Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1873)
- Date
- 1873-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Q'{ ff (] e m e i n e Ein lmpartcüslhcs Organ für alles jüdische Interesse. ♦ Diese AeilmiI erscheint wöchentlich einmal in 2 viö i1!-. Bogen. Preis Bkertellährig I Thlr. " Inserate werden mit 2 %}*. für die Petilzeile oder deren »kaum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZcilnngS - Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Nal'biuer Nr. Ludwig Philipplon in Bonn. Beri?g von BlNlingärtiicr'e BuchyauRung in Leipzig. In redaelioncllcn Angelegenheiten wenre inan sich an IN. 0. PKilippson in Bonn: l'insichllich des Be;n.;s und der In'erate an üaumarlrtnrr's rlmtiliandlung i»d'eiv;ig. jfnfrrnlf, welche bis Domirr»- laq eingedcn, fiutcn indcr.arausfelgen» den .'kttininer Berüüsichrigung. 37. Jahrgang. Leipzig, den I. Juli 1573. J\? 27. Anhalt. Leitende Artikel: Der Austritt ans der Reliaiousaenesseuübaft. IV. — Literarischer Wochenbericht: Bonn, Frankfurt am Main. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig. Berlin, 2'enu, Bamberg, Paderborn, München, Bom Nbeine.— Oestrcichisch - ungarische Monarchie: Triest. Aus Galicien, Lemberg, Tralau. — ft van \x cid»; Paris. — (^rogbritan nien: London. — Schwei;: Bern. — Rumänien: Jam». — Rußland: Odessa, 2r'arschau, Sl. Peicrsburg. — Feuilleton: Ausstiigc nach verschiedenen Stationen. (Schluß.» — Vermischtes. — Nachtrag: London, Cyon. oCeiteiu)^ eUhM, B o n n, 25. Juni. Der Änstritt aus der UeligunisgenMnschaft. IV. Doch sehen wir von aller? juristischen und ökonomischen Gründen ab. Ein Gedanke beseelt uns, der uns gegen die beabsichtigte Erlaubnis, ans der Gemeinde zu treten, kämpfen läßt, indem wir, wie bereits wiederholt auseinandergesetzt worden ist, einer größeren Anzahl Solcher, die mit dem örtlichen Gottesdienste nicht zufrieden sind, und sich einen eigenen Herstellen wollen, das Recht Vorbehalten, den Theil ihrer Gemeindesteuern, welche für den öffentlichen Gottesdienst verwendet werden, für den ihrigen zurückzusordern — sonst aber in der Gemeinte verbleiben. Es handelt sich ja hierbei offenbar nur darum, daß, seien es stabil orthodox, seien cs reformistisch Gesinnte, sich einen eigenen Eultus schassen können, ohne für den bestehenden mitsteuern zu müssen. Dem wird aus obige Weise abgeholsen. Ein anderes „eonfessionelles Bedenken" giebt es nicht. Geht ein solches noch weiter darüber hinaus, so ist es ein Aufgeben des Iudenthumes, und dies ermöglicht das Gesetz vom I I. Mai e. Der Gedanke, der uns die Spaltung der Gemeinden, die völlige Lostrennung des einen Theiles vom anderen, bestreiten läßt, ist: die Einheit der jüdischen Religionsgenossenschaft! Die Einheit der jüdischen Religionsgenossenschast und ihrer Träger, des jütischen Stammes, war stets ein Grnndprincip, und das wahre Lebenselement unserer Religion, der Religion Israels, der Gotteslehre, der religiösen Idee. Nicht blos, daß es Vas ganze Israel war, das ans Aegypten zog, das um den Fuß des Sinai versammelt war, das das Land der Verheißung nach gleichen Familienlosen in Besitz nahm — von noch größerer Bedeutung war es, daß für das gesammte Volk nur ei» Heiligthnm bestehen sollte, nur ein Heiligthum fünfzehn Jahrhunderte bis zum Falle Jerusalems bestand. In einem fünfhundert Quadratmeilen großen Lande, ohne Straßen und Eisenbahnen, wo Pferd und Manlrhier eine Seltenheit waren, demnach jeder Hinaufzug nach diesem Hciligthmne eine sehr beschwerliche Pilgerfahrt war, bedeutete dieser Bestand eines einzigen HeiligthmneS außerordentlich viel. Es war dies eine große Schwierigkeit, und nicht ohne vielseitige Gefahr für die Religion selbst, da das opsersüchtige, andachtsbedürstige Voll sich leicht verleitet fühlte, Altäre zu bauen, und von der Gotteolehre abzuirren, wie das Beispiel Micha's «Richter 17, und die ganze Königsgeschichte erweist. Die Einheit der Religion und des Volkes sollte in diesem einen Heiligthnme ihre Verkörperung, ihre sichtbare Erscheinung haben. Wir haben nur eine geschichtliche Abweichung davon in später Zeit, den Oniaslempel in Aegypten, den zwar die Weisen in Jerusalem nicht mit Bann und Ausschließung vernrtheilten, aber auch nicht anerkannten, und, des unverkennbaren Bedürfnisses wegen, stillschweigend duldeten. Die Abtrennung der zehn Stämme hatte sofort den Abfall derselben zum Götzendienste zur Folge.