Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1874)
- Date
- 1874-03-24
- Page
- Seite 219 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Als wir in Nr. 50 des vor. I. über die projectirte Kieder§ Herstellung der alten Wasserleitung nach Jerusalem berichteten, bemerkten wir^ wie es ein altes Problem der Alterthümsforscher sei, daß wir aus den Belagerungen des alten Jerusalems zwar von.heftigen Hüngersnöthen, niemals, aber, von Wassermangel während der Belagerung lesen; so daß also eine Vorrichtung in großartigem Style vorhanden gewesen sein muß, das umlagerte Jerusalem reichlich mit Wasser zu versorgen. In alter, wie in neuer Zeit, ist es eine der ersten Sorgen des Belagerers, dem Belagerten das Wasser abzuschneiden, und bei Jerusalem konnte Dies um so leichter geschehen, als es innerhalb seiner Mauern außer den Cisternen nur wenig Wafferquellen hatte, -ihm also das Wasser .von aüßen zugeführt wurde. Man glaubt daher, daß in Jerusalem ein ßroßes unterirdisches Wasserleitungssystem bestanden, welches von dem Magernden Feinde nicht zerstört werden konnte, und Hofft bes weiteren Nüchgraöüngen diesem noch auf die Spur zu kommdn. Eine Ändeutung finden, wir in Jes. 22, 9;. 11. Es wird daselbst-eine Belagerung in kurzer Zeit vorausgesehenmit großer Eilfertigkeit werden die Vorbereitungen zur Vertheidigung getroffen; da heißt es Vers 9: „Ihr sammelt des untern Teiches Wasser", und Vers 11-: „Einen Behälter machet Ihr zwischen der Doppelmauer für das Wasser des alten Teiches." :M ergiebt sich hieraus ein Zwiefaches: das Wasser des einen Teiches wird. in ein bereits bestehendes Reservoire abgeleitet, und „gesammelt", und für das Wasser des andern Teiches ein Behälter zwischen den beiden Mauern angelegt, oder wenigstens für seinen Zweck, geeignet gemacht Ueber die betreffenden LocalitäteN ist' man bis jetzt freilich noch nicht über VermüthuNgen hinausgekömmen. Ein kleiner Nachtrag. In Nr. 9 d. I. berichteten wir über die treffliche Schrift des vr. Freudenthal und bestritten seine Gründe für-den samaritanischen Ursprung des Dichters Theodotus: Wir übergingen dabei einen kleinen Umstand, dessen wir der Vollständigkeit wegen nachträglich erwähnen wollen. Theodotus läßt Simon zum Levi sagen: „Wohl Hab'' ich gut verstanden das' Wort des' Herrn, denn '',7/.' er sagte: Zechi der Völker dereinst greisgeb' ich Abrahams Söhnen." i Hierzu bemerkt' Freudenthal: Auf den samaritanischen Ursprünge deutet auch ,-die ünbiblische Erwähnung von' zehn Völkern, deren Land den Kindern Israels gegeben werden solle, deNN diese Zahl Entspricht den zchü Stämmen'des Nordreiches." Herr Freudenthal Muß hierbei nicht' daran gedacht'' haben) daß 1 Mys. 15,. 19 —2 l bei der Verheißung'des Landes zehn Völkerstamme aufgeführt werden. Es kann also durchaus nicht gefctgr ti>eri»en, biefc (Srtoa^fiuiiö von zehn Völkern bei Theodotus eine, unbiblische sei, daß-die Zahl von diesem unwillkührlichiechncht sei, um auf die zehn Stämme des Nordreiches hinzudeuten, und daß Dies auf samaritanischen Ursprung verweist. Unsere jetzigen Ausgaben^ der. Septuaginta zählen an der gedachten Stelle -sogar eilf Völker auf, indem sie noch die E&äio&Q hineinfügen, d. fc -in, t>er int hebräischen Texte fehlt. Dies würde noch weniger auf die zehn. Stämme, des Nordreiches, passen. ’;,• / - < Langenhorf (Oberfchl.) ' Auf Gern jüdischen^ Begräbniß--- platze bemerkte inan neulich 'bei heftigem Winde, das Wehen eines weißen Gegenstandes, und als man die Sache näher untersuchte, fand man zum Entsetzen der jüdischen.Gemeinde, .daß der wehende Gegenstand. ein Leichentuch war; vier Gräber, waren geöffnet, die Leichen aus ihrer Ruhestätte gerissen und auf die empörendste Art verstümmelt. Einigen waren die Hände, anderen die Füße abgetrennt. Nur die Gräber vor nicht langer Zeit begrabener Frauen waren von den Barbaren geschändet, und zwar, wie die Untersuchung ergeben, hauptsächlich um die Leichen, ihrer Haare zu berauben. Die Thäter sind noch nicht entdeckt worden. . In Calcutt a erscheint ein jüdisches Blatt unter dem Titel „Macbuffair" öder; Glad Tidings. Bas Blatt erscheint jeden Freitag in . arabischer Spräche, Mit hebräischen Lettern. Es hat bereits — 90 Abonnenten (Jew. chron.). — In M. - Sziget erscheint in hebräischer Sprache wrs. Nachrichten (auch politische) Aufsätze, Briefe , Gedichte und Handelsnachrichten enthaltend. Man schreibt uns aus.München:. Da in Nr. 10 (S. 159) der, Verlobung des, Herrn Guggenheimer unter ven dort bemerkten eigenthümlichen Umständen, Erwähnung geschehen,, gestatten Sie wohl die-Bemerkung; daß sich , das Verhältnis wieder aufgelöst hat. In Großwardein (Ungarn) ist in Folge des Processes zwischen der dortigen israelitischen. Fortschritts- und der orthodoxen Partei der Tempel der Letzteren versteigert--und an den Meistbietenden, Herrn Samuel Levy, um 14,9 01 fl: verkauft worden.! Dieser hat den Tempel für die orthodoxe Partei' gekauft. ' (O Du verloren gegangene gute alte Orthodoxie, hättest Du jemals so Etwas von denen erwartet., die sich nach Dir jetzt benamsen!- Man will.seine Schulden los werden, und"— versteigert die Synagoge!!!)