Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1874)
- Date
- 1874-06-30
- Page
- Seite 459 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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--- ' Rußland. -- . Airs Rußland, im Juni- Nach den Berichten der „P. Ztg." cursirt in Warschau das sensationelle Gerücht, daß alle Juden, welche nicht ortsangehörig.sind und. keine bestimmte Beschäftigung-Haben, aus Warschau aus gewiesen werden sollen. Die Zahl der Juden, welche von dieser Maßregel betroffen werden.würden, brläuft sich auf 1h—-20,000. Dieses System wurde von Seiten Rußlands in den russischen Gouvernements, in Kijow und anderen Städten prakticirt, überall^ hat es sich jedoch als undurchführbar und für die arme jüdische Bevölkerung als höchst drückend erwiesen; trotzdem erscheint es nicht unwahrscheinlich und verursacht unter den ärmeren Israeliten eine begreifliche Aufregung. . . Aus Petersburg wird der „P. Z." geschrieben : Wieder eine kleine Ausnahmebestimmung Mr die^Juden! Der Minister des Innern hat von'der beim Staatsrath bestehenden Commission für Überwachung der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht die, Genehmigung für die Bestimmung nachgesucht, .dtzß als Mitglieder^ der städtischen, wie der ländlichen Ersatzcommission Juden nicht zugelassen. werden^ > dürften. Sollte, der ministerielle, .Borschlag im Staatsrath die Bestätigung erlangen, woran wohl kaum-W zweifeln-ist, . so^wäre damit der politischen Moral um somehrsm's Gesicht; geschlagen, als der? Staatsrath seiner Zeit in.'dem Wehrpflichtgesetz alle projecrirt.gewesenen Ausnahmebestimmungen für die.Juden gestrichen und auf dem Gebiet der allgemeinen Wehrpflicht die israelitische Bevölkerung allen übrigen Unterthanen völlig..gleichgestellt hatte, c .; : Bonn, 15. Juni. Wir erhallen folgende Zuschrift, die wir wörtlich wiedergeben; . . Stockton, -25.' Mai 1874. - Hochgeehrter Herr Doctor! -"".-'^Jm'^Jntereffe^ meiner armen Collegen, die doch ohnehin schon genug gestraft sind, daß - sie von jüdischen Gemeinden abhängen, — die wöhl dieFreiheitfür sich und die Ihrigen beanspruchen , wahrend sieden- Angestellten noch immer als „Meschubod" betrachten und ihn als solchen behandelt wissen möchten, — möchte ich Sie, geehrter- Herr Doctor, dringend bitten: durch 'eine Veröffentlichung in' 'Ihrem geschätzten Blatte; der-' /Allgemeiner Zeitung des Judenthums" Jedermann zu warnen, nicht eher seiyen Platz zu verlassen und behufs: Uebernähme einer Stellung in Amerika nuszuwandern , als bis >er siO seine Reisekostenentschädkgung; sowohl, wie seine /anzutretende Stelle durch Contract gesichert hat. Die Zustände fccr jüdischen Gemeinden in Amerika (und selbst die renommirtesten ■ nicht ausgenommen) r sindderArt; - daß die- Ueberfiedler;' verlockt' durch die hochklingenden . Summen von Tausenden .von Dollars/ sich schließlich nach kWzer Ze.it getäuscht finden./'imd',f,-wen».»sie:--unglüchlichexweise; tzine;.anderweitigeBefähigung besitzen, um im fehlgeschlageneu Falle -, irgend etwas Anderes ergreifen zu können^:in der Regel sehr schlimm varan sind. Dieses ist die strengste Wahrheit., jj Rev. M. Fxank.,. . New-Orleans, im April. (Privatmitth.) New-OrleanS hat im Winter über, 200,000 Einwohnermit etwa 10,000 Juden, welche sich in . fünf größere Gemeinden .nach,; allen möglichen - Schattirungen gruppiren. . - Zuerst. der, „TeM p l e S i n cd", welcher auf dem Standpunkte der x a d ic a l^en -Reform steht. Der Gottesdienst wird mit entblößtem -Haupte abgehalten. Dann kommt die Gemeinde Shangmai-Chaffed,*). in welcher ein verküppelter deutscher Minhag mit portugiesischer Beilage eingeführt ist^ Die portugiesische Gemeinde „R e f u z a t H-J i s r a e l" ist die kleinste, trotzdem, dieselbe^.eine prachtvolle.Synagoge nebst einem GÄndcapstäl vdn^1oö,'O'Oi)doMr besitzt, alles ein Bermächtniß des . Philanthropen JuSkh Turd. Auch , die Polen besitzenein -steinernes Gotteshaus,, deri Form einer Citadelle, mit wohlausgebildeten-Schießscharten;-wahrscheinlich/ um sich gegen den anstürmenden 'neuen - Geist .zü -schützen:. Die fünfte- Ge^ meinve,tt-'beten?Witzlieder'/MdistenS^bem'>:.'wiedererobeüen-.-Brüders' stamme ungehören; besitzt eine hübsche Synagoge/ in - welcher; eine nicht festzustellende.Gebetordnung rcherrscht. - Man war--bis.-vor einigen Wochen noch recht.orthodox,; und plötzlich/ mit blitzartiger Geschwindigkeit/ ist man zur/rabiatesten Reform-übergetreten. . — Außer diesenfünf -Gemeinden giebt estmöch einige kleine Winkelsynagogen, deren Mitglieder hier allgemeinmitdem -höchst bezeichnendem Namen „Guerillas" belegt werden? Wir besitzen hier noch -ein „Home?', in welchem .über hundert Waisenkinder ein Asylgefunden haben; : ein jüdisches Hospital/ ein Bermächtniß Turoks, sucht - seines Gleichen in den Bereinigten Staaten, eine ^Hebrttv Ebucation- Society", in deren Institut/ 200 Kinder täglich fünf- Stunden unterrichtet werdend . Wie Sie sehen, Herr Doctor, hat das Judenthum/ selbst/ in so weiter Ferne/ einen' gedeihlichen-Boden, gefunden, und. würde unter den verschiedenen Gemeinden und ' jüdischen Gesellschaften ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl'herrschen/ so könnte,noch viel Bedeutenderes geschaffen, werden. . . Anvem ich nun den -localen.Boden verlasse// - möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf bas neueste Product - desr jüdisch-amerikanischen Geisteslebens lenken ,/ nämlich auf'-die Erstlingsfrucht der „American I e w i s h P u b l i ca t i o n:S o ci ety^,, ein amerikanischer Pendant zu Ihrem ,;JnftiMte / für:- Förderung der israelitischen Literatur?'. Das erste Werk? liegtnun- /vor mir und ist eine Uebertragüng inks-Englische-des-vierten Bandes von Grätz's Geschichte von-:'vi-:u/James K. Gutheim ,-- Rabbiner; der Tempel-Gemeinde von New-Orleans. - Das Werk/;.das entschieden 7 - 7- -*) »Schömer-Lhessed^ (?)/ u , - . u .27*