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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-06 · Heft 2 (6.1.1874) · p. Seite 29

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 2 (6.1.1874)
Date
1874-01-06
Page
Seite 29 (sequence 13)
Language
German
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29 daß die begehrten „Pelze und Juwelen" eine unerwünschte Preissteigerung erfahren hätten, und daher nicht für den verabredeten Preis von 65, sondern nur für 70 Procent zu beschaffen seien. Nachdem Voltaire sich damit einverstanden erklärt, traf aus Dresden die anderweitige Nachricht ein, daß in Folge gesteigerter Kauflust die Steuerscheine einen Cours von 75 Procent erlangt hätten. Diese Berichte verfehlten nicht, bei dem mißtrauischen Philosophen, — ob mit Recht oder Unrecht, bleibt dahingestellt, — Argwohn zu erwecken. Dessen Mißstimmung nun benutzte Ephraim, welcher durch seine Spione von dem „Pelzhandel" Kenntniß erlangt hatte, um durch eine fein gesponnene Intrigue sich Genugthuung für die ihm vom Vater des Abraham Hirsch zugefügte Kränkung zu verschaffen. Demnächst lag es auch wohl in feiner Absicht, gemeinschaftlich mit Voltaire das saubere Geschäft auszubeuten. Und in der That gelang es ihm, einen unheilbaren Bruch zwischen Beiden herbeizuführen, der die Zurückberufung des Unterhändlers zur Folge hatte. Bei der Auseinandersetzung entstanden nicht unerhebliche Differenzen, deren Negulirung jedoch zu Gunsten des Hirsch ausfiel, nachdem derselbe gedroht,- die Angelegenheit dem Könige zu verrathen. Durch List und Betrug suchte Voltaire nun wieder in den Besitz der von ihm geleisteten Entschädigungssumme zu gelangen. Er ließ sich von jenem werthvolle Diamanten und einen kostbaren Spiegel zu vorher bedungenem Preise liefern, dessen Zahlung er dann unter dem Vorgeben verweigerte, bei dem früheren Geschäft übervortheilt worden zu sein. Um seiner Handlungsweise einen rechtlichen Schein zu geben, verschmähte er es nicht, die auf das Steuergeschäft bezüglichen Documente eigenhändig zu fälschen, vertauschte außerdem die ihm gelieferten Edelsteine gegen minder werthvolle, und beraubte, unter Zufügung körperlicher Mißhandlungen, in Gegenwart seines Dieners den armen Juden seines Fingerringes. Hirsch reichte beim König eine Klageschrift ein, die zu merkwürdigen Enthüllungen führte, und Friedrich der Große, überrascht von der nichtswürdigen Handlungsweise seines Lieblings, äußerte sich gegen den Großkanzler, die Angelegenheit durch richterlichen Spruch zum Austrage gebracht zu sehen. Voltaire, hiervon benachrichtigt, und das Bedenkliche seiner Lage erkennend, kam dem Gegner durch Anstellung einer gerichtlichen Klage zuvor, in Folge deren Abraham Hirsch am Neujahrstage 1751, auf Befehl des Ministers von Bismarck, — damaligen Chefs des Kammergerichts, — verhaftet wurde. Dieser, wie ein Blitz aus ungetrübter Höhe einschlagenden, und das allgemeine Aufsehen hervorrufenden Maßregel erlag der Vater des Verhafteten, -— ein jäher Tod entriß ihn am 13. Januar seiner zahlreichen Familie. . Im weiteren Verlaufe des Processes erhoben sich aber so gewichtige Verdachtsgründe gegen Voltaire, daß dieser vor der Beschuldigung des Betrugs, des Diebstahls und der Urkundenfälschung sich schwerlich hätte rechtfertigen können, wenn nicht die Angelegenheit durch einen Vergleich zu Ende geführt worden wäre. Geschah Dies auch scheinbar zu Gunsten Voltaire'«: die öffentliche Meinung hatte sich doch des Spruches bemächtigt und über ihn, der so gewaltig sich erhob, die Thorheiten und Gebrechen seiner Generation zu geißeln, das „Schuldig" ausgesprochen. So rächt die Nemesis der Wahrheit früher oderspäter die mit Füßen getretene Moral: Auch der große Friedrich ließ ihn seine Verachtung durch den Ausspruch fühlen, daß sein Herz hundertmal schlechter sei, als sein Geist groß erscheine. Von den Adressen, welche Kaiser Franz Joseph jüngst zu seinem 25jährigen Negierungsjubiläum in großen Massen erhalten hat, sind jetzt 16 der schönsten Arbeiten, die sich durch ihre reichen und künstlerisch trefflichen Enveloppes auszeichnen, im österreichischen Museum öffentlich ausgestellt. Zu diesen sechszehn auserwählten gehört auch die der lemberger Jsraelitengemeinde, in einer Decke von blauem Sammet mit Füllungen von Bronce, die mit wellenartigen Arabesken geziert sind.*) tl a ch 1 r a g. Prag, im December. (Privatmitth.) Durch die Legale gelehrter Talmudisten, die während der letzten 60 Jahre in Prag starben und die israelitische Cultusgemeinde zu Erben ihrer Bibliotheken einsetzten, gelangte dieselbe in den Besitz eines kostbaren Bücherschatzes, der aber völlig unbenutzt zu Bergen angehäuft, in den Räumen des jüdischen Rathhaufes herumlag. Erst in letzter Zeit ließ die israelitische Cultusrepräsentanz die Bücher ordnen und einen alphabetischen Catalog von denselben anlegen, welche Arbeit gegen das Ende des vorigen Monates vollendet wurde. Diese Bibliothek, die im zweiten Stockwerke des jüdischen Waisenhauses zu Prag ausgestellt ist, umfaßt an 6000 mitunter sehr seltene Bände. 40OO Bände davon sind vollständig in hebräischer Sprache gedruckt. Die ältesten Werke, von denen einige bis in das fünfzehnte Jahrhundert zurückreichen, sind in Padua und in Prag gedruckt. Totis (Ungarns, im December. (Privatm.) Am 2. d. M. verschied im Alter von 80 Jahren Herr A. Kutna; derselbe wirkte 45 Jahre als Rabbiner in hiesiger Gemeinde. Zu seinem Nachfolger im Amte wurde noch vor der Beerdigung sein Enkel gewählt. *) Man muß diese Kunst in Lemberg gut verstehen, denn wir erinnern uns mit dankbarer Anerkennung, daß unter den Glückwunschschreiben zu unserem 25jährigen Amtsjnbilanm (1858) die Gemeinde zu Lemberg uns mit der am schönsten und reichsten ausgestatteten Adresse in einer kostbaren Envcloppe beehrte. Die Redaction.

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