dem Leben gezeichnet ist. Schreiber dieses wirkt seit 17 Jahren an einer zweiklassigen Schule, in welcher der entwickelte Plan sich bewährt, obgleich ein Gymnasium am Orte ist. Zu wünschen wäre dann auch, daß besonders in Gemeinden, welche keinen Rabbiner haben, für die erwachsene Jugend Gelegenheit zur Fortbildung in religiösen Disciplinen geboten wäre. Dies könnte leicht durch sabbathnachnnttagliche Vorträge im Schulhause geschehen, welche sich auf Erklärung des Wochenabschnittcs, der Haphtorah und auf Vorträge aus der Geschichte des Judenthums zu erstrecken hätten. Leipzig, im August.. (Privatmitth.) Nichts hat einen besseren Grund, als die am bevorstehenden 150. Geburtstage Moses Mendelssohn's von den Bekennern des Judenthums vielfach zu begehende Feier. Der deutsch-israelitische Gemeindebund wollte dieser Feier einen bleibenden Ausdruck geben und erwählte eine Nedaktionscommission, um ein desfalsigcs Gedenkbuch herauszugeben. Dieses soll jedoch sich nicht auf Mendelssohn beschränken, sondern auch das Andenken Lessings, der ja in demselben Jahre geboren worden, und besonders an Lessing's Nathan, der vor gerade 10» Jahren beendet ward, mit umfassen. In der Anzeige wird der Ziveck des Gedenkbuches folgendermaßen bezeichnet: „Das Jahr 187!» ist für alle Anhänger echter Aufklärung und Humanität, für alle Freunde deutschen und jüdischen Schristtbums ein in dreifacher Beziehung merkwürdiges Erinnerungsjahr; cs ist das 150. seit der Geburt Lessing's und Mendelssohn's und zugleich das 100. seit dem Erscheinen des „Nathan", dieses „Evangeliums der Toleranz", in welchem sich das Freundschaftsbündnis; der beiden großen Kämpfer für Wahrheit und Gewisiensfreihcit in so edler und nachhaltiger Weise verkörpert hat. Von der Dankbarkeit für das Wirken dieser Männer Zeugnis; abzulegen, ihr Bild neu zu beleben und durch Vorführung ihrer Ideen, ihrer Thaten das heutige Geschlecht zu ermuntern und zu stählen in dem noch immer nicht abgeschlossenen Kampfe gegen Glaubenshaß und Unduldsamkeit aller Art: das ist der Zweck dieses Buches, das nicht etwa nur für jüdische, sondern für alle gebildeten Kreise bestimmt ist und nicht etwa nur eine Festschrift von vorübergehendem Werthe, sondern ein Sammel- und Gedenkbuch von bleibender Bedeutung sein soll." Der Inhalt des Gedenkbuches besteht daher aus einer Einleitung von E. Lehmann und einer gedrängten Blüthenlese der wichtigsten Gedanken aus den Werken der beiden Jubclschriftsteller mit kurzen biographischen Einführungen (von M. Brasch", in einer Reihe werthvoller poetischer und prosaischer Beiträge, die, hervorgegangen aus der Feder berufener Autoren (Berthold Auerbach, A. Fränkel, L. A. Frankl, M. A. Goldschmidt, A. Jellinek, M. Joöl, L. Kompert, M. Lazarus, I.. Löwenberg, L. Philippson, M. Nappaport, Steinthal, W Wünsche u. A.), die literarischen und culturgeschichtlichen, die nationalen und Humanitären Verdienste der beiden Männer nach allen Seiten hin beleuchten. Nebenher gehen bedeutsame Stinnnen früherer, bereits verstorbener Lessing- und Mendelssohn-Freunde (eines D. Friedländer, A. Geiger, G. Rießer, G. Salomon u. A), zeitgenössische Erinnerungen u. s. w." — Wir können deshalb voraussctzen, daß diese Schrift, deren Verschleiß der Commissionsverlag der Baumgärtner'schen Buchhandlung übernommen hat, ihren; Zwecke völlig entsprechen und darum eine weite Verbreitung finden werde. Gelingt es ihr, diese, und zwar nicht bloß. in jüdischen Kreisen, zu sinden, so wird sie dazu beitragen, den in der jetzigen Zeit so vielfach verkannten, wieder verdrängten, ja bestrittenen und verleumdeten Geist der Aufklärung und Humanität wieder zu wecken und allen intoleranten Parteien gegenüber geltend zu machen. Das walte Gott! Bremen, 18. August. (Privatinitth.) In einer Zeitin der gegen Juden und Judenthum viel geschrieben und geredet wird, ist es gewiß erfreulich, auch einmal zu vernehmen, wie ein christlicher Kanzelredner für Beide eintritt. Herr Pastor Dr. Schwalb von der hiesigen St. Martinikirche nämlich nimmt in seinen Predigten häufig Gelegenheit, auf die Reinheit und Wahrheit der Lehren des Judcnthums hinzuweiscn, seine Zuhörer über das Wesen desselben aufzuklären und die gegen dasselbe und seine Bekenner noch bestehenden Vorurtheile zu beseitigen. Er wählt den Text zu seinen Predigten gern aus dem „alten Testament", ja, im Laufe des vorigen Winters hielt er einen Eyclus von Predigten über „Moses" und gegenwärtig hat er dreißig Predigten über „die Psalmen" in Aussicht gestellt, von denen die erste am vorigen Sonntag gehalten wurde und, U»ie mir Ohrenzeugen versichern, den tiefsten und wohlthuendsten Eindruck auf die Zuhörer gemacht hat. Bemerkenswerth ist, das; Schwalb's Auditorium zum großen Theil aus wirklich gebildeten Leuten besteht; seine Predigten werden von Dirccwren und Lehrern der hiesigen höheren und niederen Schulen, von Künstlern und Männern der Wissenschaft, höheren Beamten u. f. w. mit Vorliebe und regem Interesse besucht. Schreiber dieses, welcher einige Predigten von Schwalb gehört hat, fand in keiner auch nur im Entferntesten antijüdische Anklänge; ja, eine Pfingstpredigt, in welcher der Dekalog behandelt wurde, war in jüdischem Geiste behandelt. Schtvalb, welcher auch unserer vor einigen Jahren stattgefundcnen Synagogeneinweihung beiwohnte, verabschiedete sich nach der Feier von dem Prediger unserer Gemeinde mit den Worten: „Ich bin zu Ihnen gekommen beschein Adonai." — Daß ein Mann wie Schwalb wesentlich zur Erhaltung und Förderung de§ konfessionellen Friedens, dessen sich unsre Einwohnerschaft Gottlob erfreut, beiträgt, versteht sich von selbst.