Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1874)
- Date
- 1874-06-23
- Page
- Seite 440 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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der Synagogengemeinde: micht, -eine dem -Verblichenen würdige Leichenfeier zu veranstalten: —' Im Januar c'.' schrieb der jüb.* Gemeindevorstand eine Concurrenz zur- Wiederbesetzung der hiev vacanlen Rabbinerstelle aus. Es meldeten - sich 27 Reflectanten, von denen indeß nur vier Candivaten zur Probepredigt berufen wurden: -Nach' dem neuen Gemeindestatut wird der Rabbiner durch. die stimmberechtigten Corporationsmitglieder aus denjenigen' Candidaten, welche vonjeder der beidenGemeindebehörden ausgestellt sind, gewählt; im Falle aber von den beiden Gemeindebehörden t/ .nur . ein: unb l>erfeI6e (Sanbibat aufgestellt ist, so ist dieser damit als Rabbiner gewählt und tritt Gemeindewahl nicht ein. Diese letztere Alternative ist hier eingetreten; beide Gemeindebehörden haben einstimmig den Rabbiner- Dr. Horowitz in Lauenburg i. Pomm. zum alleinigen Candidaten aufgestellt und hiernach seine Ausnahme als Rabbiner beschlossen. Der Gewählte hat die Wahl bereits angenommen. Leipzig , im Juni. (Privatmittheil.) Der'.Vorstand der. hiesigen Gemeinde hat soeben seinen Bericht über das Verwaltüngsjahr 1873 veröffentlicht, dem wir folgenges entnehmen. Es würde'zum; bleibenden Andenken an Prof: vr. Julius Fürst eine Stiftung' - gegründetderen' Zinsen für Studirende"der jüdischtheologischen ' Wissenschaft in Leipzig oder an der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin bestimmt sind: Bisjetzt beläuft sich das ’ Capital auf 2 0 0 0 T hlr. — In Gemeinschaft mit dem Dresdner Vorstande wurde beschlossen; bei dem Justizministerium wegen Aufhebung der rabbinischen Jurisdiction in': Ehesachen und' Übertragung derselben an das Apellationsgerscht unter Zuziehung des Geistlichen; der den- Scheidebrief ertheilen solle, zu petiren. Die Gemeinde zählte 286 Mitglieder, und ihre Einnahmen beliefen sich auf 10,374 Thaler, welche bis auf 118 Thlr. verausgabt wurden. Daß das Vermögen der Gemeinde mehr passiv als activ ist, ersieht man daraus; daß 423 Thlr. an Zinsen vereinnahmt, ' und 2060 Thlr. an Zinsen verausgabt worden. 700 Thlr. wurden an der Schuld getilgt. Der Beitrag der Stadt besteht in 200 Thlrn. An - Steuern 'leisteten die Mitglieder 715 3 Thlr.-, »48 'durchschnittlich 7ür'das Mitglied 25 Thlr. beträgt? Äußerdem' blühen' 7 Vereine und Stiftungen in dieser jungen Gemeinde/ was gewiß ein Zeugniß für'den Gemeinsinn derMitglieder, aber noch mehr für bie Thätigkeit der'Männer giebt, welche sich der Leitung der Gemeindangelegenheiten unterziehen. — Eine interessante Beilage bildet 'der „Berichtder Fremden-'Abtheilung des Unterstützungsvereins". Das Armenwefen ist nach den vom deutschisraelitischen' Gemeindebunde aufgestellten Grundsätzen' geordnet. Wir heben einige Einzelheiten heraus: ' „In der beifolgenden statistischen Uebersicht - des Jahres'' 187 3 ist der Unterstützungsbetrag' der Fremden-Abtheilung mit 891 Thlr. 17 Ngr. 9 Pf. und die Gesammtzahl' der unterstützten' Personen mit 712 beziffert, welche sich'auf' 582 ' Männer wit 783 Thlr. 1 Ngr. 4 Pf., 122 Frauen mit 149 Thlv 11 Ngr. 5 Pf., 8 Kinder mit 4 Thlr. 5 ' Ngr. ' vertheilen. . Betrachten - wir -die Gaben-der Unterstützungscaffe in denverschiedenen Monaten, - so erscheinet die Monate Juni—Juli und- October—November als die ammeisten - belastetenda - diese 'Jahresperiodeals die' eigentliche- ZM der Wanberbeitelei nach und von den deutschen Bädern-40 2l Thlr. -15 Ngr: 'erforderte; dagegen sind die Monate-Februar^März^ Äpril, in -welchen die Wanderbettler in' ihren Winterquartieren ausruhen, und der Monat August,:'die'Rüstzeit in bestimmten Badeorten, nur mit 214 Thlr. 14 Ngr. 9 Pf. zu bezeichnen: In den Monaten Januar—Mai^-September und : December,- welche für Leipzig dev Messen wegen besondere Anziehungskraft haben, belief sich die Unterstützungsziffer auf 274 Thlr.-18 Ngr., 'Nur ein knappes Zumessen der. Gabe und eine möglichst directe Beförderung nach der Heimath, unter-'Bezahlung des Fahrbillets bis zur, nächsten jüdischen Gemeinde, kann entschieden zum Ziele führen." — Hierbei wird' folgende Anmerkung gemacht: „Wir .machendarauf-'aufmerksam, daß verabreichte Fahrbillets verkauft wurden, und daß sogar Einzelne, welche bereits in den'Eisenbahnwagen placirt waren, dieselben züm Zwecke des Billetverkaufs wieder verließen. Wir haben diesem Uebel nur durch Begleitung durch den Vereinsdiener zum Bahnhofe, und ^'dortige Ueberwachung bis zum Abgänge des Zuges entgegentreten können? ' Früher hatten wir seitens der verehrlichen Bahnhofsdirectiön die dankenswerthe Vergünstigung, Arme'zur freien Fahrt empfehlen zu können, was besonders während der Curzcitda Leipzig als' Durchgangsstalion nach und von den östlichen, ' westlichen' und' südlichen Bädern sehr stark besucht ist, von erheblichem Belange war. Jene Vergünstigung! wurde uns nur wegen des mit den Freifahrtsbillets seitens der Wanderbettler getriebenen Mißbrauchs' entzogen." — Endlich fügen wir folgende Bemerkungen aus dem Berichte hinzu: ,;Die Vertheilung nach den Ländern zeigt uns in erster Reihe"Rußland und Polen, wo 301 Personen mit 423 Thlr. 22 Ngr. 9 Pf., in zweiter Reihe Oesterreich, namentlich Galizien und'Böhmen, wo 191 Personen mit 182 Thlr: 27 Ngr: unlet-' stützt'mürden. Sowohl" für die'Wanderbettler aus Rußland? welche 'ihre ^regelmäßigen' •* jährlichen * - Umzüge - ln. ganz Europa? halten; als für diejenigen, welche divmißlichen Verhältnisse' des vergangenen Jahres in - Oesterreich ' zur Wanderung veränlaßten, - muß die strengste Controle in den deutschen Gemeinden geschaffen' werden: — Unsere bereits im zweiten Jahre gemachten Erfahrungen auf dem Gebiete des jüdischen Armenpstegewesens, bei welchem uns die seitens des 'Gemeindebundes in‘ Vorschlag ge-: brachten Grundsätze "als Normativ dienten, überzeugten uns,- daß' durch genaue Beachtung derselben das in Rede 'stehende' Uebel' allerdings erfolgreich bekämpft'werden kann. "Auch in Bezug ausi Rußland" ist das Beste zu hoffen, da das Innere desselben?aüch? unseren dortigen Glaubensgenossen - mehr und mehr erschlossen' wird? wodurch sich ihnen ein "größerer Spielraum für ehrenvolle Thätigkeit 'darbietet: In Betreff der?rüssischen Militärflüchtigen^