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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-01 · Heft 14 (1.4.1879) · p. Seite 212

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 14 (1.4.1879)
Date
1879-04-01
Page
Seite 212 (sequence 5)
Language
German
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212 protestantisch pietistischen Preßorgane zum Ausdruck kam. Dieses Mal habe ich leider Veranlassung als Dritten' im Bunde den katholischen Leo-Kalender für das nordwestliche Deutschland für das Jahr 1879 anzuführen, welcher in Osnabrück erschienen ist und um so gefährlicher wirkt, als er vorzugsweise Bauern und Leuten der untersten Klasse in die Hände kommt und in diese Kreise das Gift. des Judenhasses trägt. Wollte ich alle judenfeindlichen Stellen dieses Buches hier mittheilen, so müßte ich fast den ganzen Kalender ausschreiben; ich begnüge mich daher mit einigen tvcnigen Citaten. Da wird der Frau fürs Haus folgende Lehre gegeben: „Willst du nicht verschwenderisch sein, so laß dich nicht mit Juden und Hausirern ein." Zu einem Nekrolog auf den verstorbenen König Georg V. von Hannover wird rühmend hervorgehoben, daß derselbe wie seine Familie auch Landleuten und Handwerkern seine Freundschaft angedeihen ließ und hinzugefügt: „es waren dies freilich keine Juden oder Geldbarone, aber Männer ausgezeichnet durch Biederkeit und Lebensklugbeit." In einer „Der Folterblock" überschriebenen Erzählung wird gegen den die Bauern ruinircnden Wucher der Juden losgezogen und in einer in plattdeutscher Sprache verfaßten Bauernpredigt wird davor gewarnt,- mit Juden Geschäfte zu machen, denn „wat dat Unkraut in enen Acker, dat sind de Juden umme de Bueren." So geht es fort und auf diese Weise sucht man das Landvolk gegen die Juden aufzuwiegeln! Woher sollten die Herausgeber solche Machwerke aber auch ihren Stofs nehmen, wenn sie ihre Galle nicht über die Juden ausschütten könnten? In Celle feierte am 28. Februar der Justizrath und Notar Jüdel! sein 50jähriges Anwalts-Jubiläum. Se. Majestät der Kaiser verlieh dem Jubilar den rothen Adlerorden vierter Klasse und seine Collegen überreichten dem allgemein geachteten und geehrten Manne eine ihre Sympathien ausdrückende Adresse. Am 5. März waren 50 Jahre verflossen, seitdem Professor Stern in Göttingen. von derselben Facultät, welcher er jetzt als Ordinarius angehört, die philosophische Doctorwürde erhielt. Herr Professor Stern hat sich durch Abreise von Göttingen jeder öffentlichen und privaten Feier feines Toctorjubiläums entzogen. — Ein anderes Jubiläum wurde jedoch an demselben Tage in Göttingen gefeiert, nämlich das 50jährige Dienstjubiläum des dortigen jüdischen Lehrers, Herrn Schlesinger. Die Feier zeigte, daß der Jubilar es verstanden hat, sich die Achtung und Liebe der Göttinger Bevölkerung zu erwerben. Früh am Morgen erschienen zunächst frühere Schüler des Jubilars, um ihm ein prachtvolles Album mit den Bildern ehemaliger Zöglinge zu überreichen. Diesen schloß sich eine Deputation des jüdischen Lehrcrvereins der Provinz an, dessen Präsident Herr Schlesinger seit acht Jahren ist und brachte einen silbernen Pokal nebst künstlerisch ausgestalteter Adresse. Hierauf folgte der Vorstand und das Festcomitö der Gemeinde Göttingen, als Geschenk eine Obligation von 1 -00 M. überreichend. Alsdann erschien der Bürgermeister Merkel und der Senator Schlegel, um im Namen der städtischen Behörden zu gratuliren. Sodann folgte eine Deputation der Göttinger Volksschullehrer, an deren Spitze Director Borge stand. Nachdem hierauf der katholische Lehrer gleichfalls seine Glückwünsche dargebracht hatte, erschien der Kreishauptmann, um als Vertreter des Kreises Göttingen und im Namen der Landdrostei zu Hildesheim zu gratuliren. Auch die beiden Landrabbiner von Hannover und Hildesheim hatten sich zur Beglückwünschung eingefunden. Außer diesen officiellen Glückwün- ° schen erhielt der Jubilar im Laufe des Tages noch eine große Anzahl von Telegrammen, Briefen und Karten. Nachmittags vereinigten sich etwa 150 Personen zu einem Festessen und Balle im Burhenneschen Saale, woselbst beim Beginne des Festessens der Landrabbiner von Hildesheim dem Jubilar im Namen des Kaisers den königlichen Hausorden mit der Zahl 50 überreichte. Während des Festmahles reihcte sich Toast an Toast und war die Stimmung der Gesellschaft eine so heitere, daß letztere bis gegen 5 Uhr Morgens zusammenblieb. Stuttgart, 20. März. (Privatmitth.) Der „Staats. Anzeiger für,' Würtemberg" enthielt in Nr. 64 eine Nachricht, die auch in viele andere Blätter überging, nämlich daß der israel. Oberkirchenrath eine Aufforderung an die Rabbiner und Lehrer des Landes gerichtet, in ihren gottesdienstlichen Vorträgen und Belehrungen die religiöse und sittliche Verwerflichkeit des Wuchers auseinanderzusetzen. Heute enthält derselbe Staatsanzeiger die Erklärung, daß diese Nachricht eine Erfindung sei, und daß die Nedaction deßhalb mit dem Einsender jener Nachricht das Correspondenten-Verhältniß gelöst habe. Erfunden kann diese Nachricht nur sein, um gewissermaßen von ofsicieller jüdischer Seite ein Zugeständniß zu singiren, daß die Wuchergeschäfte unter den Juden sehr verbreitet seien. Es ist dies eine neue Taktik aller ultramontanen und reactionären Judenfeinde, im Volke eine starke Strömung gegen den Wucher hervorzurufen und die Juden als die Träger desselben zu brandmarken. Daß jedoch zu den Wucherern die Christen so gut ihr Contingent^wie die Juden stellen, ist nicht allein bekannt, sondern geht auch aus den öffentlichen und veröffentlichten Gerichtsverhandlungen aller Länder hervor. Mögen immerhin bi«—^ fc^ärfftert Gesetze gegen den Wucher für vortheilhaft und nothwendig angesehen werden; man mache daraus aber nicht abermals ein Werkzeug des Hasses! Freivurg in Breisgau den 6. März. (Privatmitth.) Der israelitische Gemeindebund erließ vor kürzester Zeit einen Aufruf, der die Nothwendigkeit der Gründung solcher Vereine hervorhob, deren Zweck und Aufgabe, das Ansehen des Judenthum.s__sa.ch. Außen_h.m_ zugkräftigen, sei. Unsere Gemeinde,! oder doch ein Thcil derselben war dieser gewiß berechtigten " . , ■ X

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