Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-07 · Heft 41 (7.10.1873) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 41 (7.10.1873)
Date
1873-10-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3226906-3226948--32015-3254965
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Allgemeine ©u uuMteiischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeiruna erscheint wöchentlich einmal in 2 viS 2'/2 Bogen. Preis Bicrle>,äl)ri.q I Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. sür die Pctirzcile oder deren rttaum dcrcchnct. Alle Buchbandlungen, Postämter nnd Zeitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen aiu Herausgegeben von Rabbiner I>r. Ludwig phUippson tu Bomt. Verlag von Banmgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. In redactioncllcn Angelegenheiten wende man sich an l>r. philippfon in J«m; dinjichtlich dcS Bezugs und der ^weratc an tlvuwaarlnrr's Suchstinidlang in Leipzig. Inserate, welche bis vonner»- tag LÜlgehsn, finden indertaraussolgcnden Nummer Berücksichtigung. 37. Jahrgang. Leipzig, den 7. Oktober 1873. J\? 41. 3n!jfl!l. Leitende Artikel: Frankreich. — Ein geschichtliches EstarakteristiKlni. II. — Zeitungsnachrichten: De uttchland: Eölir, Berlin. Bonn, Lchlicideinühl, Ulm. - O cstcrrcichisch-nngariiche Monarchie: Ben der Denan. Terncsvar. Aus Galizien, Agram, Lemberg. — Großbritannien: Lenden. — Belgien: Brüssel. — Marekle: Lenden. — Feuilleton: Ein Proceß in Galizien. (Schluß!. — Die Inden in Wien. - Der Jndcnteich. I. — Vermischtes. «ücitcildc (fttllllcf. Frankreich. Paris, 25. September. Herr lltedacteur'. Ihre Aufforderung, meine Ansichten über die gegenwärtige Situation in Frankreich auszufprechcn, ist zu verbindlich, als daß ich ihr nicht Nachkommen sollte, obschon dies durchaus keine angenchrne Arbeit ist. In der Thal braucht man kein ruhmrediger Franzose zu sein, um den Vorgängen in Frankreich, wie sie jetzt vor unseren Augen sich abspielen, große Wichtigkeit für die europäische Welt beiznlegen. Tenn nicht allein der Frieden, sondern auch die geistige Bewegung kann davon abhängen; cs ist in ihnen nicht blos eine politische, sondern auch eine große Culturfrage enthalten. Darum ist es ein allgemeines Interesse, daS von den Kämpfen und Entscheidungen in Frankreich auch gegenwärtig vielfach berührt wird. Frankreich, ras mir l 7S!) der europäischen Well so starke Impulse gegeben, will jetzt dieses J 7 St) verleugnen: Frankreich, das der Göttin der Vernunft Altäre errichtet, die Kirchen geschlossen, die Priester verjagt hat, ist jetzt von Wallsabrern, Wunderstätten und Heiligenbildern bedeckt, und der Klerus ist die herrschende Partei; Frankreich, das zwei Mal die Bourbonen verjagt, die Orleans ihnen nachgeschickt, das Empire aufgegeben und drei Mal die Republik errichtet hat, will setzt noch ein Mal den letzten Bourbon zurücksühren und ihm die Orleans zu Nachfolgern geben! Nachdem es so lange zwischen Umsturz und Restauration hin und her geschwankt hat, — kenn die Napoleons und Orleans sind doch immer nichts weiter als Restaurationen, wenn auch nur halbe, — ist es jetzt bereit, in die letzte und volle Restauration einzimeten. Wenigstens spricht alles dafür, daß es binnen Kurzem dazu kommen werde. In diesem Lande kommt cs gar nicht darauf an, ob die wirkliche Majorität des Volkes innerer Ueberzengung zufolge mit dem übereinjtinrmr, waS geschieht. Wenn eine Partei sich der augenblicklichen Herrschaft bemächtigt, laut in die TroWpetc stoßt und sich als Majorität gerirl, ihr Geschrei immer weiter und lauter vernehmen läßt, Gewalrmaßregeln nicht scheut, die Gegner verstummen oder wenigstens kleinlaut macht, — so Bedarf cs nur einiger Energie von ihrer Seite und sie kann ihren Willen durchsetzen.' Tie Franzosen sind ein leichtgläubiges Volk; macht man eö erst glauben, daß dieser oder jener die Macht habe, so unterwirft es sich ihm, — ebenso wie eS diejenigen sofort stürzt, von denen eS glaubt, daß sie die Macht nicht mehr haben, darum gelangen in Frankreich schon so viele Ententen und eben so viele Staatsstreiche. Darum ist es auzruwhmen, ras; diesmal die Royalisten siegen werden, nachdem sic die augenblickliche Herrschaft an sich gerissen und das große Werl fuhren. Ganz Fraitkreich glaubt schon daran und hiermit ist alles gewonnen. Aehnliches kann man betreffs aller bisherigen Veränderungen in Frankreich Nachweisen. Ter Kampf um die Prineipien wird sofort anfgegebcn, sobald die augenblickliche Machtfrage entschieden ist. Früher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.