Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1874)
- Date
- 1874-10-20
- Page
- Seite 722 (sequence 8)
- Language
- German
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StofftHü Reflexionen:;^ Die: .Sacheist ^unerquicklich, irrndHwirdmanbald l'allsei1ig:5.därüberÄzur; Tagesordnung: / schreiten.: Fürdas Grundlose seiner Behauptung, daß die Iuden/die-ungarische Sprache Nicht; cpflegen> ja >derendBerbreitung geradezu2<entgegenarbeiten/.spricht der. statistische.Ausweis der. hiesigen?;Universitätam-dets-die:Unterrichtssprache ausschließlich. ungarisch üst/ und -die demzufolge :äuchymeistens von:-Inländern besucht wird.- In dem. jetztbeendeten-Rectoraisjahre betrug die Zahl' der Hörer 2.4 00/ davon; waren:der.Confessivn 'pach- 1831, gleich 57-pEt.,'römisch-- katholisch^ 532-r.gleich 2V pCt., Israeliten,. so daß diese.beiden Confessionen am stärksten vertreten sind. —; Die? beiden;'Waitznev- Israel. Gemeinden, welche durch fünf Jahre gegeneinander, processirt und-dmch diese Zwistigk.eitihre cultuellen und wohlthätigen Anstalten, besonders ihre Schule/ der gänzlichen Auflösung nahegebracht hatten, haben sich endlich: ausgeglichen. ' Der Duna-Szerdahrlyer Chewra Kadischa hat Se. Majestät der König 200fl.- aus seiner. Privatschatulle geschenkte Pest, 7. October. Die Angriffe Czernätony'sso großes Aufsehensie. gemacht und welchen scharfen Stachel sie auch zurücklaffen mögen, scheinen dennoch ein klägliches, Ende zu nehmen und werdenvon den---eigenen Parteigenossen verleugnet Das: Ungeeignete;. Unopportune und Unpatriotische - dieser völlig unmotivirten: Feindseligkeit 'wirdvon^Allen eingestanden. Es galt vor Allem, Klarheit in. die Situation zu bringen. - Eine Anzahl angesehener-Juden hat sich nun an Jokaigewandt-..um ' von ihm .Auskunft darüber zu erlangen, ob die erwähnten Artikel etwa die gegen die Juden in der kommenden Parlamentssession zu befolgende Politik des linken Centrums, das ja --Ellenör" - vertreteandeuten sollten:- Jokai hat in. Folge deffen im „Hon" nachstehende Erwiderung veröffentlicht: - „Was die in dieser Enunciätion enthaltene. Frage betrifft, ob. dasjenige, was in dem Artikelcyklus des „Ellenör^ „Ueber unsere Juden" ausgesprochen ist, die künftige Tactik . deslinken Centrums-signalisire? so ist'es nicht: nöthig,' daß ich mich hierüber: äußere: die Situation-'selbst -antwortet darauf. Die Mitglieder .des .-linken. Centrums .sindderzeit gar. nicht. - versammelt, haben daher auch keine Conferenz -gehalten und konnten demnach auch:-Niemanden - damit betrauen, - -irgend eine. neue Parteitactik zu signalisiren. -Auch darüber, muß .ich meinen- -bestimmten Zweifel - aussprechen, daß dieser Artikelcyklus . auf - den Wunsch Koloman Tisza's. erschienen , sein sollte, da Koloman Tisza niemals - irgend ein Auftreten begann, ohne seine Partei befragt zu haben; auch habe ich ihn bisher derartige Ansichten nicht entwickeln gehört. Was meine eigene Meinung betrifft,.- welche ich nach der oben mitgetheilten 'Aufforderung gleichfalls auszusprechen verpflichtet -bin-::: so - nehme., ich keinen. Anstand::zw erklärendaß ich — so sehr ich auch das Werk.der Verbreitung unserer Sprache anerkennentzwerthes, BestrebenEachtei7-nerstens -die Ar-; tlkel:des/,Ellenör";nicht für.ein hierzu taugliches Mittel, zweitensl die .Judenschafk 7 Ungarns „.nicht für.--Las Subject.eines solchen Mittels-,-drittens diesen .Augenblick nicht, für .geeignet, zu-einer' solchen Operaüon halte, und daß .ich endlich! die in den genannten Artikeln - aufgestellten Grundsätze: -nicht :1heile.. -Das Mittel; taugt nichts : mit Drohungen, mit Zorn werden wir -Niemanden:■) magyarisiren :- .durch. Freundschaft und wenn wir bestrebt sind, daß man'uns liebgewinne, viel leichter. . Wir haben aber, in dieser Hinsicht auch, keinen Grundden .Juden in Ungarn. zu . grollen. Sier/magyarisiren freiwillig ihre Schulen - erziehen ihre Kinder izu Ungarn, sind .eifrige Anhänger derungarischen Staatsidee, in jedem Lager, sie opfern für patriotische Zwecke, (wie sehr sie iin ihren Kirchen und Schulen die: ungarische Sprache-und die ungarische Vaterlandsliebecultiviren, das/ haben wir in diesen Blättern schon, .früher besprochen), und sie stellen allenthalben ein^ bedeutendes Contingent zu den freisinnigen, patriotischen ungarischen Parteien Daß die Geschäftssprache nicht durch einfaches Vertauschen der Feder mit einem Malemagyarisirt werden kann, daran ist nicht die ungarische Judenschaft schuld,. sondern die Finanzwelt, die keine ungarische ist. Haben wir erst einesolche, so giebt sich dann auch das Andere. „Heutes aber und-.„morgen" ist nicht das unser größtes Uebel,:daß -in Ungarn und insbesondere in Budapest der Handel ,,deutsch"- sondern daß er überhaupt „gar-nicht" verkehrt; nicht: das..ist heute unser. Malheur, daß der. Jude deutsch spricht, sondern, daß er ganz und gar schweigt. Die Controverse ist sonach durchaus nicht - zeitgemäß.. Principiell endlich. - sind meine Anschauungen , von - jenen durchaus verschieden, -welche in den Leitartikeln des „Ellenör" zum Ausdruck gelangen. Wo es sich um das Staatsleben -Ungarns handelt, fordere ich es streng, daß die.politische Sprache , des, Landes, die: ungarische, in allen, ihren Rechten aufrechterhalten.-werde;-: bei der Legislative, bei der Verwaltung, bei der höheren Justizpflege fordere ich das Recht der.-Nation, ich bin. bestrebt, dasselbe.beim Armeecommando und bei der. diplomatischen Eorrespondenz zur Geltung zu bringen, — dann: wo der Geist-derkünftigen Generation herangebildet wird, in der Schule, urgire ich, eifere ich an,, gebe ich. Rathschläge im Interesse, der ungarischen Sprache; wo etwas für die Anerkennung der-ungarischen Sprache geleistet werden kann, auf dem; Felde der .-Literaturarbeite; ich ohne Rast dafür; — aber.am häuslichen- Herd, -bei seiner Geschäftsthätigkeit,- bei seinem Broderwerb, ja selbst bei seinen geistigen Genüssen lasse ich jedem Landesbürger. nicht-ungarischer Zunge - die Benützung seiner angewohnten Sprache unangegriffen; Pas ist menschliches Recht, innerhalb deffen - der Staat - keine - Forderungen erheben darf. Im Staatsleben ist die ungarische Sprache auch für die Bürger nicht-ungarischer. Zunge souveränaber im Privatleben ist sie bloß ein guter Freund.