Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1874)
- Date
- 1874-03-24
- Page
- Seite 217 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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2172 Jargon', Her dG Mann o„auS -demReiche^ verrieth,- während der! Besucher /seine polnische-Abkunft offenkundig machte.; 'Doch behalten-wir hier nur so vielen Anklang davon bei, als durchaus nothwendig ist. „Was-.bringt , Ihr, Reb Jekef?" hob der Rabbi an,: und -schaute, immerhin etwas neugierig, auf den -in der Ecke Sitzenden, der die großen knochigen Hände auf die Knieen gelegt hatte und-den.-Oberkörper hin und her schaukelte. „Was ich bringe, Rebbe? Was kann ein armer Melammed bringen? Wer bringt was - . .. Aber hat der Rebbe noch nicht gehört, was in der Kehille. ^Gemeinde) vorgeht?" Der Rabbi antwortete nur durch KoMchusieln/und Jener fuhr fort: „Man will hie? Freischul' für die ganze Kehille machen, und; q lle Kinder sollen hineingehen, und wir Melamdim sollen wie Hie echten Schnorrer .ein paar Thaler monatlich von der Kehille bekommen, um langsam, daranzuverhungern. Was sag' ich, langsam, es wird, schnell genug gehend .. „Davon weiß ich' noch Nichts. Und nu?" „Nu? Nu, -werdendie Kinder gar kein Jwri mehr lernen, kein bischen Thaure! sie lernen nur treifene Bücher lesen, und französisch und wo Berlin und Paris liegen, wie der beste Kutscher, der dahin fahren soll, und. was das Kätzchen für eine Natur hat, aber von Mansche Rabbeinu hören -sie Nichts, dafür lernen ,sie. Mansche Defsau's Uebersetzung ... Wird der Rebbe Nichts dazu thun?" - , 2 - - < . - /-„Was. soll, ich dazu thun,? .Fragen sie mich, oder hören sie aus mich?"/ „vi Man-sagt sogar , daß des Rebbe's Jungen auch hineingehen. werden. Das sollen Eure Töchter — der Rabbi war seit langer Zeit Wittwer — schon versprochen haben." . Des Raöbi's Eigendünkel mochte hiervon doch berührt sein, und er sprach etwas heftig : „Das ist nicht wahr, ich weißRichts davon^ und werd' es. nicht leiden." . / , - /Dev Mannin der Ecke: lächelte in sich hinein. Er mochte wohl.-denken, - das. ist auch ein Hirt, der zu allerletzt: erfährt,, wenn der Wolf in seine Heerde -eingebrochen, -und den- Hirtenstab habenihm seine Töchter -richtig aus der. Hand -gewunden. Dies sagte, er nun nicht, sondern fuhr fort: „Das dürft Ihr auch nicht,, denn, das wäre ein-zu böses Beispiel. Denn was sind das 'für, Lehrer! -Ein Gräuel' sind sie, wahre Jerobeams! Wißt, Rebbe, -unter ihnen sind zwei. Bechaürim (Erstgeborene), und diese haben /am letzten Eres Peißach nicht gefastet, und auch nicht einen Schiur gehalten." .... . 7 -,. 7 . „Das ist , nicht wahr!" fuhr der Rabbi auf. „Das thut kein Bechaur." . , -;,- 77--7 .-7.77 7.7 vi: „Ich weiß es aber." , 7 77'/' ■;;» 77 77/. 7 7 ' v „Ihr wißt auch 'Nichts. Habt/Ihr es 7 gesehen?" . „Ich, .habe Eidim (Zeugen)." „Ihr habt auch keinen Eidim, oder solche, wie im vorigen^ Jahre. Meint Ihr, ich Hab' es vergeffen? Da habt Ihr gesagt, die Lehrer sind am Thische Bof spazieren gegangen und in ein Wirthhaus;: hinein nnd haben dm Bier getrunken. Ich 'selbst habe mich von ( Euch verleiten lasten, und Lärm geschlagen, und als nun die . Eidim reden sollten, da hatte es der Eine vom Andern gehört, und der Letzte von Euch selbst, und ich habe nur die Bische (Schande) davon gehabt. Geht mir ein für alle Mal mit solchen Sachen!"- '•< - -„Diesmal ist es doch anders, und es wird sich schonfinden. Aber ich habe noch eine andere Neuigkeit. Man verlangt von den' Rosche Hakohl (Gemeindevorstand), daß -an allenIomtauvim (Festtagen) gepreidigt werden solle . . ." Der Sprecher blickte den Rabbi scharf an, wie um die Wirkung dieser Worte -zu beobachten. Der Rabbi blieb aber ruhig, und richtete nach einiger Zeit an Jenen die Frage: „Reb Jekef, wißt Ihr eigentlich, was das Preidigen ist? Ich weiß es noch nicht recht." „Nu, Das kann ich, dem, Rebbe sagen; ich war schon einmal dabei. Es war wie der Erbprinz Hochzeit feierte, wißt Ihr. Da. haben. sie in der Schul' gesungen und gekehlt und haben vor den Oren hakaudesch (heilige Lade), wißt, wo Ihr immer steht mit dem Ständer, wenn Ihr darschent, so ne . halbe Tonne hingestellt, und mit rothem. Sammet und mit goldenen Franzen behängt, und da ist Hirsch Schreiberche hineingestiegen, und da hat er einen Poßek (Vers) aus Thillim (Psalmen) angeführt, und dann eine lange Rede geredt in hochleitscher Sprache,7 daß ich nicht viel davon verstanden habe. Er hat gesagt: in der Freude soll man sich freuen, und in der Trauer soll man trauern, und wer gut ist wird Freude haben,7 und wer schlecht ist, wird Trauer haben, was doch jedes Kind schon weiß. Und das war so lang und so langweilig, daß ich darüber eingeschlafen und nicht eher aufwachte, bis das Schreiberche Amen rief — denn Omein darf er -nicht sagen, sondern!■-men. DaS ist Preidigen." Der Rabbi schüttelte den Kopf. „Wenn es weiter Nichts ist," erwiederte er nach einigem Nachdenken, dann-mögen sie es immerhin haben. Sie werden es bald überdrüßig haben, und froh sein, wenn! sie es wieder-los sind. Es hat.Posche Jisroel (Sünder) gegeben.vor dem Preidigen, und wird solche nach ihm!geben."-7 7„ ..7,77 7. Der Melammed biß sich auf die Lippen- und fuhr in stärkerem Tone fort: „Ja, das wäre schon gut , aber Rebbe, sie wollen Euch Eure -Drosches nehmen .W'. . 77 Der Rabbi horchte auf. 7. 7:7 ,7.7 „Sie sagen, der Rebbe darschent an Schabbes hägodaul doch nur von dewmrünen Kräutern und am, Rausch haschone von den falschen Locken, und des Rebbe's Töchter trügen selbst-' solche... DaS.sagen die -schlechten Leut', und darum Wüllen sie gepreidigt haben."! ■■' - - 7 777,-77 7. 77777.y.y i j Abermals lächelte der Sprecher in sich hinein, sind dachte : * Jetzt hast Du es dafür , daß die Kinder Nichts bei mir gelernt 1 haben sollen. Des Rabbi's Antlitz aber 'war feuerroth vor Zorn 13*